Den Frieden erben

Um Frieden zu schaffen, sind Menschen auf Gott angewiesen

In den Abschiedsreden, in der Zeit kurz vor seiner Ermordung, bereitet Jesus seine ersten Freunde auf die Zeit danach vor. Er sagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz ängstige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27) Jesus will seinen Freunden Frieden hinterlassen, Frieden vererben. Das ist auch heute noch ein ungewöhnliches Bild: der vererbte Friede.

Was ist das für ein Friede, den man wie ein Familienerbstück weitergeben kann?
Und was ist das für ein Friede, den die Welt gibt?

Natürlich kann man unter dem Begriff Friede alles Mögliche verstehen. Wenn Caesar in seinem Bericht schrieb, dass er ein Volk befriedet hat, dann meinte er damit, dass er dieses Volk unterworfen hat und alle ermordet wurden, die ihn nicht als neuen Machthaber akzeptierten.

Aber was verstehen wir unter Friede?

Friede der Welt

Ist Frieden nicht gerade dann, wenn das aktuelle Geschehen allen Beteiligten gerecht wird?
Friede zwischen Staaten, wenn kein Staat einen anderen bedroht oder notwendige Hilfe verweigert.
Wirtschaftlicher Friede, wenn keiner einen anderen ausplündert.
Frieden zwischen Menschen, wenn keiner einen anderen ändern will, aber auch nicht achtlos liegen lässt.
Innerer Friede, wenn ich alle meine Aspekte akzeptiere und achte; wenn ich jedem an meiner inneren Tafelrunde einen Teller Suppe hinstelle, auch denen, die unter dem Tisch sitzen.

Friede ist demnach ein Zustand, den die Beteiligten gemeinsam anstreben können, den aber keiner der Beteiligten alleine herstellen kann.

Wenn wir Friede so verstehen, dann können wir sagen:

Jesus hat uns keinen Frieden hinterlassen, nicht in der Politik, nicht in der Wirtschaft, nicht im zwischenmenschlichen Bereich, noch nicht einmal in der Kirche. Oder sollte ich Kirchen sagen?

Friede Gottes

Das einzige, was er uns hinterlassen hat, ist seine Zuversicht, seine Zusage, dass wir von Gott geliebt werden. Wenn wir im Vertrauen auf Jesu Wort als Geliebte Gottes leben, dann wird unserer Angst die Geschäftsgrundlage entzogen. Dann sind wir nicht mehr gezwungen, aus der Angst heraus zu handeln. Dann brauchen wir uns nicht mehr krampfhaft abzusichern. Dann können wir machen, was wir wollen, Frieden zum Beispiel.

„Euer Herz ängstige sich nicht und verzage nicht.“ Sagt Jesus. Und er sagt uns auch, warum wir nicht aus der Angst heraus leben müssen. Dieses Erbe, dieses Geschenk ist die Grundlage für jeden Frieden. Diese Grundlage können wir nicht in der Welt finden, diese Grundlage müssen wir uns schenken lassen.

Das Geschenk

Diese Grundlage hat uns Jesus hinterlassen, hat uns Jesus gegeben. Ich habe jetzt dargelegt, dass Jesus uns nicht den Frieden gegeben hat, sondern die Grundlage dafür, dass wir am Frieden mitwirken können. Diese Grundlage, das Wort Gottes, die Zusage, von Gott bedingungslos und maßlos geliebt zu werden, kann ich auch als Friede Gottes bezeichnen. Dann hört sich das so an: Der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, den hat Jesus uns hinterlassen. Den Frieden Gottes, der unsere tiefsten Bedürfnisse sättigt, den gibt er uns in diesem Moment. Den Frieden Gottes bekommen wir nicht von der Welt, den schenkt uns Jesus. Der Friede Gottes bewirkt, dass unser Herz nicht ängstlich zu sein braucht und dass wir nicht verzagen müssen. Der Friede Gottes eröffnet uns die Möglichkeit, am Frieden in der Welt mitzuwirken.

Bernhard Wagner (Tel. 01577 194 8565, bernhardwagner@gmx.de)
Quelle: www.muellmensch.de, In: Pfarrbriefservice.de

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für Dezember 2015 und Januar 2016

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Text: Bernhard Wagner
In: Pfarrbriefservice.de