,,Fürchtet euch nicht!”

Die eindrucksvollste Mutmachkampagne Gottes

In einer Stadt – so erzählt eine Geschichte – hat ein Artist sein Hochseil gespannt und führt vor dem Publikum seine Kunststücke vor, eines spannungsreicher als das andere. Die Menschenmenge ist begeistert. Totenstille liegt über dem Platz, als er zum Abschluss auch noch eine Schubkarre über das Hochseil schiebt. Donnernder Applaus ist zu hören. Der Artist fragt die Menge: „Trauen Sie mir zu, dass ich die Schubkarre auf dem gleichen Weg wieder zurückschieben kann?“ Begeistert klatscht man Zustimmung. Der Artist schweigt eine Weile. Die Menge meint, er zaudere. „Weitergehen“, rufen ihm einige zu. Der Mann auf dem Hochseil fragt einen der Rufer: „Sie da unten, trauen Sie mir wirklich zu, die Karre zurückschieben zu können?“ „Selbstverständlich“, ruft der Mann zurück. „Dann“, fordert der Artist ihn auf, „kommen Sie doch herauf und setzen sich in die Karre!“ Nein – so war die Zustimmung nun doch nicht gemeint.

Ich frage mich, wie ich mich wohl verhalten hätte? Ich glaube, mich hätte der Mut verlassen, mich bedingungslos in den Karren zu setzen und ganz dem Artisten zu vertrauen. Solange ich Zuschauer bin, bewundere ich gerne das Können anderer. Doch sobald ich etwas wagen muss, werde ich vorsichtig und manchmal sogar auch ängstlich. Angst dient ja auch dazu, sich vor Gefahren zu schützen, und gehört zu den Grundeigenschaften des Menschen dazu. Daher ist es so wichtig, mit Angst umgehen zu lernen – zum Beispiel durch ermutigende Worte. Ein solches Wort findet sich in einem Abschnitt aus dem Matthäusevangelium gleich drei Mal nacheinander:

Jesus sagt zu seinen Jüngern, die offensichtlich auch Angst haben: „Fürchtet euch nicht!“ (Mt 10,26;28;31). Diesen Worten geht Jesu Missionsauftrag voraus: „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 10,7). Doch es zeichnet sich bereits ab: Diese Mission wird kein Vergnügen werden. Denn Jesus sendet seine Jünger „wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16). Das heißt: Wer die gute Nachricht Jesu verkündet, den wird das vielleicht sogar das Leben kosten.

Jesus sagt: „Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden …“ (Mt 10,21-22). Nicht nur für die Jünger, sondern bis heute gilt: Wer diese Worte hört, kann schnell ängstlich werden, da kann einen der Mut verlassen. Wie wichtig ist es da zu hören: „Fürchtet euch nicht!“

Die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel an Maria beginnt mit diesen Worten. Und nach der Geburt Jesu hören die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem diese Worte durch einen Engel genauso wie die Frauen am Grab.

„Fürchtet euch nicht!“ Das ist die eindrucksvollste Mutmachkampagne Gottes, die ich kenne!

Stephan Schröder, Diözesanjugendpfarrer im Erzbistum Padeborn
In: Pfarrbriefservice.de

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für Oktober 2021

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Text: Stephan Schröder
In: Pfarrbriefservice.de