Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann zum neuen Gotteslob, Teil 4

Elfriede Klauer
22.02.2013 - 00:00

Interview mit Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, dem Vorsitzenden der Unterkommission Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der Deutschen Bischofskonferenz, zur Frage, warum man das neue Gotteslob kaufen sollte

Wie überzeugen Sie jemanden, der sich erst vor ein paar Jahren ein Got-teslob gekauft hat, sich jetzt die neue Ausgabe zu besorgen?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Das neue Gotteslob ist ein völlig neu erarbeitetes Gebet- und Gesangbuch, das den aktuellen Bedürfnissen des einzelnen betenden Menschen genauso Rechnung trägt wie den Erwartungen in unseren Pfarrgemeinden. Seit der Einführung des alten Gebet- und Gesangbuchs im Jahre 1975 haben sich die Ansprüche der Menschen an Texte und Liedgut verändert. Das Nachfolgewerk geht genau auf diese Veränderungen ein und dient daher nicht nur einer lebendigeren Mitfeier der Liturgie, sondern berücksichtigt in seinen Texten und Gesängen die Lebenserfahrung der Menschen zu Beginn des 3. Jahrtausends, ihre Religiosität, ihre Spiritualität und Glaubenssuche. Dies sollte für jeden Anlass und Anreiz sein, sich das neue Gotteslob zu kaufen und es in den nächsten 30 Jahren zu nutzen.

Manche Gläubige werden sich denken: Ich brauch’ kein eigenes Gesangbuch. Ich leih mir eines in der Kirche aus, wenn ich dort zum Gottesdienst bin. Was entgeht einem, wenn man das neue Gotteslob nicht hat?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Das bisherige Gebet- und Gesangbuch wurde leider überwiegend nur in den Kirchen und Gottesdiensträumen genutzt. Doch endet unser Glaubensleben nicht an der Kirchentüre beim Verlassen der Kirche, sondern prägt gerade unseren Alltag - Tag für Tag aufs Neue. Daher möchte das neue Gotteslob neben der liturgischen Bedeutung und Verwendung vor allem auch ein Hausbuch sein. So bietet es unterschiedliche Inhalte an, die den Menschen zu Hause in ihrem familiären Umfeld helfen, ihren Glauben täglich neu zu (er-)leben und zu gestalten.

Hierzu dient nicht nur eigens der Gebetsteil des neuen Gotteslob, sondern auch die vervollständigten Tagzeitenliturgie-Feiern, das Morgenlob oder Abendlob, aber auch einzelne Andachtsabschnitte. Völlig neu ist zudem das Angebot an „Häuslichen Feiern“, also an gestalteten Gottesdiensten, die als Dank- oder Segensfeier oder zum gemeinsamen Feiern des Weihnachtsfestes gerade für Familien und häusliche Gemeinschaften vorbereitet wurden.

Können Gläubige, die mit einem alten Gotteslob ab 2014 den Gottesdienst besuchen, irgendwann nicht mehr mitsingen?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Wenn die Bischöfe nach nunmehr fast 40 Jahren in ihren Diözesen ein neues Gebet- und Gesangbuch einführen, wird ab dem betreffenden Zeitpunkt nur noch das neue Gotteslob genutzt werden können. Dies möchte ich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Die Randnummern für Inhalte sind natürlich im neuen Gotteslob neu vergeben worden und unterscheiden sich von den bisherigen. Ein Nutzer des alten Gebet- und Gesangbuchs wird also unter einer angezeigten Nummer einen anderen als den gewünschten Inhalt finden. Zudem sind im alten Gebet- und Gesangbuch viele Lieder des neuen Gotteslob gar nicht enthalten. Ein gemeinsames Beten und Singen erfordert daher nach nunmehr fast 40 Jahren die Anschaffung eines neuen Gebet- und Gesangbuchs.

Das neue Gotteslob möchte nicht nur als neues Gesangbuch verstanden werden. Es möchte anregen, auch im Alltag den Glauben zu leben. Warum?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Weil der christliche Glaube sich gerade nicht auf den Kirchenraum beschränkt, sondern das gesamte Leben eines Menschen durchwirkt. Es gibt kein Christsein, das sich auf die Anwesenheit in einer Kirche begrenzt. Wenn ich aber im sogenannten Alltag als Christ leben und als Christ erkennbar sein möchte, benötige ich immer wieder Hilfen und Unterstützungen, mein Glaubensleben zu gestalten und bereichern zu lassen. Eine derartige Bereicherung geht von der Heiligen Schrift aus, aber eben auch vom neuen Gebet- und Gesangbuch mit seinen Texten, Gesängen und Gebeten. Zudem eröffnet mir das neue Gotteslob auch Antworten auf konkrete Fragen, die sich mir in meinem Glaubensleben immer wieder stellen: Wie bete ich zu Gott? Wie bete ich mit meinen Kindern? Wie gestalte ich mit meiner Familie den Heiligen Abend? - Aber auch praktische Fragen finden im Buch eine Antwort: Was ist ein Sakrament? Was ist Weihwasser, was ein Tabernakel? So möchte das neue Gotteslob wirklich zum „Vademecum“ werden, also zu einem alltäglichen Wegbegleiter.

