„Cryptos“

Eine Rezension von Markus Tomberg (lange Version)

Jana ist Weltendesignerin. Für Mastermind, einen Anbieter von virtuellen Welten, entwirft sie computergenerierte Lebensräume. Solche künstlichen Welten sind in einer Zukunft, in der es in der realen Welt zu warm ist, um dort erträglich leben zu können, der einzig sinnvolle Aufenthaltsort. Erreichbar sind sie nicht per Bahn oder Flugzeug. Zugänglich sind sie über ein Computer-Interface, das Körper und Gedanken mit den Mastermind-Computern verbindet. Fast den ganzen Tag können Menschen in der virtuellen Realität verbringen. In der echten Welt brauchen sie nicht mehr viel: Ein Zimmer mit der Interface-Kapsel, die sie zugleich mit Nahrung versorgt und ein Bad. 

Drei Welten hat Jana entworfen. Eine davon ist „Kerrybrook“ - ihre Lieblingswelt. Genau dort geschieht etwas Unerwartetes: Eine Fehlermeldung verlangt Janas ganze Aufmerksamkeit. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, verbindet Jana sich selbst mit dem Computer und transferiert nach „Kerrybrook“. Dort wird sie Zeugin eines Mordes. 

Damit beginnt ein furioser Roman. Menschen treten ein in Computer-Welten, weil die Realwelt unerträglich ist. Mastermind macht alles möglich. Die Firma hat Welten für jeden Geschmack im Angebot. Den Tod hat sie dabei ausgesperrt, eigentlich: Sterben kann man nur im wirklichen Leben.
Doch Janas Tote ist wirklich tot und die Weltendesignerin macht sich auf die Suche nach der Ursache. Nicht nur in „Kerrybrook“. Jana wechselt von Welt zu Welt, um ein Phantom zu jagen. Eine Person, die im Computersystem von Mastermind ihre reale Identität verschleiert. Eine tote Taube, die ihr in verschiedenen Welten begegnet, sendet ihr merkwürdige Botschaften. Bis Jana nicht mehr weiß, wem sie noch trauen kann. So entgleitet ihr die Herrschaft über eine Welt nach der anderen. Schließlich sogar die Herrschaft über sich selbst. Der Tod wird für sie zur realen Gefahr – auch in den virtuellen Welten.

Mastermind hat nicht nur virtuelle Vergnügungszentren im Angebot. Das größte Projekt der Firma ist die Welt „Minus3“. Ein gigantisches Forschungszentrum soll Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, um Ideen gegen die Klimaerwärmung zu entwickeln. „Minus3“ ist Name und Ziel zugleich: Eine Absenkung der Durchschnittstemperatur um drei Grad würde die reale Welt wieder lebenswert machen.

Auf ihren Reisen durch die künstlichen Welten kommt Jana einer Verschwörung auf die Spur. Es gibt zu viele Menschen in der realen Welt – mit ihnen allen, so die Berechnungen von Mastermind, lässt sich das Klimaziel nicht erreichen. Die Zukunft, für die in „Minus3“ geforscht werden soll, hat nicht genug Platz für alle. Und plötzlich bekommt der Mord in „Kerrybrook“ eine ganz andere Bedeutung.

Ursula Poznanski ist für ihre rasant erzählten Thriller bekannt. Künstliche Welten werden bei ihr zu Laboratorien ethischer Szenarien. Die Spannung kommt dabei nie zu kurz. Cryptos erzählt von einer Welt nach dem Klimawandel, in der künstliche Welten zur Zuflucht werden – und trotzdem nicht genug Raum für alle bieten. Eine einfache Lösung gibt es nicht. Aber genau das macht die Fiktion so realistisch. 

Bibliografische Daten:

Crytops
Ursula Poznanski
Loewe Verlag
Erscheinungsjahr: 2020
448 Seiten
Hardcover
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-7432-0050-0
EUR 19,95 [D]

Markus Tomberg, In: Pfarrbriefservice.de

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Markus Tomberg

Markus Tomberg

Markus Tomberg

Jahrgang 68, ist seit 2012 Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Fulda.

Verknüpft mit:
Neues Buch der Serie „Kinder- und Jugendbücher entdecken“

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Text: Markus Tomberg
In: Pfarrbriefservice.de