Menschliches Handeln hängt auch von den Umständen ab – ein psychologisches Experiment

C.Z., Gefangener der JVA Würzburg, www.gefaengnisseelsorge.net
29.10.2018 - 01:00

[…] In den USA wurde in den 70er Jahren eine interessante Studie durchgeführt. Man versuchte herauszufinden, ob es Menschen gibt, die sich unabhängig von der jeweiligen Situation durchgehend barmherzig verhalten. Theologiestudenten sollten einen Vortrag zum Thema „Der barmherzige Samariter“ halten. (Die Studenten wussten nichts von der „wahren“ Absicht des Experiments.) Der Versuchsleiter teilte ihnen mit, dass sie spät dran seien und sich unverzüglich zum Vortragsort begeben sollen, da der Vortrag sehr wichtig sei und sie unbedingt pünktlich ankommen müssen. Auf ihrem Weg kamen sie an einem Fremden (einem Schauspieler) vorbei, der zusammengekauert und in großer Not stöhnend auf dem Boden saß und ganz offenbar Hilfe brauchte. 90 Prozent der Studenten verpassten es, ein barmherziger Samariter zu sein, weil sie es eilig hatten, zu ihrem Vortrag über den barmherzigen Samariter zu kommen.

Das Experiment wurde in verschiedenen Variationen durchgeführt. Bei Studenten, die keinen Zeitdruck hatten, blieben 100 Prozent stehen, um zu helfen. Fast ebenso verhielt es sich, als der Versuchsleiter den Studenten mitteilte, dass sie zwar spät dran seien, aber eine Verspätung nicht schlimm wäre. Hier hielten ebenfalls 90 Prozent an, um dem Mann zu helfen.

Nicht vorschnell verurteilen

Die Studie zeigte eindrucksvoll, dass es nicht nur auf Persönlichkeitseigenschaften, Charakter o.ä. von Menschen ankommt, sondern dass die Kraft der Situation oft einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten hat. Auf das Gefängnis übertragen könnte man sagen, dass die meisten Insassen hier sind, nicht weil sie schlechte Menschen sind, sondern weil sie in ihrem Leben nicht immer die besten Entscheidungen
getroffen haben.

Anstatt andere vorschnell zu verurteilen, sollten wir uns vor Augen halten, wie vielfältig der Mensch ist und wie sehr seine Entscheidungen von Situationen abhängen. Wir sollten lernen, tolerant zu sein, respektvoll, und uns selbst und unseren Mitmenschen die Sünden vergeben, damit uns auch unser Vater im Himmel vergeben kann.

C.Z., Gefangener der JVA Würzburg
Quelle: Handreichung „Barmherzigkeit im Gefängnis“, Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland, www.gefaengnisseelsorge.net, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: C.Z., Gefangener der JVA Würzburg, www.gefaengnisseelsorge.net
In: Pfarrbriefservice.de