Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zum neuen Gotteslob, Teil 2

Elfriede Klauer
17.01.2013 - 00:00

Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, dem Vorsitzenden der Unterkommission Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der Deutschen Bischofskonferenz, zur Liedauswahl im neuen Gotteslob

Wie viele Lieder wurden aus dem alten Gotteslob übernommen, wie viele sind neu?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Im Stammteil des alten Gebet- und Gesangbuchs befinden sich etwa 270 Lieder, von denen gut die Hälfte in das neue Gotteslob übernommen wurde. Ergänzt wurde dieses Liedgut sodann um jene Gesänge, die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im Stammteil vermisst wurden – sei es, weil diese Lieder aus Gründen des damaligen Zeitgeistes im alten Gotteslob keine Aufnahme fanden, oder weil diese Lieder erst während der vergangenen 30 bis 40 Jahre neu entstanden sind. Viele der „neuen“ Stammteillieder sind jedoch bereits aus den diözesanen Eigenteilen oder aus den in den letzten Jahren verstärkt entstandenen diözesanen Ergänzungsheften bekannt.

Gibt es im neuen Gotteslob mehr Lieder als im alten?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Der Stammteil des neuen Gotteslob bietet ein gutes Dutzend Lieder mehr an als das alte Buch. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Zahl alleine nur wenig über die inhaltliche Gestaltung aussagt. Durch den Austausch von nicht genutztem Liedgut mit akzeptierten Gesängen ist das Angebot des Stammteils wirklich attraktiv geworden. Da nun auch über die Diözesangrenzen hinaus bekanntes Liedgut der bisherigen Eigenteile im neuen Stammteil aufgenommen wurden, konnten die Diözesen bei der Gestaltung ihrer Bistumsseiten auf wünschenswerte und akzeptierte Gesänge ihrer Region zurückgreifen, die bislang aus Platzgründen nicht berücksichtigt waren.

Was waren die Kriterien, nach denen „alte“ Lieder den Sprung ins neue Gotteslob schafften?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Wesentliche Kriterien der Liedauswahl durch die Unterkommission waren qualitativ inhaltliche und musikalische Aspekte sowie die thematische Ausrichtung des Liedes, aber auch die Akzeptanz in den Gemeinden. So war das Lied „Menschen, die ihr wart verloren“ bislang nur in den Eigenteilen der Diözesen vorhanden. Dieses Lied ist nun – dem Wunsch vieler Gemeinden entsprechend – im Stammteil abgedruckt.

Da ein Gebet- und Gesangbuch in der Regel etwa eine Generation lang seinen Dienst in den Familien und Pfarrgemeinden versieht, wurde der Blick vor allem auf jene Gesänge gerichtet, bei denen man zumindest aus heutiger Sicht davon ausgehen darf, dass sie die gesamte Laufzeit des neuen Gotteslob bereichern werden.

Manche Gottesdienstbesucher wundern sich, dass Lieder gesungen werden, die aus dem 16. Jahrhundert stammen oder sogar noch älter sind – in einer Sprache, die heute so nicht mehr üblich ist. Wieso bleiben diese Lieder fester Bestandteil des Gotteslob?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Unser persönlicher Glaube lebt nicht nur aus den jeweils eigenen Erfahrungen eines Menschen, sondern wesentlich auch aus unserer christlichen Tradition. Gebete und Gesänge anderer Generationen sind Glaubenszeugnisse der jeweiligen Zeiten, die uns in unserem Glaubensleben unterstützen und unseren persönlichen Glauben stärken. Wenn Inhalte aus anderen Jahrhunderten stammen, sind sie wegen ihres „Alters“ nicht automatisch schlecht oder als überholt zu bewerten. Lieder wie „O Heiland, reiß die Himmel auf“ oder „Lobe den Herren“ haben von ihrer Aktualität nichts eingebüßt. Daher bleibt es unsere Aufgabe, uns diese Glaubenszeugnisse zu erschließen, sofern tatsächlich einmal das eine oder andere Wort ungebräuchlich erscheint. Hierzu können beispielsweise Liedpredigten einen wertvollen Beitrag leisten und uns „ältere“ Sichtweisen neu erschließen. Dabei ist es durchaus ein Zeichen des Respekts vor den jeweiligen Autoren und Lebensumständen, nicht einfach uns unverständliche Begriffe durch heutige Alltagsworte zu ersetzen, die zudem oftmals nicht der Aussagequalität des ursprünglichen Textes entsprechen.

Was war der Arbeitsgruppe wichtig bei der Aufnahme neuer Lieder?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Die Kriterien zur Liedaufnahme wurden einheitlich auf „altes“ wie auf „neues“ Liedgut angewendet. Anders wäre das Ziel, im neuen Gotteslob Gesänge aller Epochen zu berücksichtigen, nur schwer erreichbar gewesen.

Zudem stellt aus meiner Sicht das Auswahlkriterium der gemeindlichen Akzeptanz eines Gesanges ein ausreichendes Korrektiv dar, um das Entstehungsjahr oder Alter eines Liedes nicht zu stark zu gewichten.

Was sagen Sie den Menschen, die sich mehr Neue Geistliche Lieder gewünscht hätten?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Zunächst einmal empfehle ich allen, sich die gesamte Liedauswahl einer Diözesanausgabe anzusehen. Ich bin davon überzeugt, dass das so genannte Neue Geistliche Lied keineswegs unterrepräsentiert ist, sondern wirklich angemessen berücksichtigt wurde. Jedoch wurde die Unterkommission von der Erkenntnis überrascht, dass Neue Geistliche Lieder sehr unterschiedlich regional verbreitet und akzeptiert sind. Da die Liedauswahl des Stammteils vor allem jene Gesänge in den Blick nimmt, die überregional bekannt und beliebt sind, werden viele Neue Geistliche Lieder in den diözesanen Eigenteilen abgedruckt.

Betrachtet man alle Gesänge einer Diözesanausgabe, wird jede Altersgruppe ab Erstkommunionalter ihr vertrautes und beliebtes Liedgut finden und das in einer wirklich akzeptablen Anzahl.

Welche Hilfestellungen gibt es für Pfarrer und Gemeinden, die die neuen Lieder kennenlernen möchten?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Die Bistümer nutzen intern sowohl regelmäßige Konferenzen und Fortbildungsmaßnahmen als auch zusätzliche Veranstaltungen für die Information der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sie auf die Einführung des neuen Gotteslob vorzubereiten. Dazu werden die Bistümer verschiedene Materialien verwenden. Es wird aber auch überdiözesan eine Reihe von Publikationen und Hilfsmitteln bereitgestellt, die bei der Einführung in den Bereichen Liturgie, Gesang und Pastoral / Katechese einsetzt werden können. Ich darf einige Beispiele nennen: Dienstebuch mit Fortbildungsmodulen für nicht-sakramentale Feiern, eine Arbeitshilfe für Kinder- und Familiengottesdienste, Publikationen für den Schriftenstand zur Verwendung des Gotteslob als persönliches Haus- und Gebetbuch, eine Arbeitshilfe für Singeleiter (-ausbilder), Arbeitshilfen zur Katechese insbesondere Erstkommunion und Firmung, Materialien zur Monatsliedaktion, Liedvorschläge für Sonn- und Feiertage, vorbereitete Artikel und Interviews für den Pfarrbrief und vieles mehr.

Fragen: Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.

Stand: November 2012

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de