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Getragen von Hoffnung

Auch in schweren Stunden von Leid, Krankheit und Tod

Der November hat ein schlechtes Image: Er gilt laut Umfragen als der unbeliebteste Monat. Viele Menschen empfinden ihn als grau, schwer und trostlos. Vielleicht auch deshalb, weil er uns wie kein anderer an unsere eigene Vergänglichkeit erinnert. In der Kirche wird der November als „Totenmonat“ bezeichnet. An Allerheiligen und Allerseelen gedenken wir unserer Verstorbenen. Mit diesen Festen möchte die Kirche zeigen: Sie ist eine Gemeinschaft der Lebenden und der Toten.

Die Sehnsucht nach Verbundenheit über den Tod hinaus bewegt wohl jeden, der einen geliebten Menschen verloren hat. Wie unterschiedlich Menschen mit diesem Verlust umgehen, zeigen uns oft die Todesanzeigen. Manche berühren mich tief. Wenn ich die Verstorbenen persönlich kenne, denke ich besonders lange darüber nach. Besonders getroffen hat mich die Anzeige meines Nachbarn. Sie trug als Überschrift einen Vers aus Psalm 68: „Gepriesen sei der Herr Tag für Tag, der uns trägt, der Gott, der unsere Hilfe ist.“ Nach einer unheilbaren Krankheit musste er seine Frau und die beiden kleinen Kinder zurücklassen. Während dieser schweren Zeit begegnete ich oft seiner Frau, deren Zuversicht und innere Stärke mich tief beeindruckten. In der Mitte des Lebens ein solches Schicksal anzunehmen – in dem Wissen, nun allein mit den Kindern weitergehen zu müssen – erschien mir kaum erträglich.

„Gepriesen sei der Herr Tag für Tag, der uns trägt, der Gott, der unsere Hilfe ist“. Am Ende des Psalmverses steht ein kleines Wort: Sela. Es markiert im Vortrag des Psalms eine Pause – lädt zum Innehalten ein. „… der Gott, der unsere Hilfe ist, sela“ bedeutet: Wir dürfen vertrauen, dass Gott an unserer Seite ist. Dieser Vers lässt uns still werden. Die Zeit der Fragezeichen darf enden, denn Gott trägt uns. Gott ist unsere Hilfe. So formuliert es König David in einem seiner Psalmen, der Gott und seine Taten preist und davon spricht, „dass Gott der HERR herausführen kann aus dem Tod“.

An Allerheiligen treffe ich meine Nachbarin mit den beiden Kindern auf dem Friedhof. Wir kommen über die Todesanzeige ins Gespräch. Sie erzählt mir, warum ihr Mann gerade diesen Psalm gewählt hat. Natürlich sei der Weg zum Vertrauen für beide voller Fragen und Zweifel gewesen: Warum er? Warum wird der Familie eine so schwere Last auferlegt? Doch sein tiefer Glaube habe ihm geholfen, all die Zweifel und Fragen Schritt für Schritt in Gottes Hand zu legen. Und schließlich sei der Tag für ihren Mann gekommen, an dem die Zeit der Fragezeichen für ihn vorbei gewesen war.

Und das war zugleich der Tag, an dem er für sich entschied, keine weiteren Therapien mehr anzunehmen. Er ahnte, dass sie ihm das letzte Stück Lebensqualität genommen hätten. Aber er wollte bereit sein, wach sein – für die Stunde des Abschieds und für das, was jenseits des Todes kommt. In Versöhnung mit seinem Leben und mit Gott fand er Frieden. Sein Vertrauen darauf, dass Gott ihn trägt, und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod gaben ihm diese Zuversicht und Gelassenheit. So konnte er sagen: „Gepriesen sei der Herr Tag für Tag; der uns trägt; der Gott, der unsere Hilfe ist.“

Christine Hober
Quelle: Krankenbrief 10/25, www.krankenbrief.de, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Christine Hober, Quelle: Krankenbrief 10/25, www.krankenbrief.de
In: Pfarrbriefservice.de

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