Christentum und Islam im Vergleich (30)

Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov
28.11.2019 - 05:48

Wir Christen stellen uns Gott wohl eher in Ruhe vor. Hier auf der Erde wirbeln die Menschen. Meist verhaken sich die Aktivitäten, wir stehen im Stau und geraten in Konflikte. Über allem thront Gott, so meinen wir, schaut voraus und verhindert das Schlimmste, z.B. dass keine der vielen Atombomben gezündet wird.

Christentum: Gott schenkt Leben und erhält es

Das ist aber nur der Blick auf Gott am 7. Tag des biblischen Schöpfungsberichtes, an dem Gott ruhte. Gott ist jedoch in hohem Maße tätig, nicht nur in der Erschaffung der Welt, sondern indem er Leben schenkt und mit seinem Schöpferwillen das Weltall im Dasein hält, denn es könnte auch ins Nichts zurückfallen. Ignatius von Loyola legt in seinen Exerzitien eine Betrachtung vor, damit wir den wirkenden Gott in allem erkennen: Der Beter soll erwägen, „wie Gott sich in allen geschaffenen Dingen auf dem Angesicht der Erde für mich müht und arbeitet, das heißt, sich in der Weise eines Arbeitenden verhält, wie in den Himmeln, Elementen, Pflanzen, Früchten, Herden usw., indem er Sein gibt, erhält, belebt und wahrnehmen macht usw.“ Jesus sagt im Evangelium nach Johannes (Joh 5,17): „Mein Vater ist noch immer am Werk und auch ich bin am Werk.“

Islam: Gott schafft in jedem Moment alles neu

Für den Islam ist die Vorstellung von Gott, der wirkt, noch prägender. Er wirkt im Menschen das Gute. Der Mensch kann sich sogar auf eine Beobachterposition zurückziehen, weil Gott so tätig ist. Ja, es gibt die Vorstellung, dass alles, was geschieht, von Gott gewirkt wird. Die Schule von Kalam geht davon aus, dass Gott jeden Moment die ganze Welt neu schafft. Auch in der Natur gibt es keine autonomen Gesetze. Alles, was geschieht, wird durch Gott in jedem Moment neu erschaffen. Die Welt nach der Theorie von al-Aschari, die später zur islamischen Orthodoxie wurde, besteht aus den einzelnen Punkten in Zeit und Raum. Ihre einzige Verbindung besteht im Willen Gottes, der sie ständig neu erschafft. Bewegung ist in diesem Weltbild eine Illusion. Die Gegenstände bewegen und verändern sich nicht. Der Körper bewegt sich nur scheinbar, er wird in jedem Moment neu erschaffen, aber schon in einer anderen Konstellation der Atome. Deswegen gibt es keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang. Alles ist im Willen Gottes gegründet. Daher gibt es nach Ansicht dieser Gelehrten keine Naturgesetze, die man erforschen könnte. 

Kein Raum für freie Entscheidungen

Schon im Koran gibt es Ansätze dafür, dass Gott eigentlich alles, was in der Welt geschieht, bewirkt. Das Geschaffene erhält keinen Spielraum für eigenes Wirken. Damit gibt es auch keinen Raum für freie Entscheidungen. Das führte zu dem Dilemma, dass Menschen eigentlich nicht für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden können, wenn man davon ausgeht, dass alles, auch die menschlichen Handlungen, auf Gott zurückgeht. Dazu haben muslimische Gelehrte die Theorie der „Aneignung“ entwickelt: Demnach schafft Gott zwar alle Werke des Menschen, dieser aber übernimmt dafür die Verantwortung, indem er sie sich „aneignet”.

Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov, In: Pfarrbriefservice.de

Die beiden Jesuiten Dr. Eckhard Bieger, Frankfurt, und Vladimir Pachkov, Moskau, beleuchten in einer mehrteiligen Reihe auf Pfarrbriefservice.de Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Christentum und im Islam. Sie wollen damit das Gespräch zwischen Christen und Muslimen fördern.

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Weitere Materialien: 

© wilhei / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Islam und Christentum

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Text: Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov
In: Pfarrbriefservice.de