Christentum und Islam im Vergleich (38)

Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov
27.07.2020 - 09:00

Die Religion wird von Riten und dem Bekenntnis zu Gott, dem Schöpfer, Erlöser und Vollender der Welt geprägt. Sie erklärt so dem Menschen, wie sein Leben gelingt. Das hören wir und entwickeln eine Vorstellung, wie Gott selbst ist. Über das Bild, das wir uns von Gott machen, sprechen wir ganz selten: Ist er barmherzig, bestraft er, lässt er den Menschen die ethischen Normen selbst erkennen, will er, dass die Gläubigen die Ungläubigen bekämpfen?

Nur Vorstellungen von Gott

Ob Christen oder Muslime: Es ist nur eine Vorstellung, denn Gott selbst können wir nicht erfassen. Auf die Begrenztheit stoßen wir nicht nur im Religiösen. Wir können den anderen Menschen und sogar uns selbst nie vollständig verstehen. Wir wissen auch nicht, was das Lebendige in einer Pflanze oder einem Tier eigentlich ist, und auch nicht, was die Materie ist.

Christentum: Weisheit zeichnet Gott aus

Für den Christen ist Jesus derjenige, an dem sich die Gläubigen orientieren können. Mit dem Vaterunser hat er uns eine Vorstellung von Gott gegeben. Als Vater ist er den Menschen nahe, liebend, barmherzig, er will, dass auch derjenige, der sein Leben verfehlt, dass der Sünder, zu ihm, dem Schöpfer, zurückfindet. Er will keine Gewalt. Er lässt seinen Messias am Kreuz die Gewalt ertragen, um sie so zu überwinden. Er ist kein Willkürgott, der heute so und morgen anders über die Menschen verfügt. Alles ist nach der Vernunft geordnet, die Welt ist kein Chaos, sondern geordneter Kosmos. Weisheit zeichnet Gott aus und wird dem Menschen durch den Heiligen Geist geschenkt.

Islam: Primat des Willens über die Vernunft

Für die muslimische Theologie steht die Einzigartigkeit Gottes an erster Stelle. Nichts darf ihn einschränken. Alles, was geschieht, muss seinem Willen entspringen. Der Primat des Willens über die Vernunft ist im Koran implizit begründet: Gott macht alles, was Er will. Die Einschränkung des Willens Gottes ist unmöglich, weil Er der unbeschränkte Herrscher ist. Man muss seine Gebote erfüllen und seine Verbote beachten, die Gebote entspringen allein dem Willen Gottes und nicht einer dem Menschen gegebenen Vernunft. Argumente können eine ethische Norm nicht begründen, Gebote können nur aus dem Koran entgegengenommen werden. „Allah löscht aus und bestätigt, was Er will, und bei Ihm ist der Ursprung (aller) Gebote.“ (Sure 13,39).

Wenn der Mensch die Gebote befolgt, gibt es keinen Anspruch auf eine Belohnung. Allah vergibt, wem Er will, und Er straft, wen Er will. „Allahs‘ ist das Königreich der Himmel und der Erde und was zwischen beiden ist, und zu Ihm ist die Heimkehr“ (Sure 5,18). Die einzige Ausnahme ist der Tod im Dschihad – Allah verpflichtet sich, dem im Glaubenskrieg Gefallenen das Paradies zu schenken. „Und betrachte nicht diejenigen, die auf Allahs Weg gefallen sind, als tot. Nein! Sie leben bei ihrem Herrn, und sie werden dort versorgt.“ (Sure 3,169).

Dies wird durch die theologische Schule der Aschariten vertreten, die sich seit dem 10. Jahrhundert gegen die Schule der Mutaziliten durchgesetzt hat. Letztere lehrt den Primat der Vernunft. Ihre wenigen Vertreter sind offen für den Dialog.

Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov, In: Pfarrbriefservice.de

Die beiden Jesuiten Dr. Eckhard Bieger, Frankfurt, und Vladimir Pachkov, Moskau, beleuchten in einer mehrteiligen Reihe auf Pfarrbriefservice.de Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Christentum und im Islam. Sie wollen damit das Gespräch zwischen Christen und Muslimen fördern.

s. auch den Beitrag über die Einzigkeit Gottes: https://www.pfarrbriefservice.de/file/der-glaube-einen-einzigen-gott-und...

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Weitere Materialien: 

© wilhei / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Islam und Christentum

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Text: Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov
In: Pfarrbriefservice.de