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Eine besondere Begegnung

Eine Kindergeschichte zum Tierschutz

Stolz und zufrieden schaute Pfarrer Winter auf den hell erleuchteten alten Turm seiner Kirche. Monatelang war die Beleuchtung defekt gewesen, doch nach der Reparatur strahlten die Scheinwerfer nun wieder. Pfarrer Winter pflegte zu sagen: „Der Kirchturm unserer ehrwürdigen alten Kirche zeigt den Weg zum Himmel. Den muss man immer sehen, Tag und Nacht.“

Am Abend, als er die Kirche wie immer abschließen wollte, geschah etwas Merkwürdiges. Er lief gerade durch den Lichtkegel der Kirchturm-Strahler, da flatterte etwas um seinen Kopf herum. Geblendet blieb er stehen und hörte eine leise Stimme: „Du musst das Licht ausschalten, sonst müssen wir sterben.“

„Wer ist da?“, fragte der Pfarrer verwirrt. Keine Antwort. „Da hab ich wohl geträumt“, sagte er zu sich und ging weiter.

Am nächsten Abend geschah das Gleiche. Wieder sagte die Stimme: „Du musst das Licht ausschalten, sonst müssen wir sterben.“ Dann war es still. „Jetzt habe ich es aber deutlich gehört und nicht geträumt“, murmelte er vor sich hin. „Morgen lass ich die Strahler aus.“

Am nächsten Abend, auf dem Weg zur Kirchentür, sagte die Stimme: „Danke, dass du das Licht nicht angemacht hast. Jetzt können wir wieder fliegen.“ Pfarrer Winter knipste schnell seine Taschenlampe an. Im Lichtkegel erkannte er eine Fledermaus. „Hast du gerade gesprochen? Wer bist du?“, fragte er ungläubig.

„Ich bin Hufi, die Fledermaus. Zusammen mit vielen Hufeisennasen lebe ich im alten Kirchturm. Tagsüber schlafen wir dort. Wenn es dunkel wird, schwärmen wir aus, um Futter zu suchen. Aber seit der Turm angestrahlt ist, können wir ihn nicht mehr verlassen. Das Licht ist für uns wie eine unüberwindbare Mauer. Wir können kein Futter mehr suchen und müssen vor Hunger sterben.“

Der Pfarrer war bestürzt. Davon hatte er nichts geahnt. Also war das Licht, das seine Kirche in schönem Glanz erstrahlen ließ, schuld am Leid der Tiere.

Am nächsten Morgen stieg er die vielen Stufen im Glockenturm empor. Und wirklich: Viele kleine Fledermäuse hingen kopfüber schlafend zwischen den Holzbalken. Leise schloss er die Tür, um sie nicht zu wecken. Er wusste nun, dass seine Kirche noch viel bedeutender war, als er gedacht hatte. Sie war das Zuhause einer ganz seltenen, geschützten Fledermausart, den Kleinen Hufeisennasen. Das mussten alle erfahren.

In seiner nächsten Predigt am Sonntag erklärte er: „Wir haben in unserem Kirchturm einen besonderen Schatz, den wir behüten müssen. Eine ganz besondere, äußerst seltene Art von Lebewesen hat sich unseren Kirchturm als Schlafplatz ausgesucht. Es sind Kleine Hufeisennasen. Ja, und damit diese kleinen Fledermäuse weiter zur Nahrungssuche fliegen können, dürfen wir unseren wunderschönen Kirchturm nicht mehr anstrahlen. Denn der Schutz von Lebewesen ist das Wichtigste.“

Nicht alle Gemeindemitglieder waren sofort begeistert. „Ist es wirklich nötig, die schöne Beleuchtung ganz abzuschalten? Und was ist mit denen, die damals für den Bau der Anlage gespendet haben? Werden die nicht enttäuscht sein?“, fragten sie.

Am Ende fand sich ein guter Kompromiss: Die Scheinwerfer sollten künftig nur zu besonderen Anlässen eingeschaltet werden – etwa an hohen Feiertagen oder zu besonderen Veranstaltungen. Und im Gemeindebrief wurde ein Beitrag über die Hufeisennasen veröffentlicht. So wurde aus der ehrwürdigen alten Kirche ein neuer Schutzraum für eine bedrohte Art.

Willst du Fledermäusen und anderen bedrohten Arten helfen? Hier findest du jede Menge Tipps für Artenschutz im Kirchturm: 
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/lebensraum-kirchturm/mitmachen.html

Nicht nur Fledermäuse sind vom künstlichen Licht bedroht. Wenn ihr mehr wissen wollt, könnt ihr über diesen Link ein PDF herunterladen: https://www.pfarrbriefservice.de/file/jedes-lebewesen-hat-seine-eigene-innere-uhr-wissenszusammenstellung

Anna Zeis-Ziegler, In: Pfarrbriefservice.de

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Anna Zeis-Ziegler

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URHEBERNACHWEIS
Text: Anna Zeis-Ziegler
In: Pfarrbriefservice.de