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Fasching-Zeit braucht Fasten-Zeit

Eine Balance ist historisch wie psychologisch tief in unserer Kultur verwurzelt

Die Fasching-Zeit ist eine ausgelassene, fröhliche und humorvolle Phase in unserem Leben. Im Mittelpunkt steht das Feiern. Wir dürfen diese Tage nutzen, um zu genießen und einmal „ausgelassen“ sein zu dürfen, bevor wieder eine Phase der Ruhe einkehrt. Widersprüchlich wirkt, dass diese festliche Zeit, bei der traditionell viel Fleisch gegessen wird, ausgerechnet mit dem Wort „Karneval“ benannt wird. Der mittellateinische Begriff „carnem levare“ heißt „Fleisch wegnehmen“ oder volkstümlich mit „carne vale“ übersetzt: „Fleisch, lebe wohl!“. Der Name Karneval beschreibt also nicht das Fest selber, sondern nur das Ende dieses Festes. Es ist das Tor zur fleischlosen Zeit, die letzte Gelegenheit, das zu tun, wovon man am nächsten Tag, am Aschermittwoch, Abschied nehmen muss. Das drückt sich auch in dem Wort „Fasching“ aus, das aus dem mitteldeutschen Wort „vaschang“ kommt und „Fastenschank“ heißt. Es bedeutet den letzten Ausschank von Alkohol vor der Fasten-Zeit.

Die Fasten-Zeit ist die 40-tägige Periode dieses Verzichtes. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet am Karsamstag vor Ostern. Sie dient der spirituellen Vorbereitung auf das Osterfest. Die Gläubige verzichten in der Regel in dieser Zeit auf Fleisch und Alkohol. Die Fastenzeit ist eine 40-tägige Phase der Besinnung und des bewussten Verzichts. Viele Menschen nutzen diese Wochen auch, um schlechte Gewohnheiten zu überdenken und sich körperlich wie geistig eine Pause, ein Innehalten zu gönnen.

Die Balance zwischen Fasching-Zeit und Fasten-Zeit ist sowohl historisch wie psychologisch tief in unserer Kultur verwurzelt und bildet eine untrennbare Einheit, die auf dem Prinzip von „Aus-gelassenheit“ und „Ein-kehr“ basiert. Es ist der psychologische Rhythmus von „Spannung und Entspannung“. Die Fasching-Zeit mit dem kollektiven Feiern stärkt das Gefühl der Zugehörigkeit und verbindet Menschen untereinander, während die Fasten-Zeit diese äußere Verbundenheit in eine Phase des gemeinsamen Innehaltens, Besinnens und der inneren Einkehr überführt.

Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de

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Stanislaus Klemm, Diplompsychologe und Theologe

Stanislaus Klemm, Jahrgang 1943, ist Diplompsychologe und Theologe. Er arbeitete in der Suchttherapie, in der ökumenischen Telefonseelsorge Saar sowie in der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen. Er ist Autor verschiedener Bücher. 

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Text: Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe
In: Pfarrbriefservice.de

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