Dr. Karl-Georg Michel / Julian Schmidt (pba)
16.06.2020 - 09:02

„Pontifikalien“ werden die Amtsabzeichen (Insignien) genannt, die dem Bischof und anderen Würdenträgern mit eigener Jurisdiktion wie zum Beispiel Äbten vorbehalten sind. Das „Zeremonienbuch für die Bischöfe“, das die bischöfliche Liturgie ordnet, nennt als Pontifikal-Insignien des Bischofs den (Hirten-)Stab, die Mitra, den Ring und das Brustkreuz.

a) Der Hirtenstab

Der Stab als Zeichen der Jurisdiktion ist seit dem 7. Jh. bekannt und wird bei allen Pontifikalhandlungen gebraucht. Bei der Bischofsweihe wird der Stab als Zeichen des Hirtenamtes übergeben. Der Bischof, der die Weihehandlung leitet, spricht dabei: „Ich übergebe dir diesen Stab als Zeichen des Hirtenamtes. Trage Sorge für die ganze Herde Christi; denn der Heilige Geist hat dich zum Bischof bestellt, die Kirche Gottes zu leiten.“

Den Hirtenstab von Bischof Bertram hat David Wöhrl gestaltet. Er arbeitet an der Meisterwerkstätte Ulrich Dochtermann in Augsburg in sechster Generation als Silberschmied und wird dort in diesem Jahr seine Gesellenprüfung ablegen. Auf den aus Wengen- und Nussbaumholz gefertigten Stab ist eine Krümme aus partiell vergoldetem Silber gesetzt, die wiederum mit drei verschiedenfarbigen Steinen geschmückt ist. Diese stammen aus Füssen, der Wolfzahnau bei Augsburg und Kaufering, drei Orten am Lech. Sie stehen für die drei heiligen Bistumspatrone Ulrich, Afra und Simpert, die wiederum alle in ihren Heiligenviten einen besonderen Bezug zum Lech aufweisen. Der Fluss entspringt in den Alpen und durchquert nahezu das ganze Bistum von Süd nach Nord. Auch Bischof Bertram ist in Kaufering an seinem Ufer aufgewachsen. Über den drei Steinen ist der Wahlspruch des Bischofs angebracht: „VOX VERBI VAS GRATIAE“, zu Deutsch: „Stimme des Wortes, Schale der Gnade“.

b) Die Mitra

Die Mitra ist die Kopfbedeckung, die der Bischof bei der Feier der Liturgie trägt. Vermutlich entstand sie aus einer Kappe, die zum Ornat der Würdenträger im Römischen Reich gehörte. Zuerst nur für den römischen Bischof bezeugt, wird sie seit der Mitte des 11. Jahrhunderts vom Papst auch anderen Bischöfen sowie Äbten und Kardinälen zugestanden. Sie wird bei der Weihehandlung mit den Worten überreicht: „Die Mitra sei ein Zeichen deines Amtes. Der Glanz der Heiligkeit sei dein Schmuck. Und wenn dann der Hirt aller Hirten erscheint, wirst du den nie verwelkenden Kranz der Herrlichkeit empfangen.“

Für die Weihe wurde keine eigene Mitra angefertigt, sondern auf ein Stück aus der Domsakristei zurückgegriffen. Diese Mitra wurde in den sechziger Jahren von der Künstlerin Sr. Animata Probst OSF, einer Dillinger Franziskanerin, gefertigt; sie stammt vom früheren Augsburger Bischof Josef Stimpfle. Die Mitra zeigt ein ganzes Bilderprogramm mit Heiligen des Bistums und der franziskanischen Familie. Gekrönt wird die Mitra von einer Mariendarstellung mit Christus im Herzen, in der Orthodoxie das klassische Motiv der „Muttergottes vom Zeichen“: Maria steht in Orante-Haltung mit ausgebreiteten Armen, während Jesus seine Hände zum Segen ausstreckt. Zugleich kann dies als Anspielung auf die Muttergottes als Mutter der Kirche gedeutet werden: Der Dom und die Diözese stehen unter dem besonderen Schutz Mariens. Die Heiligen auf der Vorderseite sind (von links nach rechts): Ulrich, Petrus, Paulus und Petrus Canisius; auf der Rückseite (von links nach rechts) finden sich Nepomuk, Elisabeth von Thüringen, Isabella von Longchamp (Frankreich) und Magnus.

