Bernhard Lichtenberg protestierte und handelte unerschrocken gegen staatliche Willkür

Marc Witzenbacher, www.magnificat.de
16.09.2020 - 05:35

Bernhard Lichtenberg war unerschrocken und machte aus seiner Meinung keinen Hehl. Die Verfolgung der Juden, die Zerstörung der Synagogen im November 1938 – Bernhard Lichtenberg prangerte dieses Unrecht an, auch von der Kanzel. Seine prominente Wirkungsstätte war die Berliner Sankt Hedwigs-Kathedrale, in der er nach seinem Tod auch die letzte Ruhe fand.

Gebet für die Juden

Nach den Ereignissen des November 1938 betete Bernhard Lichtenberg jeden Tag öffentlich für die Juden, die Christen jüdischer Abstammung und andere Opfer des NS-Regimes, was letztlich auch dazu führte, dass er am 23. Oktober 1941 von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) festgenommen wurde. Doch trotz der brutalen Verhörmethoden nahm Lichtenberg nichts von dem zurück, was seine tiefste Überzeugung war. Den Nationalsozialismus prangerte er als „unchristlich“ an, denn jeder Mensch sei ein Bild und Gleichnis Gottes, das es zu respektieren und zu achten gelte. Im Auftrag des Berliner Bischofs übernahm Lichtenberg schließlich die Leitung des „Hilfswerks beim Bischöflichen Ordinariat“, das „nichtarische“ Christen unterstützte und Juden beim Auswandern oder Untertauchen half. 1941 protestierte er zudem beim Reichsärzteführer gegen die Maßnahmen zur Vernichtung „unwerten Lebens“, das sogenannte Euthanasie-Programm.

Verurteilt wegen „Kanzelmissbrauchs“

Die Nationalsozialisten stuften daher Bernhard Lichtenberg als „unbelehrbaren Fanatiker“ ein und verurteilten den Berliner Dompropst im Mai 1942 unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen „Kanzelmissbrauchs“ und Verstößen gegen das „Heimtückegesetz“ zu zwei Jahren Gefängnis. Aber auch vor Gericht nahm Lichtenberg nichts zurück: „Ich gebe der Überzeugung Ausdruck, dass der Staat durch einen für die Juden betenden Bürger keinen Schaden erleidet“, sagte Lichtenberg vor der Verkündung seiner Verurteilung. Seine Haft verbrachte Lichtenberg in Berlin-Tegel. Ein Angebot, unter der Auflage, künftig nicht mehr zu predigen, auf freien Fuß gesetzt zu werden, lehnte Lichtenberg ab. So wurde der mittlerweile 67 Jahre alte Priester in „Schutzhaft“ genommen und sollte ins Konzentrationslager Dachau gebracht werden, wo zahlreiche Priester gefangen waren. Doch Bernhard Lichtenberg, der schwer herzkrank war, verstarb schon auf dem Weg am 5. November 1943 in der fränkischen Stadt Hof. Die Polizei gab den Leichnam frei, bevor die Gestapo eingreifen konnte, und so wurden Lichtenbergs sterbliche Überreste am 11. November nach Berlin gebracht und dort fünf Tage später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

Bereits früh politisch engagiert

Bernhard Lichtenberg war schon vor der Herrschaft der Nationalsozialisten politisch aktiv. Geboren wurde er am 3. Dezember 1875 im niederschlesischen Ohlau. Er studierte Theologie in Innsbruck und Breslau und wurde im Jahr 1900 zum Priester geweiht. Er war Kaplan, Kurat und schließlich Pfarrer in verschiedenen Gemeinden Berlins. Nach der Gründung des Bistums Berlin wurde er 1932 zunächst zum Dompfarrer der Sankt Hedwigs-Kathedrale berufen und sechs Jahre später zum Dompropst ernannt. Schon während der Zeit des Ersten Weltkriegs engagierte sich Lichtenberg politisch. Von 1913 bis 1920 saß er für die Zentrumspartei im Charlottenburger Stadtparlament, und von 1920 bis 1930 war er Bezirksabgeordneter im Wedding. Und schon damals war er den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Anfang der 1930er Jahre hetzte Joseph Goebbels, damals Gauleiter von Berlin, gegen Lichtenberg. Bereits 1933 wurde Lichtenbergs Wohnung erstmals von der Gestapo durchsucht. Doch er ließ sich keine Angst machen und protestierte öffentlich gegen die unmenschlichen Zustände in den Konzentrationslagern, von denen ihm berichtet worden war. Für diese „Gräuelpropaganda“ wurde er von der Gestapo misshandelt, gab aber seine Informanten nicht preis.

Protest gegen staatliches Unrecht

Lichtenberg habe das christliche Liebesgebot „ohne jede Einschränkung durch Religion, Rasse oder Herkunft ernst genommen“, würdigte ihn der Berliner Erzbischof Heiner Koch, als er anlässlich der Renovierung der Sankt Hedwigs-Kathedrale Lichtenbergs sterbliche Überreste in die Kirche Maria Regina Martyrum überführen ließ. In der Gedenkkirche für die christlichen Hitler-Gegner werden sie ruhen, bis die Kathedrale umgebaut ist. 1996 war Lichtenberg als Märtyrer durch Papst Johannes Paul II. bei dessen Berlin-Besuch im Olympiastadion seliggesprochen worden. Lichtenbergs Taten und sein unerschrockener Protest gegen staatliche Gewalt sind längst weit über Berlin hinaus bekannt. 2004 verlieh ihm die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem für seinen Einsatz für die Juden postum den Titel „Gerechter unter den Völkern“. Seit 2014 findet jährlich an seinem Gedenktag eine überdiözesane Wallfahrt zu seinem Grab statt. Sein Gedenktag ist der 5. November.

Marc Witzenbacher
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 11/2020, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Marc Witzenbacher, www.magnificat.de
In: Pfarrbriefservice.de