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Drei tolle Tage und viele Bezeichnungen

Wenn im Zusammenhang mit der Fastnacht von den drei tollen Tagen die Rede ist, dann sind damit die drei Tage gemeint, an denen vor dem 19. Jahrhundert gefeiert wurde: der „kleine Fastabend“ (heute Weiberfastnacht), der „große Fastabend“ am Sonntag und der eigentliche Fast(en)abend, der Vorabend des ersten Fastentages, der Fastnachtsdienstag. Der sogenannte Rosenmontag kam als vierter toller Tag erst nach 1823 hinzu, als in Köln der Rosenmontagszug eingeführt wurde. Aus den drei tollen Tagen sind seit dem 19. Jahrhundert wenigstens vier geworden.

Die ehemalige (und gegenwärtige) Bedeutung der Fastnachtszeit lässt sich allein schon an der Fülle der Begriffe erkennen, mit denen die einzelnen Tage gekennzeichnet werden. Die gesamten Fastnachtstage von Donnerstag vor dem Fastnachtssonntag bis Dienstag danach bezeichnete man als: Bacchanalia, carnelevamen, Dorendage, Fastelabend. Der Donnerstag vor dem Fastnachtssonntag, im Rheinland Weiberfastnacht bezeichnet, heißt: Dorendonderdach, feister phinztag, gumpiger donstag, kleine fastnacht (Oberrhn.), fetter Donnerstag, schwerer Donnerstag (Rhld.), Semperstag, tumbe fassnacht, unsinniger Donnerstag, Weiberdonnerstag, wuetig Donnerstag, Wuscheltag (Basel), zemperstag, zimpertag. Am Freitag vor dem Fastnachtssonntag wurde früher keine Fastnacht gefeiert. Als Gedächtnistag des Todes Jesu stand er nicht zur Disposition, weshalb es für diesen Tag auch keine althergebrachten Bezeichnungen gibt. Auch der Samstag vor dem Fastnachtssonntag wurde nicht für Fastnachtsfeierlichkeiten genutzt. Er wird als Vorabend der Fastnacht „groten fastelavendsavend“ oder „schmalziger Samstag“ bezeichnet.

Der Fastnachtssonntag oder Sonntag Estomihi, der 7. Sonntag vor Ostern oder Quinquagesima, wird bezeichnet als: carnisprivium clericorum, Großfastabend, Herrenfastnacht, Narrenkirchweihtag, ndl. papenvastelavend, Pfaffenfassnacht, Rinnensonntag, Schutteldach (Aachen). Der Montag nach Estomihi hat als Rosenmontag seine heutige Bedeutung erst im 19. Jahrhundert mit der Einführung des Rosenmontagszuges gewonnen. Aber auch in der Vergangenheit wurde an diesem Tag Karneval gefeiert, wie einige alte Namen des Tages belegen: dies lune salax, dies pingues, Fassnachtabend Montag zuvor, Frassmaendag, geiler Montag, kleiner Fastelavent (Niederrh.), Ruckerstag (Frankfurt).

Der Dienstag nach Estomihi zählte früher zu den drei tollen Tagen, dementsprechend finden sich Bezeichnungen für diesen Tag in verschiedenen Nationen: Shrove Tuesday (Engl.), Smörtisdag (Skand.), Marci gras (Frkr.), Kleiner fastelavent (Ndl.), junge Fassnacht (Schweiz). Andere Namen: Bauernfastnacht, carnisprivium novum, dies pingues, Faschang, Faschangtag, fasching, fassangus, Fassnacht, fassnachtfeiertag, fetter Dienstag, feister Zinstag, frassgerdag, gemeine Fastnacht, Grüne Fassnacht, Letzte Fassnacht, letzter Fastelavand, rechte fassnacht, vassangtag, vastnacht.

Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, www.brauchtum.de, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Prof. Dr. theol. Manfred Becker-Huberti, www.brauchtum.de
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