Buchempfehlungen zum Thema
Nachfolgende Buchempfehlungen sind eine Auswahl aus der Medienliste des Borromäusvereins unter dem Titel „Deutsche Einheit: Vom Glück des Anfangs zum Zorn der Gegenwart". Sie finden die Liste mit weiteren Buchtipps unter https://www.borromaeusverein.de/auslese/medienlisten/deutsche-einheit
Geipel, Ines: Fabelland : der Osten, der Westen, der Zorn und das Glück. - Frankfurt am Main : S. FISCHER, [2024]. - 309 Seiten ; 21 cm, ISBN 978-3-10-397568-0 fest geb. : 26,00
Kritischer Blick auf die Entwicklung der politischen Verhältnisse im Osten und Westen unseres Landes
35 Jahre nach dem Mauerfall betrachtet Ines Geipel, Schriftstellerin und Professorin für Verskunst in Berlin, was aus unserem Land nach der Wiedervereinigung geworden ist. Beim Fall der Mauer war sie bereits in den Westen geflüchtet und studierte in Darmstadt. Familiäre Gegebenheiten – beide Großväter in der SS, der Vater jahrelang Spion für die Staatssicherheit der DDR und die Mutter, die Bescheid wusste – all das spielt mit hinein in ihre Betrachtungsweise über den Osten und den Westen. Aber sie hinterfragt alles: versetzt sich in die Zeit der Umbrüche, der politischen Entwicklungen, erinnert sich an Verleugnungen, Verharmlosungen und Lügen, erzählt schonungslos, wie sich das Glück der Anfänge in den Zorn der Gegenwart wandeln konnte.
Es ist ein gnadenloser Blick auf unser Land, auf die vergangenen Jahrzehnte mit ihren schwerwiegenden und auch falschen Entscheidungen in Politik und Gesellschaft, die zu den rechtsextremen politischen Entwicklungen geführt haben, mit denen wir zurzeit konfrontiert werden. Es ist eine Mischung aus Familiengeschichte und persönlicher Betrachtungsweise, aber auch die politische Analyse von 35 Jahren deutscher Zeitgeschichte.
Das Buch ist anspruchsvoll und nicht immer leicht zu lesen, bietet aber viele Denkanstöße. Gern empfohlen für am Thema interessierte Leser:innen, die mehr als gängige Klischees lesen möchten.
Annemarie Schreibert
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.fischerverlage.de/buch/ines-geipel-fabelland-9783103975680
Kowalczuk, Ilko-Sascha: Freiheitsschock : eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute. - München : C.H.Beck, [2024]. - 240 Seiten ; 23 cm, ISBN 978-3-406-82213-1 fest geb. : 22,00
Schonungsloses, polemisches, aber gut recherchiertes Buch zu den Hintergründen ostdeutscher Befindlichkeiten
Der Autor konstatiert in seinem Buch fundiert für viele Menschen im Osten den titelgebenden Freiheitsschock: Nach zwei Diktaturen wurden sie nach der Wiedervereinigung in eine Freiheit gestoßen, die sie als Masse weder gewollt hatten noch mit der sie etwas anfangen konnten. Egal, ob sie oder ihre Eltern von der SED-Diktatur profitiert haben oder einfach nur Freiheit mit materiellem Wohlstand verwechselten – in der neuen Bundesrepublik mit ihrer Freiheit, aber auch ihren vielen Schattenseiten haben sich diese Menschen ihren eigenen „Westen“ erfunden und sich selbst als „Rebellen“ dagegen definiert.
Kowalczuk hat in die 240 Seiten seines Buches sehr viel gepackt. Außer seiner Hauptthese erzählt und belegt er noch zahlreiche andere Möglichkeiten, auf knappem Raum entwickelt er eine der besten Schilderungen des „Ostens“. Von den 1980er Jahren bis heute zieht er die verschiedenen Entwicklungslinien während der Endphase der DDR, der friedlichen Revolution, der Wiedervereinigung bis heute. Manches, was er berichtet, kann ich auch aus den Erinnerungen meines Vaters, der kurz vor dem Mauerfall in den Westen geflohen war, bestätigen, insbesondere, dass nationalsozialistisches und rechtskonservatives Gedankengut schon in den 1950er Jahren auch als eine Art „Widerstand“ gegen die Diktatur aufgefasst wurde. Wenn heute in Ostdeutschland rechts gedacht, rechts gehandelt, rechts gewählt wird, dann hat das Wurzeln, die bis 1945 nahtlos zurückreichen.
