Gut wirtschaften in der Tätigkeitsgesellschaft

Das Leitbild der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB)

Die KAB setzt sich für das Leitbild einer Tätigkeitsgesellschaft ein mit dem Ziel, eine solidarische und gerechte Gesellschaft zu gestalten, in der die Beseitigung der Armut, die strikte Neuordnung des Finanzsystems, die Ökologisierung der Wirtschaft und die soziale Erneuerung der Arbeitsgesellschaft Hand in Hand gehen. Damit wird dem kapitalistischen Wirtschaftsmodell, das alles - auch die menschliche Arbeit und die Schöpfung - zu profitabel handelbaren Waren auf den ungezügelten Märkten dieser Welt macht, eine Absage erteilt. Zentrale Bausteine der Tätigkeitsgesellschaft sind ein ganzheitlicher Begriff von Arbeit und Wirtschaft, der die Grundbedürfnisse der Menschen und den Erhalt der Schöpfung zum Ausgangspunkt des Handelns macht.

Die Tätigkeitsgesellschaft setzt auf die Überwindung des einseitigen Arbeitsbegriffs, der nur die bezahlte Erwerbsarbeit in den Blick nimmt, anerkennt und bewertet und die gesellschaftliche notwendige, überwiegend unbezahlte Sorgearbeit vernachlässigt. Die Triade der Arbeit demgegenüber bezieht alle Formen der menschlichen Arbeit, die Erwerbsarbeit, die Privatarbeit und die gemeinwesenbezogene Arbeit mit ein. Alle Formen der Arbeit müssen als gleichwertig und gleichberechtigt anerkannt werden und zur Selbstentfaltung und Selbstbestimmung des Menschen beitragen. Das beinhaltet auch die Beteiligung aller Menschen an allen drei Bereichen menschlicher Arbeit und eine Neuverteilung aller Arbeitsformen insbesondere zwischen Männern und Frauen.

Erwerbsarbeit gerecht verteilen

Ein weiterer Baustein der Tätigkeitsgesellschaft ist in diesem Zusammenhang die Teilung der vorhandenen Erwerbsarbeit. Erwerbsarbeit bleibt weiterhin eine wesentliche Ausdrucksform menschlicher Arbeit und des menschlichen Grundbedürfnisses, zu einer Gemeinschaft dazu zu gehören. Deshalb geht es ganz wesentlich um eine gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit im Kontext der Triade der Arbeit und um kollektive Arbeitszeitverkürzung bis hin zu einer 30-Stunden-Woche.

Die Tätigkeitsgesellschaft geht von einem ganzheitlichen und umfassenden Begriff des Wirtschaftens aus und erteilt dem kapitalistischen Wirtschaftsmodell, in dem es vorrangig um Märkte, Wachstum, Wettbewerb und Rendite geht, eine Absage. Gut wirtschaften bedeutet, dass ökologische, soziale und ökonomische Ziele gleichzeitig und gleichberechtigt umgesetzt werden müssen. Im Mittelpunkt allen wirtschaftlichen Handelns stehen der Mensch und der Erhalt der Schöpfung. Dabei ist der Markt kein Zweck an sich, sondern Mittel zum Zweck, das Überleben aller Menschen zu sichern, alle mit den notwendigen Waren und Dienstleistungen zu versorgen und dabei gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen. Dem Marktgeschehen müssen Grenzen durch sachgerechte und fundierte Kontrolle auf demokratischer Grundlage und durch soziale Steuerung gesetzt werden. Die notwendige soziale und ökologische Erneuerung geht einher mit dezentralen und regionalen Formen nachhaltigen Wirtschaftens.

Einklang von Sozialem, Ökologie und Ökonomie

Die Vorstellung einer Tätigkeitsgesellschaft ermöglicht uns, Soziales, Ökologie und Ökonomie als unabdingbar miteinander verbunden zu gestalten. Als Bewegung für soziale Gerechtigkeit beurteilen wir auf dieser Grundlage alle wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und sozialen Maßnahmen danach, ob und wie sie uns der Verantwortung für die Schöpfung und der Tätigkeitsgesellschaft insgesamt näher bringen.

Lucia Schneiders-Adams
Quelle: Gut wirtschaften. Nachhaltig leben und arbeiten. Ein Arbeits- und Lesebuch der KAB. 2015. www.kab.de, In: Pfarrbriefservice.de

Weitere Informationen zum Konzept der Tätigkeitsgesellschaft unter https://www.kab.de/themen/arbeit/taetigkeitsgesellschaft/

Das Arbeits- und Lesebuch und weitere Materialien können über den Ketteler-Verlag bestellt werden.
 

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für Mai 2017

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Text: Lucia Schneiders-Adams
In: Pfarrbriefservice.de