Berufung wächst langsam, still und leise

Manche können mit dem Begriff „Berufung“ nichts anfangen, zumal dieses Wort oft reduziert wird auf die Berufung von Priestern und Ordensleuten. Andere Berufungen werden dabei unzulässiger Weise meist nicht mitgedacht.

Berufung - egal wohin und wozu - hat etwas damit zu tun, dass nur ich, ganz persönlich, diese ganz besondere Aufgabe gestellt bekomme. John Henry Kardinal Newman hat es einmal so formuliert:

„Ein Beruf ist mehr als ein Job.
Ich bin berufen, etwas zu tun,
oder zu sein, wofür kein anderer berufen ist.“

Wer im gesellschaftlichen Leben zu etwas berufen wird, beruft sich nicht selbst, sondern wird von einem oder mehreren Anderen berufen. Der Akademiker erhält eventuell einen Ruf an eine Universität und überlegt, ob er diese Berufung annehmen soll; ein Vorstandsmitglied in einem Unternehmen, ein Richter werden berufen und müssen sich fragen, ob sie sich dieser Aufgabe und Verantwortung stellen. Ein anderer fühlt sich berufen für diese oder jene Tätigkeit und macht die Erfahrung, dass dies seine/ihre Passion, seine/ihre Berufung ist.

Das christliche Verständnis von Berufung hat mit unserem Gottesbild und unserer Gottesbeziehung zu tun: Ich weiß, dass nicht ich die Ursache aller Dinge bin, sondern alles von Gott her gedacht ist. Unser Glaube sagt: Gott ruft jeden Menschen ins Leben - nicht der Mensch macht dies aus sich heraus. In der Taufe ruft Gott mich zu einem Leben aus dem Glauben an den dreifaltigen Gott, und im intensivsten Fall ruft Gott mich in eine ganz konkrete, radikalere Nachfolge zum Jünger sein. Berufung erwartet dann aber auch eine Antwort auf diesen Ruf.

Berufung hat nichts mit einem „Knalleffekt“ oder Damaskuserlebnis oder mystischer Verzückung zu tun, sondern ist oft ein harter Weg der Entscheidungsfindung. Berufung wächst langsam, still und leise. Und noch wichtiger ist, dass Berufung auf den Weg Jesu Christi nicht mit einem besonderen, vielleicht auch offiziellen Akt beendet wird, sondern eine tägliche Herausforderung des Berufenen bleibt.

Viele Berufungsgeschichten, auch die biblischen, belegen, wie wichtig Berufungshelfer, Bewährungshelfer, Entscheidungshelfer und geistliche Begleiter sind. Ferner braucht man: viel Geduld. Die Spur Gottes als einen roten Faden zu entdecken, ist eine Aufgabe, die einem Geduldspiel ähnelt. Zeit, Ruhe, Überlegung. Wir bleiben Menschen, die dem roten Faden Gottes im eigenen Leben auf der Spur sind.

Pfr. Ludwig Kröger, PWB Aachen

Verknüpft mit:
Das Schwerpunktthema für April 2008

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Text: Pfr. Ludwig Kröger, PWB Aachen
In: Pfarrbriefservice.de