Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zum neuen Gotteslob, Teil 3

Elfriede Klauer
22.02.2013 - 00:00

Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, dem Vorsitzenden der Unterkommission Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der Deutschen Bischofskonferenz, zum Entstehungsprozess des neuen Gotteslob

Das Neue am neuen Gotteslob ist wohl auch die umfangreiche Beteiligung von Kirchengemeinden während des Entstehungsprozesses. Es gab 2003 eine Befragung zum alten Gotteslob und von 2007 bis 2008 eine Testphase ausgewählter neuer Inhalte in 186 Gemeinden. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Wirklich nur Gute! Die Pfarrgemeinden wurden sehr früh in den Entstehungsprozess des neuen Gotteslob eingebunden. Da keine „Therapie ohne vorherige Diagnose“ erfolgen sollte, stand am Anfang der Arbeit am neuen Gebet- und Gesangbuch eine umfangreiche Akzeptanzerhebung zum bisherigen Werk. Neben wissenschaftlichen Arbeiten wurden die über 35 Jahre Gotteslob-Geschichte hinweg gesammelten Zuschriften der Gemeinden und einzelner Personen ausgewertet und den jeweiligen Inhalten des alten Gebet- und Gesangbuchs zugeordnet. Hiernach zeigte sich ein weiterer Klärungsbedarf zu ergänzenden Fragestellungen. Diesem Bedarf wurde in einer breit angelegten Umfrage in über 4500 Pfarrgemeinden mit großem Interesse Rechnung getragen. Knapp 2000 detaillierte Rückmeldungen gingen bei der Unterkommission ein und konnten für die danach beginnenden inhaltlichen Arbeiten am neuen Gotteslob nutzbar gemacht werden.

Die im Rahmen dieser Akzeptanzerhebung gewonnenen Erkenntnisse, Wünsche und Erwartungen führten zu einer Probepublikation, in der erste inhaltliche Umsetzungen in insgesamt 186 Pfarreien aller beteiligten Diözesen getestet wurden. An dieser Erprobung, die vom 1. Advent 2007 bis zum Pfingstfest 2008 andauerte, nahmen Mitfeiernde der Heiligen Messe genauso teil, wie auch Familien, Pfarrgruppen, Ordensgemeinschaften und Einzelpersonen. Diese erhielten die Probepublikation zum persönlichen Beten und Singen mit nach Hause und konnten auf diese Weise ihre detaillierten Erfahrungen und Erkenntnisse der Unterkommission mitteilen. Alle Befragten haben hiervon regen Gebrauch gemacht.

Wie wurde sichergestellt, dass diese Testgemeinden einen repräsentativen Querschnitt darstellen und nicht einzelne Gruppen dominieren?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Mit professioneller Unterstützung hatte die Unterkommission einen breit angelegten Kriterienkatalog zur Auswahl der Testgemeinden erstellt. Dieser Katalog berücksichtigte unter anderem unterschiedliche gemeindliche Strukturen und personelle örtliche Gegebenheiten. Die Auswahl entsprechender Testgemeinden wurde bewusst den beteiligten Diözesen übertragen; diese kennen „ihre Pfarrgemeinden“ und wissen um die jeweiligen pfarrlichen Konstellationen vor Ort. So wurde sichergestellt, dass tatsächlich den verschiedenen Gemeindesituationen Rechnung getragen werden konnte.

Strukturell war die Umfrage so angelegt, dass nicht nur einzelne Gemeindemitglieder zu Wort kamen, sondern auch die feiernde Gottesdienstgemeinde (durch Einreißzettel befragt), Seelsorger und Kirchenmusiker mit je eigenen Fragebögen in die Umfrage eingebunden wurden. So erhielt die Unterkommission teilweise 10.000 und mehr Antworten zu ein und derselben Frage; diese Anzahl garantiert eine hohe Aussagekraft der erlangten Ergebnisse.

Das Schwierige war wohl, aus der Vielzahl der Rückmeldungen eine Richtung zu erkennen. Wie ist die Arbeitsgruppe vorgegangen?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Die Unterkommission hat alle Antworten ausgewertet. Dies wurde dadurch vereinfacht, dass die Befragten größtenteils ihre Fragebögen per Internet beantwortet haben. Das so gewonnene, einzeln aufbereitete umfangreiche Zahlenmaterial wurde allen Arbeitsgremien der Unterkommission zur Verfügung gestellt, ebenso aber auch den Diözesen für ihre Eigenteilarbeit überlassen.

Tatsächlich geben die Antworten der Befragten in den meisten Fällen eine deutliche Richtung vor. Zu vielen grundsätzlichen Fragestellungen gibt es klare Voten. Dies gilt zum Beispiel für die Grafik und das Notenbild des Buchs, aber auch für Mehrstimmigkeit, Mehrsprachigkeit und Akzeptanz einzelner Lieder und Gesänge.

Können Sie Beispiele nennen, wo Anregungen aus diesen Gemeinden aufgegriffen wurden und Veränderungen bewirkt haben?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: In einem nicht erwarteten Umfang haben die Befragten die zur Erprobung gestellten neugestalteten Texte und Gesänge des neuen Gotteslob bestätigt. Überrascht hat insbesondere die deutlich positive Annahme der vervollständigten Tagzeitenliturgie-Modelle und der neu gestalteten Andachten. Gleiches gilt im Übrigen auch für das neue Layout des Buches.

Umgekehrt gab es auch kritische Rückmeldungen, die bei der endgültigen Gestaltung des neuen Gotteslob Berücksichtigung fanden. So haben die Gemeinden den Abdruck mehrstimmiger Gesänge negativ bewertet, sodass nur in wenigen ausgewählten Fällen mehrstimmige Lieder und Kehrverse in das neue Gotteslob aufgenommen werden. Gleiches gilt auch für den Abdruck von Liedtexten in mehreren Sprachen. Diese Ergebnisse überraschten umso mehr, als die Pfarrgemeinden noch in der Akzeptanzerhebung im Jahr 2003 Mehrstimmigkeit und Mehrsprachigkeit von Gesängen besonders gewünscht hatten. Nun votierten die Pfarreien im Rahmen der Erprobung gegen diese Gestaltungsformen. Auch dies wurde bei der Erarbeitung des neuen Gotteslob berücksichtigt.

Die Gebete der Heiligen Messe sind im neuen Gotteslob zweisprachig dargestellt, in der linken Spalte auf Deutsch, in der rechten Spalte auf Latein. Wie wurde das von den Testgemeinden bewertet?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Insgesamt haben 3530 Befragte die Darstellung der Feier der Heiligen Messe bewertet. Hiervon beurteilten 43,6 Prozent die Gestaltung als „sehr ansprechend“, weitere 25,4 Prozent als „ansprechend“. Die Unterkommission sah hierin eine deutliche Bestätigung der von ihr erarbeiteten Darstellungsweise und hat diese in nochmals optimierter Form ins neue Gotteslob übernommen.

Fragen: Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.

Stand: November 2012

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de