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„Er macht etwas sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt“

Warum in der Liturgie Weihrauch verwendet wird

Warum wird im Gottesdienst eigentlich Weihrauch verwendet? Was bedeuten Rauch, Duft und die feierlichen Gesten? Der Liturgieredakteur des DOMRADIO, Jan Hendrik Stens, erklärt die jahrtausendealte Symbolik hinter einem besonderen Zeichen des Glaubens.

DOMRADIO.DE: Viele verbinden Weihrauch mit besonders feierlichen Gottesdiensten. Woher kommt diese Tradition?

Jan Hendrik Stens: Die Verwendung von Weihrauch ist viel älter als das Christentum. Schon im Gottesdienst des Alten Testaments spielte er eine wichtige Rolle. Die Kirche hat diese Symbolik übernommen. Weihrauch steht für die Verehrung und Anbetung Gottes und vor allem erinnert er an die Gebete der Gläubigen, die zu Gott emporsteigen.

DOMRADIO.DE: Deshalb wird Weihrauch bis heute in der Liturgie verwendet?

Jan Hendrik Stens: Genau. Er macht etwas sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Die Liturgie spricht nicht nur durch Worte, sondern auch durch Zeichen. Weihrauch gehört zu diesen Zeichen und unterstreicht die Feierlichkeit eines Gottesdienstes.

DOMRADIO.DE: Es werden auch immer wieder verschiedene Dinge beweihräuchert. Was passiert dabei genau?

Jan Hendrik Stens: Zu Beginn der Messe, nach dem Einzug, wird der Altar inzensiert, also beweihräuchert. Er ist das Zentrum der Eucharistiefeier und verweist auf Jesus Christus. Vor der Verkündigung des Evangeliums wird das Evangeliar beweihräuchert – also das Buch, aus dem das Evangelium gelesen wird. Später folgen die Gaben von Brot und Wein auf dem Altar, und auch die Gemeinde wird inzensiert.

DOMRADIO.DE: Wieso die auch?

Jan Hendrik Stens: Das ist eigentlich ein besonders schöner Gedanke. Damit wird deutlich: Nicht nur der Altar oder das Evangelium sind wichtig. Auch die versammelten Gläubigen haben eine besondere Würde, weil sie durch die Taufe zu Christus gehören.

DOMRADIO.DE: Dabei sieht man immer dieses schwingende Rauchfass.

Jan Hendrik Stens: Dieses Rauchfass wird in der Liturgie auch „Thuribel“ genannt. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „thus“ für Weihrauch ab. Deshalb heißt der Weihrauchträger auch „Thuriferar“. Im Rauchfass liegen glühende Kohlen, auf die Weihrauchkörner gelegt werden. So entstehen der charakteristische Duft und der aufsteigende Rauch.

DOMRADIO.DE: Dann lohnt es sich beim nächsten Gottesdienst vielleicht besonders darauf zu achten, wann und wie Weihrauch eingesetzt wird.

Jan Hendrik Stens: Auf jeden Fall. Denn hinter dem Rauch steckt eine jahrtausendealte Symbolik: das Gebet der Menschen und die Verehrung Gottes.

Interview: Carsten Döpp, www.DOMRADIO.DE, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Interview: Carsten Döpp, www.DOMRADIO.DE
In: Pfarrbriefservice.de

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