Beratung und Begleitung für Auswanderer

Katholisches Raphaelswerk feiert 150jähriges Bestehen

Rund 140.000 Deutsche verlassen jedes Jahr ihre Heimat, um sich in einem anderen Land niederzulassen. Sei es wegen der Arbeit oder der Liebe – der Schritt, sich langfristig oder gar für immer für einen Aufenthalt im Ausland zu entscheiden, bedarf in der Regel langer Vorbereitung und Planung. Etwa 3,4 Millionen Deutsche leben mittlerweile im Ausland. Auf diesem „Pilgerweg“ ist das Raphaelswerk ein verlässlicher Begleiter, und das nun seit 150 Jahren.

Seit 1871 berät das katholische Werk Auswanderer aus Deutschland. Am 5. Oktober feiert der Verein sein Jubiläum, denn damals gründete der Limburger Kaufmann Peter Paul Cahensly im Anschluss an den Katholikentag in Mainz einen „Verein zum Schutze katholischer Auswanderer“. Ziel war es, die schon damals zahlreichen Auswanderer bei ihrer Existenzgründung zu unterstützen. Cahensly hatte gefordert, dass sich katholische Christen gegenseitig helfen sollten, wenn sie das Abenteuer der Auswanderung auf sich nehmen. Mit der Arbeit des Vereins sollten die Auswanderer zuverlässig begleitet werden, da sie oft dubiosen „Helfern“ ausgeliefert waren. Diese zogen den sprachunkundigen und häufig kaum reiseerfahrenen Menschen skrupellos das Geld aus der Tasche. Und die Ausgewanderten sollten auch in ihrer neuen Heimat kirchlich eingebunden sein. Da Raphael als Schutzpatron der Reisenden gilt, nannte sich der Verein nach dem Erzengel.

Hilfe für Schutzsuchende

Doch der Verein begleitete nicht nur Ausreisewillige. Im Lauf der Jahre baute der Verein St. Raphael auch eine Beratung für Seeleute und Matrosen auf. Insbesondere Mädchen begleitete der Verein, da diese häufig in die Hände von Menschenhändlern gerieten, wenn sie ohne Schutz und Begleitung auswandern wollten. Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchte der Verein, Verfolgten zu einer Flucht aus Deutschland zu verhelfen. Zahlreichen Menschen, vor allem zum Katholizismus konvertierten Jüdinnen und Juden, konnte der Verein eine Ausreise nach Südamerika ermöglichen. Die deutschen Bischöfe unterstützten den Verein finanziell, über den Vatikan konnten in Zusammenarbeit mit einigen südamerikanischen Botschaften Visa für die Flüchtenden ausgestellt werden.

Beratung für alle

Der seit 1977 „Raphaelswerk“ genannte Verein hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und des Deutschen Caritasverbandes seine Hilfsangebote kontinuierlich ausgebaut. Jede Beratung erfolgt unabhängig von Nationalität, rechtlichem Status oder Religionszugehörigkeit. Seinen Hauptsitz hat das Werk in Hamburg, es unterhält aber auch in vielen Ländern Beratungs- und Anlaufstellen. Ob es um Fragen zu einem Auslandspraktikum oder die Organisation der Rückkehr nach Deutschland geht, die Mitarbeitenden des Raphaelswerks wissen Rat und können in der Regel schnell und unkompliziert bei den zahlreichen Formalitäten sowie ganz praktischen Problemen Hilfe leisten.
Weitere Informationen unter www.raphaelswerk.de.

Marc Witzenbacher
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 10/2021, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

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Text: Marc Witzenbacher, www.magnificat.de
In: Pfarrbriefservice.de