Im alten Gotteslob gab es auch schon Gebete und erklärende Texte. Wie viel an neuen Texten und Gebeten erwartet die Gläubigen?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Neben den erstmalig angebotenen „Häuslichen Feiern“, der „Bibelschule“ und vollständigen Tagzeitenliturgien bietet das neue Gotteslob umfangreiche katechetische Texte und Gebete an. Während alte und neue Gebete in bewährter Weise die Breite unseres christlichen Gebetsschatzes in Tradition und Gegenwart abbilden, wurden insbesondere die katechetischen Texte völlig neu erarbeitet. Dies entspricht vor allem dem Wunsch, die Inhalte des bisherigen Gebet- und Gesangbuchs in eine zeitgemäße und verständliche Sprache zu übertragen.

Dies bot zugleich Gelegenheit, auch völlig neue Aspekte anzusprechen, die in den vergangenen Jahrzehnten erst an Bedeutung gewonnen haben und im alten Gotteslob noch nicht behandelt wurden. So haben beispielsweise die „Bewahrung der Schöpfung“, aber auch der Umgang mit Tod und Trauer einen anderen Stellenwert eingenommen, als dies vor 50 Jahren bei der Erarbeitung des alten Gebet- und Gesangbuchs der Fall war. Wer sich auf die Suche nach diesen neuen Inhalten des Nachfolgewerkes macht, wird das Buch als wertvolle Bereicherung erfahren.

Neu ist das Angebot einer sogenannten Bibelschule. Was verbirgt sich dahinter?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Gott ist es, der sich in der Heiligen Schrift den Menschen offenbart, der zu den Menschen spricht. Die Bibel gibt in einzigartiger Weise Zeugnis vom Sprechen Gottes und von der Antwort des Menschen. Daher möchte das neue Gotteslob als ersten Inhalt Wege aufzeigen, wie wir uns persönlich der Heiligen Schrift nähern und uns das biblische Zeugnis erschließen können. So enthält die „Bibelschule“ entsprechende Anregungen und Hinweise zum persönlichen Lesen der Heiligen Schrift oder zum Bibellesen in der Gemeinschaft.

Das neue Gotteslob möchte Familien Ideen an die Hand geben, wie sie miteinander Glauben feiern können. Was heißt das konkret?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Im Rahmen der Akzeptanzerhebung zu Beginn der Gotteslob-Arbeit haben Familien mehrfach den Wunsch geäußert, zu bestimmten Anlässen gemeinsam zu Hause beten und singen zu wollen. Hierzu wurden entsprechende Vorlagen erbeten, da sich nicht jeder in der Lage sieht, selbstständig einen kleinen Gottesdienst zu erarbeiten.

In Umsetzung dieses Anliegens werden im neuen Gotteslob gerade für Familien und häusliche Gemeinschaften für unterschiedliche Anlässe gottesdienstliche Feiern angeboten. Ein derartiger Anlass kann eine gemeinsame Feier im Advent sein, die Segnung des Adventskranzes oder auch das gemeinsame Beten und Singen am Heiligen Abend. Auch Dank- und Segensfeiern lassen sich anhand der Vorlagen individuell gestalten. Ebenso wurde an ein gemeinsames Beten am Sterbebett eines Familienangehörigen gedacht.

Wie umfänglich sind diese geistlichen Impulse für den Alltag neben den zwei weiteren Hauptbereichen, den Liedern und den Beschreibungen der gottesdienstlichen Feiern?

Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Die Gliederung des neuen Gotteslob in drei Hauptbereiche „Geistliche Impulse für das tägliche Leben“, „Gesänge“ und „Gottesdienstliche Feiern“ dient lediglich einem möglichst leichten Auffinden von Inhalten. Daher dürfen die drei Gliederungsbereiche keineswegs als in sich „inhaltlich abgeschlossen“ verstanden werden; vielmehr bereichern und vervollständigen sie sich gegenseitig. So werden beispielsweise die „Geistlichen Impulse für das tägliche Leben“ durch viele Inhalte aus dem Bereich der „Gottesdienstlichen Feiern“ ergänzt: dies gilt für die Tagzeitenliturgien mit ihren vielfältigen Modellen und Angeboten genauso wie für die einzelnen Abschnitte der Andachten oder für das Liedgut des neuen Gotteslob.

Daher wird eine „Zerstückelung“ des Buches nach einzelnen Bedürfnissen und Anlässen dem Inhalt des neuen Gotteslob nicht gerecht.

Fragen: Elfriede Klauer, www.pfarrbriefservice.de.

Stand: November 2012

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Text: Elfriede Klauer
In: Pfarrbriefservice.de