Passend zu seinem Primizgewand, das vor 35 Jahren in Dillingen angefertigt wurde, und einer Kasel mit Sternen als Geschenk der Franziskanerinnen von Maria Stern zum Silbernen Priesterjubiläum im Jahr 2010 hat Bischof Bertram in der Zisterzienserinnenabtei Thyrnau bei Passau eine eigene Mitra anfertigen lassen, die er in Zukunft tragen wird. Neben den drei Bistumspatronen Ulrich, Afra und Simpert zeigt sie auch die heilige Crescentia von Kaufbeuren, die 2001 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde. Sie wird mit Briefpapier und Tintenfass dargestellt, was auf Crescentias weit verzweigte Briefpastoral, aber auch auf den Primizspruch von Bischof Bertram hinweist: „Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, geschrieben nicht mit Tinte, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes.“ (2 Kor 3,3) Die Mitra wird strukturiert vom Motiv eines (mit Korallen besetzten) Gemmenkreuzes, wie es aus römischen Basiliken bekannt ist.

c) Der Ring

Der Ring des Bischofs war ursprünglich ein Siegelring. Seit dem 9. Jahrhundert wird er bei der Bischofsweihe zusammen mit dem Stab feierlich übergeben als Zeichen der Treue, mit der sich der Bischof an die Kirche bindet. Der Vorsteher der Weihehandlung spricht zu ihm: „Trag diesen Ring als Zeichen deiner Treue. Denn in unverbrüchlicher Treue sollst du die Braut Christi, die heilige Kirche, vor jedem Schaden bewahren.“ Mit Ausnahme des Karfreitags wird der Ring das ganze Jahr über inner- wie außerhalb der Gottesdienste getragen.

Der Ring von Bischof Bertram wurde ebenso wie der Hirtenstab von David Wöhrl gefertigt. Auf dem Ring sind die drei Buchstaben „IHS“ zu sehen. Sie sind eng mit dem Jesuitenorden verbunden und werden traditionell als „Iesum Habemus Socium“ gedeutet, zu Deutsch: „Wir haben Jesus als Gefährten“. Damit verweist der Ring auf die Studienzeit Bischof Bertrams an der von den Jesuiten geführten Päpstlichen Universität Gregoriana und am Päpstlichen Kolleg Germanicum et Hungaricum in Rom sowie auf die lange Tradition jesuitischer Präsenz in Dillingen, wo der Orden von 1563 bis 1773 den Augsburger Priesternachwuchs ausbildete. In Dillingen wirkte auch der große Theologe des 19. Jahrhunderts Johann Michael Sailer, dessen Kirchenverständnis Bischof Bertram in seiner Dissertation erforschte und den er als eine der prägendsten Gestalten seines Lebens bezeichnet. Über „IHS“ ist ein Bergkristall aus den bayerischen Alpen in den Ring eingesetzt, der die Buchstaben noch einmal vergrößert und hervorhebt.

d) Das Pektorale (Brustkreuz)

Das Brustkreuz (Pektorale) wird zwar nicht in der Weiheliturgie überreicht, gehört aber auch zu den Insignien eines Bischofs und wird an einer Schnur oder einer Kette um den Hals getragen. Es ist nicht als äußeres Schmuckzeichen zu verstehen, sondern weist auf die Zugehörigkeit zu Christus hin. Damit ist das Pektorale Ausdruck des Bekenntnisses und Vertrauens des Bischofs in die aus dem Kreuz erwachsende Kraft.

Auch diese Insignie des bischöflichen Amtes wurde von Daniel Wöhrl geschaffen. An einer vergoldeten Kette ist das eigentliche Kreuz befestigt, in das im Inneren wiederum ein Ulrichskreuz eingefasst ist. Dieses Motiv greift eine Darstellung aus dem 14. Jahrhundert auf und ist eng mit der Geschichte des heiligen Bischofs Ulrich verbunden, Patron des Bistums und der Stadt Augsburg. Auf dem Ulrichskreuz findet sich eine bildliche Darstellung der Kreuzigung Christi mit der Gottesmutter und dem Apostel Johannes. Auf der Rückseite ist wie im Original aus dem 14. Jahrhundert der Schriftzug „Crux victorialis sancti udalrici epi aug“, das heißt: „Siegreiches Kreuz des heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg“ wiedergegeben.

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Text: Dr. Karl-Georg Michel / Julian Schmidt (pba)
In: Pfarrbriefservice.de