Man wird vielleicht nicht allem in dem Buch zustimmen können, so sehe ich selbst das Treiben der Treuhand nach 1990 kritischer als der Autor. Auch ist es eine Streitschrift, der Tonfall kann manchmal Menschen ohne „Berliner Schnauze“ etwas zu hart vorkommen. Das ändert nichts daran, dass hier der momentan wichtigste Beitrag zur Ostdeutschlanddebatte vorliegt, von dem drei Wochen nach Erscheinen bereits die 5. Auflage gedruckt wird.
Friedrich Röhrer-Ertl
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.chbeck.de/kowalczuk-freiheitsschock/product/36959133
Schädlich, Susan: Wie war das in der DDR?; mit Bildern von Alexander von Knorre. - Hamburg : Carlsen, [2019]. - 48 Seiten : zahlreiche Illustrationen (farbig) ; 19 cm, ISBN 978-3-551-25169-5 kt. : 6,00
Ein Stück jüngere deutsche Geschichte, für Kinder erklärt
Viele Kinder sehen heute die Zeit der DDR irgendwo weit in der Vergangenheit, wie die Zeit der Ritter oder der Wikinger, dabei gibt es sie seit gerade mal 36 Jahren nicht mehr. Susan und Michael erzählen aus ihrem Leben in der DDR, als sie zehn Jahre alt waren. Susan und ihre Eltern waren regimetreu, wogegen Michaels Familienangehörige als Vaterlandsverräter verschrien waren, denn sie hatten einen Ausreiseantrag gestellt. Aus der unterschiedlichen Sicht der beiden Kinder wird das Leben in den letzten Jahren der DDR beschrieben. Es wird erklärt, wie es zur Teilung Deutschlands kam, worin sich die beiden Staaten unterschieden und wie es schließlich zur Wiedervereinigung kam.
In unterhaltsamer Sprache und mit witzigen Bildern werden all diese Fragen kindgerecht beantwortet – ohne Zorn oder Überheblichkeit, aber auch ohne etwas zu beschönigen. Dadurch wird den Kindern unsere jüngste deutsche Vergangenheit realistisch und verständlich näher gebracht. Dieses Buch ist für eine sachliche Geschichtsvermittlung für Kinder ab 10 Jahren, sowie für ihre Eltern, Lehrer oder Gruppenleiter sehr zu empfehlen.
Emily Greschner
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.carlsen.de/softcover/wie-war-das-der-ddr/978-3-551-25169-5
Aehnlich, Kathrin: Wie Frau Krause die DDR erfand. - München : Verlag Antje Kunstmann, [2019]. - 174 Seiten ; 20 cm, ISBN 978-3-95614-316-8 fest geb. : 18,00
Schauspielerin Isabella Krause sucht nach Menschen, die erzählen, wie es in der DDR wirklich war.
Schauspielerin Isabella Krause hält sich mit Werbefilmen über Wasser. Als sie für einen Dreh für Naturjoghurt nach Berlin kommt, setzt sie einer Eingebung folgend ihren Ost-Dialekt ein – und bekommt ein Angebot: Sie soll für die Serie „Wild-Ost“ Protagonisten aus dem Osten finden, die das ganz normale Alltagsleben von damals schildern. Isabella fährt nach Minkewitz, wo ihre Großeltern gelebt hatten. Die Kreller Melitta von der Bahnhofskneipe ist sofort bereit mitzumachen und will auch noch ein paar Verwandte beisteuern. Doch für die Filmemacher repräsentieren sie nicht die DDR, die sie in ihrem Film abbilden wollen, sie brauchen Menschen mit Problemen.
Isabella findet einen ehemaligen Häftling, der gefährliche Arbeit in einem Wälzlagerwerk leisten musste, und eine Frau, die als Traktoristin arbeitete. Doch die Protagonisten sind zu alt und nicht ansehnlich genug. Da beschließt Isabella, mit Statisten zu arbeiten.
Autorin Kathrin Aehnlich legt mit ihrem humorvollen Blick den Finger in die Wunde der noch immer bestehenden Missverständnisse zwischen Ost und West. Denn nicht nur „der Westen“ will immer wieder sein verzerrtes Bild vom anderen Teil des Landes bestätigt sehen. Auch und gerade heute ein heiterer und nützlicher Beitrag zur Verständigung.
Karin Blank
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.kunstmann.de/buch/kathrin_aehnlich-wie_frau_krause_die_ddr_…
Hardach, Sophie: Unser geteilter Sommer. Aus dem Englischen von Ulrike Sterblich. - Berlin : List, [2022]. - 363 Seiten ; 22 cm, ISBN 978-3-471-36047-7 fest geb. : 22,99
Das Leben einer Familie wird nach der gescheiterten Flucht in die Bundesrepublik von der Staatssicherheit auf den Kopf gestellt.
