Was katholische Prominente zu Glaube und Kirche sagen

Alfons Schuhbeck, Malu Dreyer u.a.
06.06.2019 - 05:36

Hinweis: Nachfolgende Statements hat Gers Hülsmann vom Redaktionsteam Oberhausen-Sterkrade für das Pfarrmagazin Clemissio (Ausgabe Juni - November 2019) zusammengetragen. Er stellt sie anderen Pfarrbriefredaktionen zum Abdruck zur Verfügung. Die Bilder finden Sie weiter unten zum Herunterladen.

Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a. D.:

Christlicher Glaube schützt vor Selbstüberschätzung und vor Selbstüberforderung – beides Gefahren, denen Politiker in besonderer Weise ausgesetzt sind. Ich bin nicht Gott, ich muss nicht Gott sein. Im Gegenteil, ich kann leben auf einem Urgrund von Vertrauen. Welch Geschenk!
 

Prof. Claus Hipp, Unternehmer:

Glauben heißt, etwas für wahr halten, was man nicht sieht, also davon überzeugt sein. Die Religion ist mir im Leben eine wichtige Stütze, die mir Orientierung und Halt gibt. In einer kleinen Wallfahrtskirche bin ich Mesner und in München Dom-Ministrant. Als praktizierender Christ ist mir auch die Schöpfung nicht gleichgültig – es ist mir wichtig, das zu erhalten, was Gott uns zur Verfügung gestellt hat.
 

Dr. Gerd Müller, Bundesentwicklungsminister:

Dem Schwächeren zu helfen, das ist christliche Verantwortung und gelebte Nächstenliebe und das Fundament meiner Entwicklungspolitik. In der Enzyklika „Laudato si“ unterstreicht Papst Franziskus, dass ökologische und soziale Probleme untrennbar zusammengehören, wir uns für Umwelt und Arme gleichermaßen einsetzen sollen: Wir müssen und können Globalisierung gerecht gestalten, unseren Konsum und Wirtschaft nachhaltig verändern und damit die Schöpfung für kommende Generationen bewahren.
 

Wolfgang Grupp, Unternehmer:

Ich bin katholisch geboren und erzogen worden und dadurch mit gewissen Werten und Prinzipien vertraut wie Anständigkeit und Gerechtigkeit gegenüber Anderen.
Mein Leben war vielleicht nicht das schwierigste, viele Probleme sind an mir vorbeigegangen. Dass man da ein Dankeswort übrig hat und dass man nicht meint, die Bäume wachsen in den Himmel, das ist für mich ganz wichtig. Deshalb gehe ich auch heute noch, wenn es irgendwie machbar ist, am Sonntag zum Gottesdienst. Die Kirche gibt mir einen gewissen Halt.
 

Anselm Grün, Benediktinermönch und Autor:

Im deutschen Wort „glauben“ steckt die Wurzel „liob = gut“. Glauben bedeutet daher für mich: gut sehen, das Gute im Menschen sehen, die Welt mit guten Augen ansehen, in allen Dingen Gott als den tiefsten Grund sehen. Für  mich bedeutet der Glaube an Gott: Vertrauen haben in Gott, sich von Gott getragen wissen. Aber der Glaube an Gott muss sich immer auch ausdrücken im Glauben an den Menschen. Der hl. Benedikt verlangt, dass wir in jedem Bruder, in jeder Schwester Christus sehen, den guten Kern sehen, ihm etwas zutrauen.
 

Ulrike Kriener, Schauspielerin:

Glaube ist für mich kein Besitz, nichts unverrückbar Sicheres, kein fester Halt …
Glaube ist ein Weg, den ich nun seit vielen Jahren gehe. Auf diesem Weg haben sich mein Glaube und auch ich selbst immer wieder verändert. Es gab die Magie des Kinderglaubens, später den Zweifel und das Hadern und auch die strikte Ablehnung.
Doch mein Interesse flammte immer wieder auf, an mir und meinem Glauben. Und mittlerweile traue ich meinem „Wackelglauben“.
Er besteht aus Suchen und Fragen. Aber er ist lebendig und offen … und passt so sehr gut zu mir.
 

Alfons Schuhbeck, Sternekoch:

Der Glaube gibt mir immer wieder die Kraft, positiv zu denken und optimistisch zu arbeiten. Und das bewahrt mir die Freude am Neuen und die Lust zum Weitermachen.
Was sich ändern sollte? Die Kirche müsste in ihren Ritualen nicht so viel Wert darauf legen, aus einer anderen Zeit zu sein. Und viele ihrer Repräsentanten, bis hinauf zum Papst, sollten in wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen nicht mit dem Populismus von Parteien wetteifern. Auch für Geistliche gilt: Was besser verteilt werden soll, muss erst einmal erarbeitet werden, denn auch den Seinen gibt’s der Herr nicht im Schlafe.
 

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz:

Für mich bedeutet Glaube Zuversicht und Orientierung und er lehrt Demut, weil wir nicht auf alles eine Antwort haben. Ich hatte schon als Kind ein tiefes Gottvertrauen und das ist bis heute geblieben. Dabei habe ich nie an einen strafenden, sondern an einen stärkenden Gott geglaubt. Und an einen, der sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Dieses Bild verdeutlicht für mich auf wunderbare Weise, dass der Mensch sich nur in der Gemeinschaft entfalten kann, die den Geist Gottes in sich trägt. Das muss nicht in der Kirche sein oder im Gottesdienst.
 

