Christen glauben, dass Jesus für ihre Menschwerdung eine zentrale Rolle spielen kann

Dr. Peter Müller
24.08.2018 - 17:00

Wie komme ich aus angstmachenden Strukturen zu einem befreiten, glücklichen und verantwortungsvollen Leben? Das ist eine der Kernfragen der Reformation gewesen. Als Christ glaube ich, dass für meinen Prozess der Menschwerdung Jesus eine zentrale Rolle spielen kann. Wenn ich auf seine Lebensgeschichte schaue, entdecke ich: Er selbst war in Wandlungsprozessen unterwegs.

Mystische Wüstenerfahrung prägt

Anfangs war er wohl ein Jünger des Johannes, von dessen Droh- und Angstbotschaften er sich aber abgewandt hat. Jesu zentraler Ansatz: Gottes Reich beginnt in dieser Welt, nicht erst im Jenseits. Blinde gehen, Lahme sehen ... Diese Sicht Gottes – diese Theologie – beruht auf einer zutiefst persönlichen mystischen Wüstenerfahrung, die diesen jungen Mann radikal getroffen hat. Es schenkt ihm den himmlischen Frieden schon im Diesseits – ohne Selbstzufriedenheit. Er schließt den Himmel für uns auf.

Als Christ versuche ich, dieses Gottvertrauen zu leben. Jesus selbst hatte auch nicht mehr! Wenn wir uns erinnern an seine Angst im Garten Getsemani. Er hat sein ganzes Leben auf diese vorhandene Brücke zwischen Himmel und Erde gesetzt. Seine Theologie hat sein Leben verändert!

Bedingungslose Liebe Gottes befreit

1500 Jahre später ringt Martin Luther ebenfalls existenziell mit Gott: „Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil." Wie komme ich zu einem gnädigen Gott? Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wird ihm bewusst: Der Mensch kann und muss gar nichts tun. Es sind nicht seine Werke. Es ist allein die bedingungslose Liebe Gottes (die Gnade), die ihn befreit. Und nicht nur ihn: Sie gilt allen Menschen und ist auch nicht vom Glauben abhängig. Der wäre dann ja schon wieder ein Werk. Luther hatte also ähnlich wie Jesus eine mystische Grunderfahrung. Er war einer, der „etwas erfahren hat“ (Rahner) und dann nicht mehr anders konnte. Er war einer, der verändert aus dieser Erfahrung hervorging ... und in stürmischen Zeiten Veränderungen anging.

Der göttlichen Wirklichkeit vertrauen

Sind wir nicht mitten in diesen stürmischen Zeiten? Es gibt vieles, was real Angst machen kann. Was kann uns helfen? Für mich ist es auch eine Theologie, die immer wieder erinnert an den Gott, der sich geheimnisvoll in seiner Menschwerdung an uns gebunden hat. Diese göttlich-geheimnisvolle Wirklichkeit ist schon verborgen mitten unter uns. Die Frage ist, ob wir dieser Wirklichkeit vertrauen und sie zu entdecken suchen. Für mich ist die Botschaft von der Menschwerdung die Einladung, sich seinen Ängsten zu stellen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Es geht um das Vertrauen, dass es diese Wirklichkeit gibt. Wo wir sie erfahren, spüren wir, dass sie stärker als unsere Angst ist. Diese Erfahrung entmachtet die Angst, bagatellisiert aber nicht.

Als Freie leben

Ich wünsche uns diese Erfahrung: Angst hat nicht das letzte Wort. Das verändert uns und führt zu einer Re-Formation: zu der Form, als die uns Gott geschaffen hat. Als Freie, die sein Vertrauen leben und weiter geben. Kurz gesagt: Mensch sein und werden.

Dr. Peter Müller
Quelle: Kreuzwort vom 10. Dezember 2017, https://ab.main-franken-katholisch.de, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Dr. Peter Müller
In: Pfarrbriefservice.de