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Aus mit Händchen halten?

Wenn aus Paaren Eltern werden

Zwei Menschen finden zueinander, verlieben sich – und genießen ihr Leben zu zweit. Was könnte dieses Glück noch größer machen? Für viele liegt die Antwort auf der Hand: ein gemeinsames Kind. Gleichzeitig ahnen Paare, dass damit eine neue, herausfordernde Lebensphase beginnt. Weniger Schlaf, weniger Zeit für sich, mehr Verantwortung – und plötzlich dreht sich fast alles nur noch ums Baby.

Für manche bedeutet das: weniger Nähe, weniger Sexualität, weniger Leichtigkeit. Manchmal geraten Liebe und Partnerschaft schon im ersten Jahr nach der Geburt ins Wanken. Rollenbilder verstärken diesen Druck: Frauen fühlen sich schnell auf die Mutterrolle reduziert, Männer sehen sich in der klassischen Ernährerposition. Wo bleibt da noch Raum für Zweisamkeit und Romantik?

Und doch erzählen viele Paare, dass gerade diese Phase – trotz aller Anstrengung – zur glücklichsten ihrer Beziehung gehört. Die Frage ist also weniger, ob die Liebe das übersteht, sondern wie Paare gemeinsam durch diese Zeit gehen.

Was könnte hier hilfreich sein?

  • Entscheidend ist, dass beide ihr Rollenverständnis bewusst gestalten und aufeinander abstimmen. Sie sollten selbst bestimmen dürfen, wie sie Familie und Partnerschaft leben wollen – ohne sich von überkommenen gesellschaftlichen Erwartungen einengen zu lassen.
  • Ausreichend Betreuungsplätze, genügend Geld für eine Haushaltshilfe, aber auch unterstützende Großeltern sind Beispiele, die helfen können. Dabei sollten die Bedürfnisse nach Ruhe und Rückzug, aber auch nach Gemeinsamkeit aufgrund oft unterschiedlicher Alltagsanforderung mit Achtsamkeit berücksichtigt werden. Das ehrliche Gespräch miteinander und der Ausdruck wechselseitiger Liebe, Sexualität und Zärtlichkeit sind dabei zentral.
  • Die Souveränität der eigenen Partnerschaft muss geschützt werden. Dies setzt eine ausreichende Abgrenzung beider Partner gegenüber den eigenen Eltern und Schwiegereltern voraus. In dieser oft anstrengenden Zeit brauchen beide auch genügend Freizeit. Hier kann es nicht immer „gerecht“ zugehen, aber Kompromisse sind dabei der Prüfstein für die gegenseitige Liebe.
  • Männer sollten sich in ihrem Gefühl, „oft überflüssig zu sein“, nicht stur verhalten, sondern sich aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligen und die Partnerin unterstützen.
  • Auftretende Probleme sollten nicht angegangen werden nach dem Motto: „Du bist das Problem!“, sondern: „Wir haben ein gemeinsames Problem, und wir werden es auch gemeinsam lösen!“
  • Schon ein kurzes, ehrliches Gespräch im Alltag kann Wunder wirken. Wie hat jeder die Zweisamkeit in der vergangenen Zeit erlebt? Was war schön, was hat gefehlt, wo gab es vielleicht Missverständnisse? Am Ende kann jeder einen kleinen Wunsch äußern, den der andere in den nächsten Tagen erfüllen kann. Solche kleinen Rituale stärken die Beziehung und halten Nähe lebendig.

Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe, In: Pfarrbriefservice.de

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Stanislaus Klemm, Diplompsychologe und Theologe

Stanislaus Klemm, Jahrgang 1943, ist Diplompsychologe und Theologe. Er arbeitete in der Suchttherapie, in der ökumenischen Telefonseelsorge Saar sowie in der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen. Er ist Autor verschiedener Bücher. 

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Text: Stanislaus Klemm, Dipl. Psychologe und Theologe
In: Pfarrbriefservice.de