100 Jahre Verkündigung im Radio

Kirchliche Hörfunkarbeit erreicht täglich mehrere Millionen Menschen

Vor 100 Jahren sprach zum ersten Mal Pfarrer Georg Siebert im Rahmen einer Morgenfeier – knapp einen Monat, nachdem am 29. Oktober 1923 die Geschichte des Rundfunks in Deutschland überhaupt erst begonnen hatte. Der Direktor der „Berliner Radio-Stunde“, der ein Mitglied in der Berliner Gemeinde von Pfarrer Georg Siebert war, brachte die Idee auf, auch über das Radio eine Verkündigungssendung auszustrahlen, und fragte seinen Pfarrer, ob er Interesse daran hätte. Manuskripte oder gar Tonaufnahmen davon sind leider nicht erhalten, aber die erste Morgenfeier von Georg Siebert war die Geburtsstunde der kirchlichen Hörfunkarbeit.

Möglichkeiten der Verkündigung im Rundfunk

Der Rundfunk hatte schon früh die Aufmerksamkeit der kirchlichen Publizistik geweckt. Der bereits 1910 gegründete Evangelische Pressedienst wollte den Rundfunk nutzen und früh eine einheitliche Arbeit der Kirchen im Rundfunk vorantreiben. Der Rundfunk allgemein galt zunächst als Instrument der Volksbildung. So waren die kirchlichen Beiträge auch zunächst auf die Sonn- und Feiertage beschränkt und hatten als reine „Morgenfeiern“ politisch strikt neutral, staatsloyal und amtskirchenfreundlich zu sein. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Morgenfeiern zwar weiter ausgestrahlt, wurden aber von den nationalsozialistisch gesinnten „Deutschen Christen“ übernommen. 1939 wurden alle kirchlichen Radiobeiträge eingestellt.

Regelmäßige Programme

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzten die Alliierten das Radio als Instrument der „reeducation“, der demokratischen Erziehung, ein. Bereits im August 1945 wurden die ersten kirchlichen Sendungen ausgestrahlt. Seit diesem Jahr bestehen in einigen öffentlich-rechtlichen Sendern regelmäßige Programme der Kirchen im Hörfunk. Die Sendungen werden von der katholischen und der evangelischen Kirche verantwortet, an einigen Tagen auch von der israelitischen Kultusgemeinde sowie den Freikirchen, die sich in der Vereinigung evangelischer Freikirchen zusammengeschlossen und eigene Rundfunkbeauftragte benannt haben. In den 1960er-Jahren richteten die öffentlich-rechtlichen Sender zudem eigene Fachredaktionen ein, die über die Themen Religion und Kirche journalistisch und unabhängig berichten.

Private Sender steigern die Reichweite

Konkurrenz bekamen die öffentlich-rechtlichen Programme Ende der 1980er-Jahre mit dem privaten Rundfunk. Die öffentlich-rechtlichen Sender und damit auch die Verkündigungssendungen der Kirchen waren nun gezwungen, ihre Formate noch zielgruppenorientierter und persönlicher zu machen. Die Kirchen konnten sich aber auch im Privatrundfunk mit eigenen Sendungen sowie eigenen Sendern etablieren. Die Rundfunkstaatsverträge garantieren die Beiträge der Kirchen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ohne dass der Umfang genauer definiert wird. Die Kirchen arbeiten sehr eng mit den Sendern zusammen und orientieren ihre Beiträge an dem Charakter der jeweiligen Sender sowie deren Zuhörerinnen und Zuhörern. Neben speziell berufenen Rundfunkbeauftragten sind zahlreiche Autorinnen und Autoren an den Beiträgen beteiligt. Über die kirchlichen Beiträge allein im Hörfunk erreichen die Kirchen jeden Tag mehrere Millionen Hörerinnen und Hörer.

Marc Witzenbacher
aus: Magnificat. Das Stundenbuch 11/2023, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de In: Pfarrbriefservice.de

Vor dem Herunterladen:

Datei-Info:
Dateiformat: .rtf
Dateigröße: 0,01 MB

Sie dürfen den Text NICHT in sozialen Medien nutzen (z.B. Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, etc.)

Beispiel für den Urhebernachweis, den Sie führen müssen, wenn Sie den Text nutzen

Text: Marc Witzenbacher, aus: Magnificat. Das Stundenbuch 11/2023, Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer; www.magnificat.de
In: Pfarrbriefservice.de