Gottes wirkliche Gestalt

Was Weihnachten zeigen will

Michael Ende erzählt in seinem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ eine fantastische Episode. Lukas und Jim Knopf sind in der Wüste und sehen am Horizont einen Riesen. Sie erschrecken und wollen weglaufen. „Bitte lauft nicht fort“, bettelt der Riese, „alle haben Angst vor mir!“ Sie fassen sich ein Herz und bleiben stehen. Während der Riese näher kommt, geschieht etwas Sonderbares: er wird immer kleiner; als er schließlich neben ihnen steht, hat er die Größe eines normalen Menschen. Die beiden schauen ihn verdutzt an. Er erklärt ihnen: Jeder Mensch hat ein Geheimnis, auch ich. Jeder andere, der sich entfernt, wird zum Horizont hin immer kleiner. Bei mir ist es umgekehrt, ich werde immer größer. Und er fährt fort: „Je weiter ich entfernt bin, desto größer erscheine ich. Je näher ich komme, desto mehr erkennt man meine wirkliche Gestalt.“

Diese Geschichte könnte in der Bibel stehen, in der Nähe der Weihnachtserzählung. Gott kommt uns in Jesus nah. Damit wir seine wirkliche Gestalt erkennen, nimmt er menschliche Gestalt an und bekommt ein menschliches Gesicht.

Ist Gott weit weg?

Für viele ist Gott weit weg. Darum erscheint er groß, unnahbar, flößt Angst ein. Wenn Christen in wenigen Tagen das Fest der Menschwerdung Gottes feiern, dann feiern sie, dass Gott dem Menschen nah gekommen ist, auf Augenhöhe, damit der Mensch seine wirkliche Gestalt erkennt.

Was kennzeichnet diese Gestalt? Was erwartet uns, wenn der kommt, den wir erwarten? Es begegnet uns ein Gott, über den Paulus schreibt: „Erschienen ist allen Menschen die Güte und Freundlichkeit unseres Gottes und Retters.“ Ein freundlicher Gott scheint in Jesus auf, der mir Freund sein will. Nichts von angstmachender Größe und Ferne.

In seiner Menschenfreundlichkeit schenkt er aber nicht nur Gutes und Erfreuliches. Er räumt nicht alle Hindernisse für mich aus dem Weg. Trotz Gottes Nähe bleibt Schweres schwer, Bedrängendes bedrängend, Notvolles notvoll. Der Gott, der in Jesus aufscheint, bettet mich nicht auf Rosen.

Gottes Zusage

Wenn ich seine wahre Gestalt erkenne, ahne ich, dass er mich nicht am Leid vorbeiführt, wohl aber mich durch das Schwere des Lebens hindurch begleitet. Ich darf ihn an meiner Seite wissen, wenn Schmerz mich bedrängt. Das ist seine Freundlichkeit.

Wenn ich zu Weihnachten jemanden erwarte, dessen Ankunft alles Schwere aus meinem Leben nimmt, werde ich enttäuscht sein. Erwarte ich aber jemanden, der mich im Schweren nicht allein lässt, dann werde ich beschenkt.

„Welt ging verloren, Christ ist geboren“, singen wir zum Fest. Diese Liedzeile macht mir die Zusage: Du bist in Deiner Verlorenheit nicht allein. Seit Weihnachten geht ein mitfühlender Gott an Deiner Seite.

mit freundlicher Genehmigung:
Autor: Pater Heribert Arens, Bad Staffelstein / Vierzehnheiligen, Katholische Hörfunkarbeit für Deutschlandradio und Deutsche Welle, Bonn, www.dradio-dw-kath.eu, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Pater Heribert Arens
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