Liedportrait (10): „Herr Dich loben die Geschöpfe„ (GL 466)

Prof. Dr. Meinrad Walter
15.08.2013 - 00:00

Worte: Franz von Assisi (1225), Ü: Kurt Rose, Musik: GGB 2010 nach Friedrich Filitz (1847)

Der Sonnengesang

Was wir hier singen, ist eines der berühmtesten Gebete des Christentums. Ursprünglich waren die Worte auf umbrisch verfasst und in altitalienischer Sprache niedergeschrieben, um das Jahr 1225. Den Sonnengesang hat der Gründer des Franziskanerordens in seinen letzten Lebensjahren formuliert, und zwar als die poetische Quintessenz seines Glaubens und Lebens. Das berühmteste Gedicht des heiligen Franziskus als komponiertes Gebet in fünf Strophen ergibt insgesamt einen stimmigen Spannungsbogen.

Und die Melodie? Sie könnte manchen bekannt vorkommen aus dem Bereich der anglikanischen Kirchenmusik. Im Internet findet man eindrucksvolle Hörbeispiele unter dem Stichwort „Lead us, heavenly father“. Sogar bei Trauungsfeierlichkeiten von britischen „Royals“ in der Westminster Abbey ist die schwungvolle Melodie schon erklungen. Sie ist allerdings nicht englischen Ursprungs sondern stammt aus einer Choralsammlung des deutschen Kirchenmusikers Friedrich Filitz. Er hat nicht nur Lieder gesammelt, sondern trat auch mit Schriften zur Erneuerung der Kirchenmusik aus dem Geist der Tradition hervor.

Von der Verbundenheit aller Geschöpfe mit Gott

„Herr, dich loben die Geschöpfe“ – für Franz von Assisi kann der Horizont des vielstimmigen Gotteslobes gar nicht weit genug gefasst werden: von den Gestirnen (Strophen 1 und 2) bis zu den sterblichen Menschen (Strophe 5), von den Elementen der Natur (Strophen 2 bis 4: Luft, Wasser, Feuer und Erde) bis zu „Raum und Zeit“ (Strophe 1), den von Kurt Rose neu hinzugefügten Koordinaten allen Lebens in Gottes Schöpfung. Die innere Zuordnung, ja Verwandtschaft alles Geschaffenen kommt zum Ausdruck durch die familiäre Anrede als „Schwester“ und „Bruder“, in stimmiger Abwechslung von „frate“ (Bruder) und „sora“ (Schwester), was in der deutschen Übertragung freilich so nicht möglich ist. Im Italienischen ist nämlich die Sonne männlich (frate sole) und der Mond weiblich (sora luna), in der deutschen Sprache ist es umgekehrt.

Die poetisch-liedhafte Umformung des Sonnengesangs stammt von Kurt Rose (1908–1999), der als Autor, Lehrer und Übersetzer gearbeitet hat. Äußerer Anlass war 1991/92 eine Ausschreibung der Gesangbuchkommission für das Reformierte Gesangbuch der Schweiz. Rose behält den originalen Spannungsbogen des Sonnengesangs bei und überträgt die preisenden Gedanken des heiligen Franziskus fast wortgetreu. Durch eine Art poetischer Raffung hat er seine recht wörtliche Übertragung von ursprünglich neun Strophen auf fünf Strophen gekürzt.

Einheit in Vielfalt

Aus vielen Quellen speist sich dieses Lied. Entscheidend ist, dass am Ende alles zusammenpasst in dieser Vertonung des berühmtesten Gebets des heiligen Franziskus, zu dem es unzählige „Echos“ in Literatur, Bildender Kunst und Musik gibt. Der berühmte Sonnengesang erinnert an die von Gott gewollte Einheit seiner guten Schöpfung, die vom Auftrag zu ihrer Bewahrung niemals zu trennen ist. Die kraftvolle Melodie bringt einen hymnisch-anglikanischen Akzent ins Gotteslob. Vor allem aber unterstützt sie die Botschaft, deren Quintessenz am Ende jeder Strophe refrainartig erklingt: „Alle Schöpfung lobt den Herrn.“

Meinrad Walter

Prof. Dr. Walter ist Referent im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Hinweis für Pfarrbriefredaktionen: Die Liedportraits dienen dazu, ausgewählte Gesänge des neuen Gotteslob, das im Advent 2013 zu kaufen sein wird, bereits jetzt der Gottesdienstgemeinde vorzustellen. Ein Andruck des neuen Gotteslob steht allen Gemeinden seit Februar 2013 zur Verfügung. Kopien daraus sind für den Gebrauch im Gottesdienst zulässig. Ein Abdruck im Pfarrbrief muss im Allgemeinen von den Rechteinhabern (Melodie/Text) genehmigt werden.

Text

Ihre Abdruckanfrage für den Text des obigen Liedes senden Sie an:

Liturgie- und Gesangbuchkonferenz
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
Christine Esser, Sachbearbeiterin
Tel. ( +41) (0)44 258 92 68
christine.esser(at)zh.ref.ch

Melodie

Frei bei Abdruck des folgenden Copyright-Nachweises:
© Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), Bonn, Rechtswahrnehmung durch Katholische Bibelanstalt, Stuttgart und Zusendung von 2 Belegexemplaren unter Angabe der jeweiligen Druckauflage an Katholische Bibelanstalt GmbH (s.o.)

Anzeigen

wo2oder3.de
Finanzierung sichern und gemeinsam Projekte verwirklichen - mit dem christlichen Crowdfunding der Pax-Bank eG
www.wo2oder3.de

Jugendarbeit aktiv gestalten
Unsere Materialien für die Praxis unterstützen Sie dabei!

www.landjugendshop.de

Klima schützen: CO2 vermeiden – reduzieren – kompensieren
Mit der Klima-Kollekte App klimafreundlich unterwegs und unvermeidbare Emissionen ausgleichen.

www.klima-kollekte.de/app/

Blauer Engel im Pfarrbrief?
Bei uns ohne Antragsverfahren! Sympathische Ausstrahlung bei höchstem Qualitätsniveau und niedrigsten Preisen.
Gemeindebriefdruckerei.de

Download:

Zum Aktivieren der Download-Schaltfläche lesen und bestätigen Sie bitte zuerst unsere Nutzungsbedingungen! 2. Datei herunterladen

Dateiformat: MS Word Document (.doc)
Dateigröße: 32,0 kB

Beispiel für den Urhebernachweis, den Sie führen müssen, wenn Sie den Text nutzen

Text: Prof. Dr. Meinrad Walter
In: Pfarrbriefservice.de