Katholische Kirche und Staat im Clinch

Vor 150 Jahren begann der sogenannte Kulturkampf

Vor 150 Jahren brach ein heftiger Konflikt zwischen dem damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche aus. Bismarck sah innenpolitisch in der katholischen Kirche einen erbitterten Feind und bekämpfte die katholische Zentrumspartei. 1870 hatte das Erste Vatikanische Konzil das Unfehlbarkeitsdogma erlassen, nach dem der Papst nicht irren kann, wenn er „ex cathedra“ eine Glaubenswahrheit verkündet. Das Dogma und die daraus erwachsenen Folgen und teilweise auch Missverständnisse führten zum heftigen Widerstand der liberalen Kräfte in Europa. In dem mehrheitlich protestantischen Preußen stieß dieses Dogma auf große Empörung, vor allem Otto von Bismarck verurteilte es heftig. Ihm war zudem die Einmischung der katholischen Kirche in innere Angelegenheiten seines Landes ein Dorn im Auge. Außerdem wollte Bismarck den kirchlichen Einfluss im Bildungswesen schwächen.

Auflösung der „Katholischen Abteilung“

Am 8. Juli 1871 löste Bismarck die „Katholische Abteilung“ im preußischen Kultusministerium auf, die Interessenvertretung der Katholiken. Dies wurde zum Auslöser für einen erbittert geführten Kampf um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Der linksliberale Mediziner und Reichstagsabgeordnete Rudolf Virchow prägte dafür den Begriff des „Kulturkampfes“. Bismarck ergriff drastische Maßnahmen. Ende 1871 folgte der „Kanzelparagraph“, der für Geistliche Haftstrafen vorsah, sollten sie ihre Predigt für politische Äußerungen nutzen. Der Staat übernahm die alleinige Schulaufsicht und verbot den Jesuitenorden. 1873 wurde in den „Maigesetzen“ eine staatliche Abschlussprüfung für Geistliche eingeführt. 1874 wurde zunächst in Preußen, später im ganzen Reich, die Zivilehe bindend erlassen. Erst 1878 kam es wieder zu einer Annäherung. 1887 konnte Papst Leo XIII. den Kampf diplomatisch beenden, doch die Zivilehe und die staatliche Schulaufsicht waren dauerhafte Folgen dieser Auseinandersetzung, die das Verhältnis von Kirche und Staat langfristig geprägt hat.

Marc Witzenbacher
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 07/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Marc Witzenbacher, www.magnificat.de
In: Pfarrbriefservice.de