„Ich möchte ein drogenfreies und ganz normales Leben führen“

Ein Jugendlicher, der von Sucht betroffen ist, spricht im Interview über seinen Drogenkonsum

Er ist 18 Jahre alt. Konsumiert, seit er 14 ist. Alkohol und Cannabis. In einer Jugendsuchtberatung der Caritas holt er sich Hilfe. Will clean werden. Rückhalt bekommt er von seiner Familie. Irgendwann, da will er ein ganz normales Leben führen, träumt davon, eine eigene Familie zu haben. Im Interview möchte der junge Mann anonym bleiben. 

8,3 Prozent der 18-25-Jährigen konsumieren regelmäßig illegale Drogen. So viele waren es im Jahr 2019. Das schreibt die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) in einem Forschungsbericht von 2020. Warum ist das so? Worin liegen für dich die Vorteile von Drogen? 

Bei mir ist es so, dass die Symptome meiner Angststörung durch Drogen geringer werden und dass ich in Paniksituationen schneller wieder runterkomme. Ich vergesse meine depressive Stimmung, weil ich durch den Konsum eher angeheitert bin.

Das bedeutet, du konsumierst vor allem dann, …

… wenn ich Stress und Sorgen habe. 

Seit wie vielen Jahren nimmst du Drogen?

Cannabis habe ich das erste Mal mit 14 Jahren probiert, da war ich aber erst mal mit Vorsicht dabei. Dann habe ich es regelmäßig geraucht. Alkohol habe ich mit circa 14 Jahren zum ersten Mal probiert. Zu besonderen Anlässen und mit Erlaubnis meiner Mutter. Mit 16 habe ich unregelmäßig mit Freunden getrunken. Mit 17 dann regelmäßig jedes Wochenende und ab und zu unter der Woche. Später bin ich mit meiner Mutter umgezogen. Da habe ich täglich Alkohol getrunken, um die Symptome meiner Angststörung zu mildern. 

Trotzdem wolltest du von den Drogen loskommen. Keine Drogen mehr nehmen.

Ja, weil ich soziale Beziehungen vernachlässigt habe. Meine Familie und meine Freunde. Weil ich mich sozial zurückgezogen habe. Weniger gemacht habe. Und weil es sehr viel kostet und ich kaum Geld mehr für andere Dinge hatte. 

Du hast dir Hilfe bei der Jugendsuchtberatung der Caritas geholt. Was hast du dir davon erhofft?

Ich bin mit dem Ziel in die Suchtberatung gekommen, meinen Alkoholkonsum vorerst komplett einzustellen. Und ich wollte Hilfe wegen meiner Sucht bekommen, um ein normales Leben führen zu können, ohne Alkohol- und Drogenkonsum.

Hast du diese Hilfe bekommen?

Ich bekomme Rückenwind, um über meine Sucht und die Hintergründe von meinem Konsum zu sprechen. Und ich lerne meinen Konsum zu hinterfragen.

Aktuell bist du clean.

Ja, zur Zeit habe ich meinen Cannabiskonsum komplett eingestellt und Alkohol ist für mich wieder ein Genussmittel geworden. Ich trinke ab und zu bei besonderen Anlässen. 

Was motiviert dich immer wieder gegen deine Sucht anzukämpfen? Woher nimmst du die Kraft?

Meine Mutter und meine Familie geben mir Rückhalt. Sie spiegeln mir mein Verhalten. Außerdem möchte ich meine Ziele erreichen.

Was sind das für Ziele? Was wünschst du dir für deine Zukunft?

Ich möchte ein drogenfreies und ganz normales Leben führen. Mit einem guten Job und ohne Sorgen. Ich hätte gerne ein gutes Einkommen und eine eigene Familie mit ein oder zwei Kindern. 

Ronja Goj, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Ronja Goj
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