Hat die Rede von Gott noch Zukunft?
Eine Antwort von Friederike Becht
Hat die Rede von Gott noch Zukunft? Ich weiß es nicht. Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, kommen mir andere Fragen: Wer ist Gott? Gibt es Gott? Und wenn ja, wo ist er? Ist Gott ein Er? Kann ja auch eine Sie sein. Oder ein They/Them. Ich glaube, Gott ist ein WIR. Göttliches ist in uns allen. Auch in mir.
Dieses Göttliche existiert, wenn ich ins Bewusstwerden komme. Wenn ich wahrnehme, dass ich die göttliche Kraft besitze, mein Verhalten zu ändern, meine Gedanken zu füttern und diese auch zu verändern. Dann bin ich im Stande über Wasser zu gehen und Berge zu versetzen. Sinnbildlich gesprochen. Also bin ich – Achtung, das klingt wahnsinnig selbstverliebt – Gott. Denn ich bin schöpferisch. Meine Handlungen haben Auswirkungen, genau wie mein Denken.
Wenn ich also, steile These, Gott bin, bin ich gleichzeitig gar nichts ohne jeden einzelnen um mich. Es gibt kein ICH ohne ein WIR. Nichts Göttliches im Alleingang. WIR sind göttlich im Zusammenspiel. Gott ist nicht solo. Wir hängen zusammen. Mensch, Tiere, Pflanzen, alle Wesen. Ich hätte keinerlei Kraft ohne die anderen. Ich wäre noch nicht mal ohne all die anderen, die vor mir überlebt haben, geboren worden. Außerdem könnte ich nicht atmen ohne Luft, nicht leben ohne Wasser, nicht überleben ohne Nahrung, die unsere Erde für uns wachsen lässt.
aus: Sellmann, M./Steffen, M./Jochim, M./Rehmann, D. (Hg.): Hat die Rede von Gott noch Zukunft? 1 Frage – 111 Antworten. Echter Verlag. ISBN 9783429067403, 24,90 Euro
Biografie
Friederike Becht, Jahrgang 1986, hat Schauspiel in Berlin an der Universität der Künste studiert. 2014 erhielt sie den Bochumer Theaterpreis in der Kategorie Nachwuchs. 2015 wurde Friederike Becht mit dem Ulrich-Wildgruber-Preis ausgezeichnet, 2022 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Schauspielerin.
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