Ostberlin 1987. Die Eltern von Ella, Tobi und Heiko haben Probleme mit dem politischen System der DDR. Daher beschließen sie, mit ihren Kindern über Ungarn in den Westen zu fliehen. Doch jemand aus ihrem Umfeld hat sie verraten. An der Grenze zu Österreich wird der Vater erschossen, die Mutter mit ihren Kindern in die DDR zurück verbracht. Regine Valentin wird inhaftiert und später von der Bundesregierung freigekauft. Ella und Tobi kommen zu ihren Großeltern, der zweijährige Heiko wird von einer regimetreuen Familie adoptiert. Zwei Jahre später fällt die Mauer. Regine Valentin verlässt mit Tobi und Ella Deutschland und emigriert nach England. Als offene Wunde aber bleibt der Verlust von Heiko. Scheinbar kann oder will niemand Auskunft geben, von wem das kleine Kind angenommen wurde.
2010, Regine ist seit einem Jahr tot, möchte Ella endlich Klarheit über den Aufenthaltsort von Heiko. Sie fährt nach Berlin. Im Amt für die Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen lernt sie Aaron kennen. Aus gehäckselten Schnipseln setzt der die Stasi-Akte ihrer Mutter wieder zusammen. Ella bekommt einen Eindruck von den bedrängenden Verhören und den unmenschlichen Haftbedingungen im berüchtigten Frauengefängnis Hohenschönhausen. Über den Stasi-Offizier, der damals die Verhöre führte, erfährt Ella, dass ihre Mutter schon Jahre vorher den Aufenthaltsort von Heiko erfuhr. Sie wollte aber nicht mehr in sein neues Leben eindringen. Ella hingegen möchte, trotz aller Bedenken, ihren Bruder treffen. Ob es ein Wiedersehen mit glücklichem Ausgang gibt, lässt das Buch offen.
Ein sehr eindrucksvoller Roman über die Lebensbedingungen in der ehemaligen DDR vor der Wiedervereinigung. Daneben auch erschütternd authentische Beschreibungen von einem alles durchdringenden Spitzelsystem und dem menschenverachtenden Vorgehen der Staatssicherheit. Nicht nur als Roman, sondern auch als Zeitdokument breit zu empfehlen.
Josef Schnurrer
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.ullstein.de/werke/unser-geteilter-sommer/hardcover/97834713…
Wellmer, Jessy: Die neue Entfremdung : warum Ost- und Westdeutschland auseinanderdriften und was wir dagegen tun können. - 1. Auflage - Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2024. - 255 Seiten ; 21 cm, ISBN 978-3-462-00531-8 fest geb. : 24,00
Reportagen und (auch autobiografisch geprägte) Reflexionen über das Verhältnis von Ost- und Westdeutschen zueinander
Die bekannte Fernseh-Journalistin Jessy Wellmer empfindet die Vermittlerrolle zwischen ost- und westdeutschen Identitäten als Lebensaufgabe. Geboren in der DDR und bis zum Ende der Grundschule dort sozialisiert, lebt sie seit Mitte der 1990er Jahre ein, nach eigener Aussage, westdeutsch geprägtes Leben. Mit ihrem Buch will sie zwischen beiden Seiten vermitteln („einen Beitrag zur Wiedervereinigung leisten“).
Das Buch gliedert sich in zwölf Kapitel zu Schwerpunktthemen, in denen neben viel Autobiografischem auch Auszüge ihrer Filmreportagen zum Leitthema einfließen. Der Stil ist im Plauderton gehalten, leicht zu folgen und nachttischtauglich. Sympathisch, zuweilen wehmütig, lesen sich die vielen Anekdoten aus dem Land ihrer Kindheit, mal amüsant, mal bitter die Geschichten vom Zusammenprall ost- und westdeutscher Mentalitäten. Was für die Wendezeit ebenso gilt wie für das Jahr 2023. Die Empathie der Autorin zu ihren Protagonisten ist stets spürbar; Kritik kommt eher als Tadel daher, als Unaufmerksamkeit oder Rüge für ein Klischee.
Ein freundliches Buch, ein wenig (n)ostalgisch, viel erläuternd und stets mit der Bereitschaft, die jeweilige Seite verstehen zu wollen.
Werner Wagner
Quelle: www.medienprofile.de, In: Pfarrbriefservice.de
Das Buchcover zum Herunterladen finden Sie unter https://www.kiwi-verlag.de/buch/jessy-wellmer-die-neue-entfremdung-9783…
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Text: www.medienprofile.deIn: Pfarrbriefservice.de
