Eine Frage der Menschenwürde

Junge Synodale fordern eine Debattenkultur ein, die das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung achtet

Der Synodale Weg ist entstanden, nachdem sexualisierte Gewalt und ihre Vertuschung im Raum der Kirche in einem erschreckenden Ausmaß bekannt geworden waren. Als Faktoren, die solche Gewalt ermöglicht und nicht verhindert haben, benennen verschiedene Studien ein reformbedürftiges Machtsystem und prekäre Aspekte der kirchlichen Sexualmoral. Bis heute erklärt der katholische Katechismus Homosexualität für abnorm und homosexuell empfindende Menschen für bemitleidenswert (Nr. 2357-2359). Sie seien zur Keuschheit aufgerufen, denn jede Form von Intimität außerhalb der heterosexuellen Ehe sei naturwidrig und sündhaft.

Massiver Konflikt mit Grundrechten

Mit dieser offiziellen Position steht die katholische Kirche in einem massiven Konflikt mit grundrechtlichen Errungenschaften unserer Zeit: Niemand darf, wie es im Grundgesetz der Bundesrepublik heißt, aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden. Alle genießen das Recht auf sexuelle Integrität und Selbstbestimmung. Grundlage ist die Überzeugung der bedingungslosen Würde aller Menschen. Aus christlicher Perspektive ist damit nichts anderes als die Gottebenbildlichkeit eines jeden gemeint.

Gruppe junger Synodaler veröffentlicht Stellungnahme

Nachdem einzelne Synodale in ihren Äußerungen im Rahmen des Synodalen Wegs wiederholt die Würde von Menschen oder die ganzer Menschengruppen angegriffen haben – etwa indem sie Homosexualität als Ursache für sexualisierte Gewalt behaupteten –, hat eine Gruppe junger Synodaler eine Stellungnahme veröffentlicht: https://menschenwuerdesw.wordpress.com/. Darin benennen sie Differenzen „zwischen dem Würdebegriff unserer christlichen Glaubensüberzeugung und der römisch-katholischen Lehrmeinung, wie sie vor allem im Kirchenrecht vertreten wird. Im Unterschied zu unserem Würdeverständnis ist die lehramtliche Vorstellung unserer Wahrnehmung nach noch immer geprägt von Ungleichheit und einer Absage an die Autonomie des Menschen. Dies ist die Grundlage für die Diskriminierung unter anderem von Frauen, Inter- und Trans*personen, gleichgeschlechtlich Liebenden und allen anderen queeren Identitäten. So wird ein Machtsystem gestützt, dessen negative Konsequenzen zum Beispiel in der MHG-Studie dargelegt wurden.“

Für eine Debattenkultur, die auf der Würde aller Menschen fußt

Alle am Synodalen Weg Beteiligten können sich dieser Stellungnahme namentlich anschließen. Damit treten sie öffentlich für unhintergehbare Standards einer konstruktiven, auf der Würde aller gründenden Debattenkultur in der Kirche ein und widersprechen hörbar, wo dieser Grundsatz unterlaufen wird.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

Der Synodale Weg

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf mehrere Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. www.synodalerweg.de

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Prof. Dr. Julia Knop, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt

Verknüpft mit:
Betroffene von sexueller Gewalt mahnen auf Online-Konferenz Anfang Februar 2021 mutige Schritte an

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Text: Julia Knop
In: Pfarrbriefservice.de