Ein prägender Auftakt, Diskussionen und erste Beschlussvorlagen

Die Online-Konferenz im Februar 2021 war wichtig für den Synodalen Weg

Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben durcheinandergeworfen. Alles, was physische Präsenz und Reisen erfordert, fiel aus oder wurde ins Digitale verschoben. So auch die geplante Zusammenkunft derer, die sich als Delegierte, Berater:innen oder Beobachter:innen beim Synodalen Weg engagieren. Über 300 Beteiligte trafen am 4. und 5. Februar 2021 über insgesamt 14 Stunden per Videokonferenz zusammen. Zum Glück klappte die Technik ganz hervorragend. Da Satzung und Geschäftsordnung, beide aus Vor-Corona-Zeiten, kein digitales Abstimmungsformat vorsehen, verzichtete man auch in dieser – ursprünglich bereits als dritte Vollversammlung geplanten – Konferenz auf formelle Abstimmungen. Stattdessen nutzten die Synodalen die Zeit, um sich gegenseitig über die bisherigen Arbeitsschritte der Foren zu informieren und über Zwischenergebnisse zu diskutieren. Dazu waren im Vorfeld Texte und Diskussionspunkte versandt worden; alles ist auf der Homepage www.synodalerweg.de öffentlich einsehbar.

Austausch und erste Beschlussvorlagen

In insgesamt 18 parallel angebotenen Hearings wurde der jeweilige Arbeitsstand der vier Foren präsentiert, wurden Anregungen eingebracht und künftige Arbeitsschritte besprochen. Bei den Regionalkonferenzen im September 2020 hatten die Foren 3 (Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche) und 4 (Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft) bereits umfangreiche Texte eingebracht. Im Februar 2021 stellte das Forum 1 (Macht und Gewaltenteilung in der Kirche) einen großen Grundlagentext und die ersten drei konkreten Beschlussvorlagen vor: für eine Rahmenordnung für Diözesanfinanzen, zur Einrichtung einer unabhängigen Ombudsstelle zur Prävention und Aufarbeitung von Machtmissbrauch und zur Erneuerung der Predigtordnung.

Workshops eröffneten weitere Perspektiven

Außerdem haben Synodale Workshops angeboten, die weitere Perspektiven der gemeinsamen Arbeit eröffneten: Darin wurde beispielsweise eine Zwischenbilanz zu Macht und Missbrauch gezogen. Zwei andere Gruppen diskutierten über neue Formen der Gemeindeleitung und die Rolle und Aufgabe des Priesters in einer partizipativen Kirche. Wieder andere sprachen darüber, wie der Synodale Weg in den Social Media vorkommt, und darüber, wie sich Gemeinden stärker in den Prozess einbringen können. Außerdem verständigte man sich über die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung kirchlicher Lehre. Auch die Perspektiven trans-, intergeschlechtlicher und gleichgeschlechtlich liebender Menschen auf die Themen des Synodalen Wegs kamen zur Sprache.

Es geht um eine Erneuerung der Kirche

Wesentlich für die gesamte Konferenz war ihr Auftakt: Erstmals kamen im Rahmen des Synodalen Wegs Betroffene zu Wort, die im Raum der Kirche sexualisierte Gewalt durch Priester erlitten haben. Sie erinnerten nicht nur an den Anlass des Synodalen Prozesses: die Schuldgeschichte der Kirche durch Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt. Sie markierten auch das Niveau der synodalen Debatten: Nicht eine kirchliche Nabelschau oder fromme Rhetorik, sondern ernsthafte institutionelle Selbstkritik und mutige Schritte hin zu einer erneuerten Kirche, die alles ihr Mögliche in Bewegung setzt, um Gewalt in ihren Reihen zu verhindern, sind das Gebot der Stunde.

Julia Knop, In: Pfarrbriefservice.de

Dr. theol. Julia Knop (geb. 1977) ist Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt und Mitglied der Synodalversammlung sowie des Synodalforums „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“.

Der Synodale Weg

Der Synodale Weg ist ein Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. Er soll der Aufarbeitung von Fragen dienen, die sich im Herbst 2018 nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche ergeben haben. Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verantworten gemeinsam diesen Prozess, der auf mehrere Jahre angelegt ist und am 1. Dezember 2019 eröffnet wurde. www.synodalerweg.de

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Prof. Dr. Julia Knop, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt

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Betroffene von sexueller Gewalt mahnen auf Online-Konferenz Anfang Februar 2021 mutige Schritte an
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Text: Julia Knop
In: Pfarrbriefservice.de