Hilfe für Winter-Flüchtlinge
Eine Geschichte für Kinder
Dicke Flocken fielen aus dem dunklen Abendhimmel auf die weiße Landschaft. Da schnaufte es am Gartenzaun an der Holunderhecke. Es war Frederick, der Igel, der sich mühsam seinen Weg durch den Tiefschnee bahnte. „Wenn ich nicht bald einen trockenen, warmen Platz finde, bin ich verloren“, sagte er verzweifelt zu sich selbst.
Nach kurzer Rast kam er endlich an einen Schneehügel, fing an zu graben und fand eine behagliche Höhle. Er kullerte hinein und war auch schon eingeschlafen.
„Wer wagt es, in mein Haus zu kommen und meinen Winterschlaf zu stören?“ Zornig umkreiste Rena, die Ringelnatter, den stacheligen Eindringling. Der aber blieb regungslos liegen und ließ nur ein gleichmäßiges Atmen vernehmen. „Heh du, wach auf!“, zischelte sie, so laut sie konnte. „Lass mich in Ruhe. Ich bin sooo müde“, murmelte Frederick. „Du dahergelaufener Nichtsnutz! Verlass sofort meine Wohnung. Die habe ich mir gesucht. Du hast hier nichts zu suchen.“ „Was hab ich dir getan, dass du so wütend bist? Ich will doch nur hier friedlich schlafen. Draußen ist es bitterkalt. Dort werde ich erfrieren“, sagte er schlaftrunken. „Deine spitzen Stacheln stören mich. Du könntest mich verletzen. Und außerdem gehörst du einfach nicht hierher“, antwortete Rena aufgebracht.
Plötzlich war ein Poltern zu hören. Der Boden bebte. Frederick und Rena waren starr vor Schreck. Mitten im Raum wuchs ein Erdhügel in die Höhe, aus dem Klümpchen und Steine geschleudert wurden. Im nächsten Moment schaute eine rosa Schnauze heraus. „Huch, wo bin ich denn da gelandet?“ Es war Pauli, der Maulwurf, der neugierig aus dem Erdhügel herausschaute.
„Nicht noch so einer“, schimpfte Rena, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte. „Ich bestehe darauf, dass ihr beide geht. Das ist mein Zuhause.“ „Nur die Ruhe. Wo ist das Problem? Es ist doch Platz für alle da.“ Bei diesen Worten kletterte Pauli behäbig von seinem Erdhügel herab. „Genau! Platz ist da, und ich will weiter nichts als schlafen. Ich bin ja soooo müdeeee. Bzzzzz ...“, tönte Frederick und war im nächsten Moment wieder eingeschlafen.
„Ich hab eine Idee“, flüsterte Pauli, um den Schläfer nicht zu wecken. „Rena, ich lade dich zu mir ein. Du bist wendig und dünn und kannst mir durch die Gänge, die ich gegraben habe, folgen. Mein Nest ist warm gepolstert. Kein Frost und kein Eindringling kommen dorthin. Da kannst du ruhig schlafen, denn ich bin ständig unterwegs. Hab viel zu tun. Muss die Gänge instand halten, für Belüftung sorgen, die Vorratskammer füllen und und und. Was hältst du davon?“
Zögernd stimmte Rena zu. Es ging durch verwinkelte, enge Tunnel nach unten. Bald schon waren sie in der gepolsterten Höhle im Maulwurfsbau angekommen. Rena rollte sich behaglich zusammen. „Das ist das beste Schlafnest, das ich je hatte“, sagte sie noch, bevor ihr die Augen zufielen und sie in tiefen Schlaf sank.
Pauli grinste erfreut und machte sich auf den Weg. Denn ein Maulwurf braucht keinen Winterschlaf – der hat immer was zu tun.
Anna Zeis-Ziegler, In: Pfarrbriefservice.de
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