Christiane Underberg, Unternehmerin:

Als Christin habe ich den Menschen im Fokus, auch im Unternehmen. Denn jeder Mensch ist kostbar.
Für mich kommt erst der Mensch, dann die Struktur. Wenn eine Persönlichkeit Fähigkeiten mitbringt, die vielleicht nicht in die Struktur passen – dann finde ich etwas, damit dieser Mensch seine Talente zum Blühen bringen kann. In vielen Unternehmen fehlt da leider manchmal die Kreativität und die Menschen werden in Kästchen gepresst. Das kann aber nicht das sein, was man sich unter christlichem Menschenbild vorstellt.
Am Ende des Tages kommt es darauf an, was wir dem Leben gegeben haben: Wo habe ich Menschen ein Stück bereichert oder helfen können?
 

Wolfgang Bosbach, ehem. Bundestagsabgeordneter:

Für jede gläubige Christin, jeden gläubigen Christen dürfte der Glaube eine ganz besondere, aber auch sehr persönliche Bedeutung haben. Für mich ist er gleichermaßen Hoffnung und Trost wie Orientierung und Halt. Vor allem die Osterbotschaft mit der Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, gibt uns Christen Trost und Kraft gerade in schweren Stunden.

Ach, die Kirche .... Sie wird auch in 1000 Jahren nicht auf das achten, was ich sage. Muss sie auch nicht. Ich bin ja schon zufrieden, wenn in der Christmette wenigstens am Rande über die Geburt Jesu Christi  gepredigt wird und nicht nur über Migrationspolitik oder vorweihnachtlichen Konsumrausch.
 

Dr. Peter Frey, Chefredakteur ZDF:

Für mich bedeutet „Glauben“ Heimat. In einer immer mobileren und fragmentierteren Gesellschaft sind die Kirchen einer der wenigen Orte der Selbstvergewisserung geblieben. Das katholische Gepränge – Messkleidung, Weihrauch, Liturgie, das Vaterunser, das selbst in fremden Sprachen erkennbar bleibt, uralte Musik – schafft Heimat, kann zum seelischen Grundstoff werden. Das ist stark in unserer gewiss nicht reizarmen Welt. Aber es ist auch ein Stoff, aus dem Verführbarkeit, Äußerlichkeit und Selbstüberschätzung entstehen kann.

Die Kirche darf Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen nicht erst auf massiven öffentlichen Druck hin offen austragen. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen keine von Kindheit an gewachsene Beziehung zu Gott haben, muss sich die Kirche bemühen, die Wege zu ihm so breit wie möglich zu halten. Das Bild einer auf sich selbst bezogenen, den Fragen der Welt verschlossenen, gar Menschen missbrauchenden Institution schreckt ab. Dem entgegenzutreten, muss heute das wichtigste Ziel katholischer Bildungs- und Akademiearbeit sein.
 

Prof. Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident a.D.:

Das Jahr 2017 war ein schlimmes Jahr für unsere Kirche. Viele Gotteshäuser wurden geschlossen. Der Missbrauchsskandal schwelte fort, weil der Mut fehlte, notwendige Konsequenzen aus den Beschädigungen der Kinderseelen zu ziehen. Viele Menschen verließen die Kirche.
In diesen dunklen Tagen musste ich an eine kleine Geschichte denken, die aus einem Gespräch des Gründungskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, mit dem amerikanischen Erweckungsprediger Billy Graham im Jahre 1962 kurz vor seinem Tod berichtet wird.
Adenauer sagte zu ihm: „Wenn ich sehe, wie sicher Sie im Glauben sind, bin ich froh, dass ich katholisch bin. Wissen Sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein; da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat, glauben zu können. Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann.“ Das stimmt! Aber man kann etwas tun.

Über die kleinen christlichen Gemeinden der Anfangszeit wurde erzählt, woran man Christen erkennt: „Seht, wie sie einander lieben.“ Ich glaube, das müssen wir wieder erlernen. Wenn man die Christen wieder erkennt, dann brauchen wir keine Angst vor der Zukunft zu haben. Unser Glaube wird uns dabei helfen.
 

Dr. Michael Vesper, Minister a.D.:

Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen. Der Besuch der Messe am Sonntag, die Feste im Jahreskreis, Taufe, Kommunion, Firmung gehörten zu den Selbstverständlichkeiten meiner Kindheit und Jugend.
In der Lebensphase, wo man alles noch einmal auf den Prüfstand stellt, war die katholische Jugendgruppe sehr wichtig für mich. Wir waren eine Gemeinschaft, haben zusammen Spaß gehabt, aber auch wichtige Themen besprochen und ein Bewusstsein für politische Zusammenhänge entwickelt. Wir wussten nicht nur im Kopf, sondern haben es sozusagen gelebt, dass es auch von uns abhängt, was in Kirche und Gesellschaft läuft. Sehr wichtig waren für uns nicht zuletzt die in unserer Gruppe wirkenden Priester, denen ich bis heute viel verdanke.

All dies hat mich dann – mit anderen Faktoren – zu den Grünen geführt, und das seit ihrer allerersten Gründungsphase. Wenn ich meine Gedanken zusammenfassen soll, so gibt es keine bessere Kurzformel als die von Heinrich Böll: „Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen … Ich glaube an Christus, und ich glaube, dass 800 Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern können. Und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte.“ Heute sind es weit über 1,2 Milliarden Christen auf der Welt, übrigens werden viele davon verfolgt und bedrängt. Bölls Worte sind ansonsten absolut aktuell.

Weitere Materialien: 

© Peter Weidemann

Wolfgang Thierse (3)

© Peter Weidemann

Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D. und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), bei einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion der Erfurter Bistumsakademie "Katholisches Forum".

© Servizio Fotografico Vatican Media

© Andrea Göppel / Vier Türme Verlag

Anselm Grün, Benediktinermönch und Autor

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© ZDF / Laurence Chaperon

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