Langsamkeit lernen
Ein Erfahrungsbericht
„GERADE AUCH OHNE HANDY UND WENN ES NICHTS GESCHEITES AUF NETFLIX GIBT", schreibe ich diese Tage in mein Journal.
Dieses Jahr steht für mich unter einem ganz besonderen Stern: Langsamkeit. Ja, ich erlaube mir langsam zu sein.
Es ist ein Gegenpol zu ständig überall und nirgends sein und zum Dauerscrollen.
Und ich praktiziere das so ähnlich ja schon seit vielen Jahren - aus dieser Ruhe-Praxis heraus ist zum Beispiel auch die Bibelstudie "Die Ruhe ist gut" entstanden. Gleichzeitig merke ich, wie es immer noch neue Ebenen und Vertiefungen zu entdecken gibt.
Gestartet bin ich vor Jahrzehnten mit einem Tag, an dem so ziemlich jede Minute ausgeplant war. Ich übertreibe nicht – es mussten die Dinge auf die Minute passen, damit ich alles schaffen konnte. Und ich habe viel geschafft zu dieser Zeit: Schule, Nebenjobs unter der Woche und am Wochenende (seit ich 13 bin durchgehend), zu Hause helfen, Geschwister betreuen, in der Gemeinde aktiv sein, Abitur usw.
Im Studium kam mir das entgegen, weil ich dann plötzlich ganz viel Freizeit gespürt habe. Nun hatte ich "nur" ein Vollzeitstudium, einen Nebenjob, meinen eigenen Haushalt und die ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinde. Es fiel weg, dass ich zu Hause helfen musste und mehrere Nebenjobs gleichzeitig hatte. Und wo andere sich beklagt haben, wie viel Arbeit der eigene Haushalt neben dem Studium noch so macht, konnte ich aufatmen.
Aus heutiger Sicht war dieses Pensum natürlich viel zu viel, aber ich kannte es nicht anders und habe es auch gar nicht hinterfragt.
Bis ich krank wurde.
Und das war mein Weg zur Ruhe.
Eins der ersten Rituale, die ich unbedingt in meine Woche integrieren wollte, war der Sabbat. Einen Ruhetag halten. Zum Feiern und Genießen. Wäre das nicht wunderbar?
Als ich angefangen habe, das zu integrieren, war ich oft so erschöpft, dass ich den Großteil des Tages mit Schlafen verbracht habe. Okay, das ist einfach.
Next level war dann, einen Tag lang Schönes zu tun (z. B. malen, Yoga, tanzen) oder Ausflüge zu unternehmen – ohne dazwischen noch eine Wäsche rein zu schmeißen oder das Handy zu checken.
Anfangs konnte ich das gar nicht genießen. Es war mir wirklich fremd, dass ich wach war, aber nicht arbeiten sollte. Kannst du das nachvollziehen?
So kann auch das gemeindliche Ehrenamt (oder jede andere "Leistung") ein Deckmantel sein, ein kleines Schlupfloch, weil wir zwar in dieser Zeit keiner Erwerbsarbeit nachgehen, aber doch unsere Komfortzone nicht verlassen müssen.
Und nun habe ich an mir bemerkt, dass es mir noch immer schwer fällt, einfach nur zu gammeln. Das lerne ich noch zu genießen :)
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