Entschiedenheit, Rollenbewusstsein, Umkehr

Betroffene von sexueller Gewalt setzen Maßstäbe für den Synodalen Weg

Auf der aufgrund der Corona-Pandemie ins Digitale verschobenen Online-Konferenz des Synodalen Wegs mit weit über 300 Teilnehmenden wurden keine Beschlüsse gefasst. Trotzdem war das digitale Treffen eine wichtige Wegmarke. Zum ersten Mal kamen auch beim Synodalen Weg Menschen zu Wort, denen katholische Priester Gewalt angetan haben. Johannes Norpoth, Kai Moritz und Johanna Beck, das Sprecherteam des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz, setzten die Maßstäbe, die auf dem Synodalen Weg zu halten sind: Entschiedenheit, Rollenklarheit und Umkehrbereitschaft. Ihre Statements sind abrufbar unter www.synodalerweg.de.

Entschiedenheit in der Option für die Betroffenen: Der Synodale Weg gründet in dem Skandal, dass Priester Schutzbefohlenen Gewalt angetan, Leitungsverantwortliche weggesehen oder vertuscht und zugelassen haben, dass die Täter weitere Opfer malträtieren konnten. Der gesamte Prozess steht dafür ein, all das in Lehre, Struktur und Alltag der Kirche zu korrigieren, was Machtmissbrauch möglich gemacht hat. Es geht darum, entschieden zu widersprechen, wenn weiterhin versucht wird, Missbrauch durch Kleriker zu bagatellisieren und auf diesem Weg nötige kirchliche Reformen zu verhindern.

Klarheit der eigenen Rolle, Kompetenz und Aufgabe – in der Synodenaula wie im alltäglichen kirchlichen Leben: Der Synodale Weg ist „keine Therapie- oder Selbsthilfegruppe“, sondern ein strukturierter Prozess, der „Zukunftsfragen unserer Kirche“ (Johannes Norpoth) bearbeitet. Die Kirche muss sich ihrer Schuldgeschichte stellen. Das geht nur mit „Haltung und Konsequenz, mit klarem Profil und Berechenbarkeit“ (Kai Moritz); eine gebeutelte Kirche zu bedauern, wäre hier völlig fehl am Platz.

Wille zur institutionellen Umkehr: Dazu gehört, individuelles Versagen zu benennen und institutionelle Schuld einzugestehen. Umkehr des Einzelnen wie der Kirche bedeutet echte Veränderung: alles daran zu setzen, dass diese „unfassbare Pervertierung des Evangeliums“ beendet wird, und eine „radikale Reform der missbrauchsbegünstigenden Machtstrukturen“ (Johanna Beck) zu bewirken. Das kann nicht dem persönlichen Ermessen und guten Willen Verantwortlicher überlassen bleiben; dazu braucht es Transparenz, Kontrolle und eine wirksame Begrenzung kirchlicher Macht – und heute und morgen den Mut zu handeln. Johannes Norpoth brachte es mit einem Zitat von Adolph Kolping auf den Punkt: „Schön reden tut’s nicht – die Tat ziert den Menschen!“

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

Der Synodale Weg

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf mehrere Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. www.synodalerweg.de

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Prof. Dr. Julia Knop, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt

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Betroffene von sexueller Gewalt mahnen auf Online-Konferenz Anfang Februar 2021 mutige Schritte an

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Text: Julia Knop
In: Pfarrbriefservice.de