Hat die Rede von Gott noch Zukunft?
Eine Antwort von Hans Joas
Die Rede von Gott hat nur dann eine Zukunft, wenn man mit ihr nicht wie mit der Tür ins Haus fällt. Gott ist kein Gegenstand in oder jenseits der Welt, und es hilft nicht, miteinander darüber zu streiten, ob es diesen gibt oder nicht. Für viele Menschen heute ist der Abstand zwischen dem, wie sie die Welt erleben, und einer traditionellen Rede von Gott so groß, dass sie den Weg von ihren Erfahrungen zu einem erneuerten Gottesverständnis zwar suchen, aber noch nicht zurückgelegt haben. Es geht heute weniger darum, militante Atheisten zu bekämpfen, und mehr darum, solche Wege zu bahnen. Auch in der Zukunft werden Menschen spüren, dass die intensivsten Erfahrungen ihres Lebens von der Liebe bis zur Trauer danach rufen, im Zusammenhang mit der Vorstellung von einem göttlichen Wirken ausgedrückt zu werden, und sie werden begreifen, dass nur ein Gott, welcher der Gott aller Menschen ist, davor bewahrt, in der Religion einen Weg der Selbstoptimierung oder Selbstermächtigung zu sehen. Dringender als die bloße Rede von Gott ist für mich einerseits der Anspruch der Gläubigen an sich selbst, durch ihre Lebenseinstellung und ihre Redlichkeit auf andere zu wirken, und andererseits ihre Fähigkeit, die Inhalte des Glaubens jederzeit plausibel machen zu können und nicht in Formeln erstarren zu lassen.
aus: Sellmann, M./Steffen, M./Jochim, M./Rehmann, D. (Hg.): Hat die Rede von Gott noch Zukunft? 1 Frage – 111 Antworten. Echter Verlag. ISBN 9783429067403, 24,90 Euro
Biografie
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joas, Jahrgang 1948, ist Soziologe und Inhaber der Ernst-Troeltsch-Honorarprofessur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Hauptforschungsgebiete neben der Religionssoziologie sind die Soziologie von Krieg und Gewalt und die Entstehung von Werten in Geschichte und Gegenwart.
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