Aufwachsen im Norden Mexikos
Brief von Gabriela (7 Jahre)
Liebe Kinder,
ich heiße Gabriela und das ist meine Cousine Fanny. Wir wohnen in Mexiko an der Grenze zu den USA. Wir wohnen bei meiner Tante, weil meine Mama gestorben ist. Ich vermisse sie sehr. Sie hatte Krebs und das Krankenhaus war sehr teuer. Wir mussten aus unserem Haus raus und wenn mein Vater Schicht hatte, war ich mit meinen Geschwistern alleine.
Aber jetzt ist meine Tante da. Und wenn sie nachts in die Fabrik muss, ist mein Vater zuhause. Wir sind eine richtig große Familie. Das ist schön. Ich habe nachmittags Schule. Vormittags mache ich Hausaufgaben. Meine große Schwester hilft mir dabei. In der Schule werde ich oft ermahnt. Wir kichern halt ziemlich viel.
Alle Erwachsenen arbeiten in der maquila. Das ist eine große Fabrik, in der Kleidung genäht wird. Wenn ich einmal groß bin, würde ich gerne Polizistin oder Tierärztin werden. Nur in der Fabrik will ich nicht arbeiten. Da muss man die ganze Zeit stehen, um nicht einzuschlafen. Und man schneidet sich mit den scharfen Messern in die Finger. Dann gibt es auch Flüssigkeiten, von denen muss mein Vater ganz stark husten. Wenn er nach Hause kommt, ist er todmüde.
Wir bekommen Hilfe von Schwester Elisa. Sie besucht uns regelmäßig. Wir überlegen dann mit der ganzen Familie, wie mein Vater eine bessere Arbeit finden kann. Außerdem erzählt sie uns Geschichten aus der Bibel. Seit sie zu uns kommt, ist meine Tante nicht mehr so traurig. Schwester Elisa sagt, dass sie Hilfe aus Deutschland von Adveniat bekommt, damit sie uns helfen kann. Das finde ich gut.
Gerne gehe ich zu Geburtstagsfeiern. Alle tanzen und essen Kuchen. Einmal war ich am Meer, in Veracrúz, wo meine Eltern herkommen. Da ist alles voller Bäume. Hier gibt es nur den Fluss Río Bravo und sonst ist alles Wüste.
Eure Gabriela
Quelle: Adveniat, In: Pfarrbriefservice.de
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