Aktion
Eine Einschätzung von Diplom Psychologe und Theologe Stanislaus Klemm
Während wir in jeder Art von „Kontemplation“ die Chancen der Ruhe, der Langsamkeit, den Segen der Stille und des Innehaltens nutzen und genießen können, legen wir in der „Aktion“, jenem notwendigen Gegengewicht, unseren Schwerpunkt auf Schnelligkeit, Beherztheit, Rechtzeitigkeit, auf prompte und zügige Erledigung all dessen, was getan werden muss. Wenn wir etwas tun müssen, dann gleich und immer rechtzeitig, ohne Zögern, ohne Aufschub und ohne langatmige Hinhaltetaktik. Warum hat uns die Natur nur mit einem Mund, aber mit zwei Händen ausgestattet? Vielleicht ein erster versteckter Hinweis darauf, dass schnelles, „behändes“, engagiertes Handeln in vielen Lebenssituationen Vorrang vor einem bedächtigen Sprechen haben sollte. Erich Kästner gibt darauf eine klare Antwort, wenn er meint: „Es gibt nichts Gutes, es sei denn man tut es!“ Ohne unsere flinken Hände machen langatmige, umständliche Worte nicht satt. Wir können keinen vor dem Verdursten und keinen Nackten vor dem Erfrieren retten, keinen Fremden umarmen und keinen Gefangenen befreien. Menschen, die alles nur immer aufs Neue zerreden wollen, verhindern das rechtzeitige Handeln. Sie zerkrümeln umständlich das Brot, anstatt es den Hungernden gleich in die Hand zu legen. Handeln, rechtzeitiges Handeln ist gefragt, heute mehr denn je. Es gibt genug Menschen, die sehnsüchtig auf unser Handeln warten. Die ersten Christen konnten durch ihre tatkräftige Liebe die Aufmerksamkeit der römischen Bürger erlangen. Diese wunderten sich nämlich über die Christen und sollen über sie gesagt haben: “Seht, wie sie einander lieben!“ Nur das tatkräftige, liebevolle und vor allen Dingen rechtzeitige Handeln kann gewährleisten, dass unsere Worte ihre Gültigkeit, Wahrheit und Aktualität behalten, zur Geltung kommen und nicht einfach „in die Ablage geraten“. Nach einem chinesischen Sprichwort wird „der Reis nicht gekocht, wenn man nur redet.“ Der Heilige Franz von Sales würde jetzt mit Entschiedenheit hinzufügen: „Ein Gramm Beispiel (Aktion) wiegt mehr als ein Zentner guter Worte.“ Dieses notwendige Tun sollte stets zur rechten Zeit geschehen, ohne Umschweife, direkt. Aktiv sein! Eine notwendige und heilsame Balance zur Kontemplation.
Dipl. Psych./Theol. Stanislaus Klemm, In: Pfarrbriefservice.de
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