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Lachen – ein Geschenk Gottes

Warum Fasching zutiefst christlich ist

Wenn an den „tollen Tagen“ die bunten Kostüme aus den Schränken geholt werden, dann mögen manche denken: Beißt sich diese Ausgelassenheit nicht mit der Ernsthaftigkeit unseres Glaubens? Die Antwort heißt: Nein, überhaupt nicht, im Gegenteil! Fasching ist sowohl historisch als auch theologisch tief im Rhythmus des Kirchenjahres verwurzelt. „Fast-nacht“ ist die Nacht vor der Fastenzeit. Die Kirche hat dem menschlichen Bedürfnis nach Freude und Gemeinschaft von jeher einen festen Platz eingeräumt. Die Bibel sagt: „Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit“ (Kohelet 3,4). Nur, wer die Fülle des Lebens feiert und auskostet, kann danach auch die bewusste Leere und Stille der 40-tägigen Fastenzeit als Gewinn erleben. Beides bedingt einander. Die Fröhlichkeit ist also kein Widerspruch zur Buße, sondern gewissermaßen wie ihre „lebensbejahende Schwester“.

Heilige Leichtigkeit

Das Lachen, jene universelle Sprache der Freude, wird jedem Menschen bereits bei der Geburt als ein göttliches Geschenk in die Wiege gelegt. Es erinnert uns daran, dass die Leichtigkeit und das Glück von Anfang an ein fester Teil unseres menschlichen Wesens sind. Der Glaube will das Leben nicht einengen, sondern weiten. Deshalb sollten wir die Faschingstage nützen, um miteinander zu lachen und Gemeinschaft zu bilden, ohne Barrieren. Damit entdecken wir gemeinsam wieder jene „heilige Leichtigkeit“, die das schönste Zeugnis ist für die „frohe Botschaft“ Jesu, um die es uns geht. Große Gestalten der Kirchengeschichte hatten ein entspanntes Verhältnis zum Humor. So betete die heilige Teresa von Avila: „Herr, befreie mich von den mürrischen Heiligen!“ Sie wusste, dass ein Glaube, der nur aus Verboten und Verbissenheit besteht, die Seele eines Menschen nicht erreichen kann. 

Raum für vorurteilsfreie Begegnung

In unserem „normalen“ Alltag mit seinen oft starren Rollen müssen wir funktionieren, „professionell“ sein und Erwartungen erfüllen. Wir alle tragen im Alltag unsichtbare Masken. Wenn wir nun zur Faschingszeit die sichtbaren Masken und Kostüme hervorholen, passiert eigentlich etwas Paradoxes: Die äußere Verkleidung kann uns so etwas wie eine innere Befreiung schenken. Ein paar Stunden Urlaub vom eigenen Ich. Ein „Chef“ wird zum „Clown“, ein schüchterner Mensch gefällt sich im kühnen Piratenkostüm. Unsere Alltagssorgen werden relativiert, weil wir lernen, über uns selbst herzhaft zu lachen. So erkennen wir, dass wir vor Gott nicht perfekt sein müssen und dass er uns auch in unserer Unvollkommenheit und Verrücktheit herzlich liebt. Fasching kann deshalb eine enorme soziale Sprengkraft besitzen, im positivsten Sinne. Beim Schunkeln und Feiern fallen die Barrieren, die uns im Alltag trennen. Alter, Herkunft oder sozialer Status spielen plötzlich keine Rolle mehr. In dieser vorurteilsfreien Begegnung kann man den Kern dessen spüren, was Kirche ist und sein will: Ort der bedingungslosen Gemeinschaft.

Ein passendes Wort für die Karnevalszeit: „Ein frohes Herz, das Lächeln spendet, heilt die Seele.“ (Theodor Storm)

Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de

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Stanislaus Klemm, Diplompsychologe und Theologe

Stanislaus Klemm, Jahrgang 1943, ist Diplompsychologe und Theologe. Er arbeitete in der Suchttherapie, in der ökumenischen Telefonseelsorge Saar sowie in der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen. Er ist Autor verschiedener Bücher. 

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Text: Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe
In: Pfarrbriefservice.de

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