Für die Begleitung von trauernden Menschen von Jesus lernen

Peter Rosner, Hospizkreis im Landkreis Miesbach
08.10.2018 - 12:00

In der Bibel finden sich viele Erzählungen von trauernden Menschen, in den Psalmen, bei den Propheten, den Evangelisten. Am eindrücklichsten und vielleicht am poetischsten geschildert ist die Begleitung Trauernder in der Emmausgeschichte im Lukasevangelium (Lk 24,13-35).

Jesus, der Trauerbegleiter

Zwei verstörte und tieftraurige Männer kreisen in ihren Gesprächen auf dem Heimweg nach Emmaus um das Unfassbare: den schrecklichen Tod ihres Freundes und Lehrers Jesus. Eine dritte Person gesellt sich zu ihnen – und macht (aus unserer heutigen Rückschau) in der Begleitung trauernder Menschen einfach alles richtig! Was zeichnet diesen besonderen „Trauerbegleiter“ aus?

Er nimmt sich Zeit – er geht ungefragt den schweren Weg mit – er selbst ist still und hört zu – er vermittelt den beiden: „Ich verstehe euch“. Er hat keinen billigen Trost auf Lager: „Ihr müsst jetzt stark sein“! Er ermuntert nicht: „Das wird schon wieder! Kopf hoch!“ Er nimmt die verzagten Jünger mit Leib und Seele in seinen Blick.

Der Mitwanderer lässt sich Zeit, bis die Jünger gegenüber ihrem Begleiter Vertrauen fassen. Denn er weiß: Jedes vorschnell tröstende Wort wirkt auf einen Leidenden wie eine Zumutung. Erst nach langem Zuhören versucht er, den Tod ihres Lehrers in Worte zu fassen und in einen größeren Zusammenhang zu rücken: „Musste nicht der Messias all das erleiden?“ Und er lässt den Jüngern die freie Wahl: Können sie mit seinen Erklärungen über die großen Zusammenhänge etwas anfangen? Und wie! Die beiden Emmausjünger fühlen sich rundum verstanden, voll Vertrauen bitten sie ihren Begleiter: „Bleib doch bei uns!“

Jesus teilt das Brot mit uns

Der zuerst so traurige Weg nimmt mit einem biblisch alten und allen Juden wohlvertrauten Ritual eine trostreiche Wendung. Die drei Emmauswanderer brechen miteinander ein Trauerbrot! Menschen jüdischen Glaubens sichern sich mit diesem Ritual zu: Ich teile mein Leben mit dir – ich bin ein Teil von dir. Dieses Ritual, das Trauerbrot zu teilen, ist auch den Emmausjüngern wohlvertraut. Aus der Situation des Fremdseins und Sich-in-allem-Fremdfühlens wird im Brotteilen ein langsames Wiedererkennen und ein Sich-wieder-Auskennen. In diesem Augenblick werden sie zu Sehern: Unser Begleiter ist Jesus Christus!

Die ermutigten Jünger brechen unverzüglich auf, um ihre tröstliche Botschaft zu ihren Freunden zu tragen. Von dem eiligen Rückweg nach Jerusalem ist uns der wunderbar jubilierende Satz überliefert: „Brannte nicht unser Herz in uns!“ Dieses Jubilieren drückt aus: Uns ist das Größte widerfahren! Wir sind nicht allein. Gott ist mit uns.

Das Emmausmedaillon

In der Miesbacher Stadtpfarrkirche gibt es das „Doppelbild“ von Tabernakel und Emmausmedaillon. Beide bilden eine Einheit. Der Tabernakel ist auf den ersten Blick ein bewusst bescheiden gestaltetes „kleines Haus“. Erst wenn wir ihn öffnen, verstehen wir die ganze Bedeutung: Sein Innenraum leuchtet uns kostbar vergoldet entgegen. Dieses Licht aus der Mitte des Tabernakels ist zeichenhaft für die Bedeutung des gebrochenen Brotes.

Jesus Christus sichert uns zu:
Ich teile mein Leben mit dir
– du bist ein Teil von mir –
ich bin für dich da.
Gott ist mit uns. Immanuel.

Peter Rosner, Hospizkreis im Landkreis Miesbach
Quelle: Pfarrbrief des Pfarrverbandes Miesbach – Parsberg, Ostern 2018, In: Pfarrbriefservice.de

Weitere Materialien: 

© Peter Rosner (Foto) / Fa. Bergmeister (Tabernakel) / Joseph Michael Neustifter, Eggenfelden (Emmaus-Medaillon)

Tabernakel und Emmausmedaillon, Stadtpfarrkirche Miesbach

© Peter Rosner (Foto) / Fa. Bergmeister (Tabernakel) / Joseph Michael Neustifter, Eggenfelden (Emmaus-Medaillon)

von Peter Rosner, Hospizkreis im Landkreis Miesbach
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Trauernde Menschen fühlen sich oft alleine und unverstanden. Wir empfehlen Ihnen

ANSTATT ...                   BITTE ... zu sagen:
  • Du musst jetzt stark sein.
 
  • Du darfst traurig und niedergeschlagen sein und weinen.
  • Du erzählst immer nur / noch die gleiche Geschichte.
 
  • Du darfst dich schwach fühlen. Erzähl mir die Geschichte ruhig noch einmal; ich weiß, dass es dich entlastet.
  • Du musst jetzt wieder zurück ins „normale“ Leben.
 
  • Nimm dir die Zeit, die du brauchst.
  • Das wird schon wieder. Kopf hoch!
 
  • Du leidest im Moment sehr stark.
  • Die Zeit heilt alle Wunden.
 
  • Die Trauer verändert sich mit der Zeit.
  • Du musst nur wollen, dann kannst du dich auch wieder freuen.
 
  • Wenn der größte Schmerz durchlebt ist, wirst du wieder anderes wahrnehmen können.
  • Du musst alleine durchgehen.
 
  • Es kann dir keiner deine Trauer abnehmen, aber ich kann dich gerne begleiten.


Peter Rosner, Hospizkreis im Landkreis Miesbach
Quelle: Pfarrbrief des Pfarrverbandes Miesbach – Parsberg, Ostern 2017, In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Peter Rosner, Hospizkreis im Landkreis Miesbach
In: Pfarrbriefservice.de