„Ihr sollt es mal besser haben“
Ein Kommentar zu Suffizienz
Es war das Mantra unserer Eltern und Großeltern: „Ihr sollt es mal besser haben.“ Das motivierte. Die Menschen packten an, arbeiteten hart. Es ging stetig bergauf: warmes Wasser, Heizung, Auto, Urlaub, Eigenheim. Immer mehr Kinder besuchten das Gymnasium, gingen auf die Uni. Und heute?
Einerseits geht es uns materiell so gut wie noch nie. Doch der Traum vom unbegrenzten Wachstum scheint ausgeträumt. Ein sozialer Aufstieg aus eigenen Kräften ist deutlich schwerer zu schaffen als noch vor 30 Jahren. Für die jüngere Generation, so eine Studie der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD), ist es schwieriger geworden, in die Mittelschicht aufzusteigen. Seit der Generation der Babyboomer – geboren zwischen 1946 und 1964 – ist die Gruppe der Menschen mit mittlerem Einkommen von Generation zu Generation kleiner geworden. Heute braucht eine Familie zwei Verdiener, um in die mittlere Einkommensklasse aufzusteigen – und einer davon sollte noch dazu sehr gut qualifiziert sein. Gleichzeitig droht eine Klimakatastrophe, die Konflikte und Kriege in unserer Nähe nehmen zu. Dementsprechend glauben 44 Prozent der 16- bis 26-jährigen Deutschen, dass es die eigene Generation schlechter haben wird als die Generation ihrer Eltern, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der TUI- Stiftung. Nur 27 Prozent erwarten eine Verbesserung (Zahlen für Österreich und Schweiz wurden nicht erhoben).
Doch selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert – wir haben ja heute schon einen weitaus höheren Lebensstandard, als die Nachkriegsgeneration es jemals zu hoffen gewagt hätte. Macht da das Versprechen eines „besser“ somit überhaupt noch Sinn? Viele Menschen in Deutschland brauchen sicher kein „mehr“ an Konsum. Zu wünschen wäre da eher ein „mehr“ an sozialer Gerechtigkeit, damit es den Menschen am Rand der Gesellschaft besser geht. Und denen, die weder geerbt haben noch eine gute Ausbildung machen konnten. Oder dass es bessere Arbeitsbedingungen für Eltern gibt, damit Mütter und Väter ausreichend Zeit für ihre Kinder haben.
Der nächsten Generation eine lebenswerte Welt hinterlassen
Vielleicht hat dieses Versprechen einer wirtschaftlich besseren und friedlichen Zukunft ja nie Sinn gemacht. Auch damals nicht. Die Zukunft ist ja immer ungewiss. Um mit Joachim Ringelnatz zu sprechen: „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“ So hat wohl kaum einer die Pandemie kommen sehen. Oder die aktuellen Kriege. Dass es lange friedlich in Europa war? Vielleicht nichts als Glück. Wäre es da nicht wichtiger, zu erhalten zu versuchen, was wir haben? Das ist nicht in erster Linie der Wohlstand. Das sind die Natur, das Klima, ein Leben in Frieden und Freiheit. Die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen, sich den Beruf aussuchen zu können und ohne Angst seine Meinung sagen zu dürfen. Das ist bereits eine riesige Aufgabe für die Zukunft. Eine, die nicht nur auf den Schultern der älteren Generation liegen kann. Da müssen alle ran, Jung und Alt. Ohne sich durch gegenseitige Vorurteile auseinanderdividieren zu lassen. „DIE“ Generation gibt es ohnehin nicht. Dafür ist das Leben zu bunt und ungeordnet. Ja, viele der Älteren haben auf Kosten der Schöpfung gelebt. Aber es gibt auch viele Menschen über 50, die sich bereits seit ihrer Jugend für den Klimaschutz einsetzen. So wie es auch viele junge Leute gibt, die nach dem Abitur erst einmal die Welt oder zumindest Australien sehen wollen, was nicht ohne Flugzeug machbar ist. Und es lassen sich auch in der älteren Generation Menschen finden, die faul, fordernd und verwöhnt sind, genau so, wie es den heutigen Berufsanfängern gern vorgeworfen wird.
Millionen Junge und Alte sind längst dabei, sich für den Erhalt der Natur und einer möglichst guten, sozialen, friedvollen und gerechten Welt einzusetzen. Sie arbeiten ehrenamtlich, helfen geflüchteten Menschen, arbeiten bei der Tafel, unterstützen Obdachlose, besuchen Kranke in der Klinik, sammeln Müll im Park, engagieren sich in der Politik und gegen Lebensmittelverschwendung. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Grüne Startups wiederum entwickeln nachhaltige Produkte und Innovationen: von Mode aus Meeresplastik bis hin zu Energiekonzepten. Gemeinsam können Jung und Alt viel erreichen. Und den kommenden Generationen eine Gesellschaft hinterlassen, in denen es ihnen vielleicht nicht materiell noch besser geht. Aber in der sie glücklich sein können.
Ulla Arens, Quelle: Leben jetzt. Das Magazin der Steyler Missionare, www.lebenjetzt.eu, In: Pfarrbriefservice.de
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