Neue Textreihe beleuchtet Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam

Elfriede Klauer
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Islam und Christentum

© wilhei / cc0 – gemeinfrei / Quelle: pixabay.com

Religiöse Fragen, die einen hochpolitischen Bezug haben? Im christlich-islamischen Dialog geht es nach Ansicht der Jesuiten Dr. Eckhard Bieger und Vladimir Pachkov genau darum. „Wir müssen dringend miteinander diskutieren“, sagte Dr. Bieger im Gespräch mit Pfarrbriefservice.de. Um die offenen und wichtigen Punkte aufzuzeigen und um das Gespräch in den Kirchengemeinden zu fördern, erläutern Dr. Bieger und Pachkov in einer neuen Textreihe auf Pfarrbriefservice.de wesentliche Glaubensaussagen im Islam und im Christentum.

Die mehrteilige Serie, die monatlich ergänzt wird und die dem Dialog zwischen Christen und Muslimen dienen soll, steht für einen kostenfreien Abdruck im Pfarrbrief zur Verfügung. Weiter unten lesen Sie ein Interview zur neuen Textreihe mit Dr. Eckhard Bieger, das ebenfalls im Pfarrbrief veröffentlicht werden kann.

Dr. Eckhard Bieger SJ

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Dr. Eckhard Bieger SJ

Die Autoren

Dr. Eckhard Bieger SJ (geb. 1939) engagierte sich vor allem für die kirchliche Film- und Fernseharbeit. Unter anderem war er von 1982 bis 2003 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz beim ZDF und in dieser Funktion für die Fernsehgottesdienste zuständig. Ihm ist es ein Anliegen, über Gott und den Glauben so zu sprechen, dass es viele verstehen können. Als Mitgründer und Autor verschiedener Internetportale, wie www.kath.de, www.explizit.net oder hinsehen.net beleuchtet er gesellschaftliche und politische Entwicklungen aus christlicher Perspektive. Er beschäftigt sich mit dem Islam seit 2005, als die Veröffentlichung der sogenannten Mohammed-Karikaturen in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten weltweite gewalttätige Proteste hervorrief und sich vor allem für Medienschaffende die Frage stellte, inwieweit eine Selbstzensur hinsichtlich satirischer Beiträge über den Islam notwendig ist. Außerdem bemerkte er beim Predigen, dass das Thema Islam die Gottesdienstbesucher stark interessiert und sie sehr dankbar sind, wenn man die Aussagen beider Religionen zu einer Frage nebeneinander stellt.

Vladimir Pachkov SJ

© privat

Vladimir Pachkov SJ

Vladimir Pachkov (geb. 1972) ist ein russischer Jesuit, der den Islam aus der Nähe durch Aufenthalte in Ländern Arabiens wie Zentralasiens kennt. Er spricht verschiedene Sprachen, unter anderem auch deutsch. Vor allem in Zentralasien, in Ländern der ehemaligen Sowjetunion, beobachtet er die Ausbreitung eines kämpferischen Islams, seine Eindrücke schildert er auf www.explizit.net.

„Wir müssen dringend miteinander diskutieren“

Eine Textreihe über den Islam im Pfarrbrief? In einem Interview mit Pfarrbriefservice.de wirbt Dr. Eckhard Bieger für das Gespräch mit den Muslimen. Er sieht hier vor allem die Kirchen in der Pflicht.

Warum macht es Sinn, sich mit dem Islam vergleichend zu beschäftigen?

Dr. Eckhard Bieger: Zunächst einmal bietet die Auseinandersetzung mit dem Islam die große Chance, den eigenen christlichen Glauben wieder zu entdecken. Denn es ist etwas anderes, ob man zum christlichen Gott betet oder zum muslimischen. Daraus folgend geht es aber auch um die Frage: Entwickelt sich die muslimische Religionsgemeinschaft so, dass sie unser Staats- und Werteverständnis, das sich ja über die Jahrhunderte entwickelt hat, anerkennen kann? Oder ist es islamische Lehre, dass das islamische Recht über dem Grundgesetz steht? Das Grundgesetz garantiert dem Islam die Religionsfreiheit. Aber garantiert der Islam dem Grundgesetz seine überragende Geltung? Dazu gibt es bis jetzt keine eindeutige Aussage von Vertretern des Islams in unserem Land. Und unser Staat dringt nicht darauf, dass das geklärt wird. Das müssen wir aber anpacken und dringend miteinander diskutieren. Weil wir den Muslimen damit auch helfen, hier zu leben. Sonst sind sie im Herzen ja gespalten.

Es gibt auf Bundesebene als Dialogform die Deutsche Islam Konferenz, die der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble 2006 initiiert hat.

Dr. Eckhard Bieger: Das reicht nicht aus. Vor allem trifft es nicht den Kern des Problems. Die Auseinandersetzung mit dem Islam lässt sich nicht auf die politische Ebene beschränken. Wir müssen den Dialog vor allem auf der religiösen Ebene führen, da es sich um religiös begründete Fragen handelt. Die Muslime fühlen sich sonst nicht ernst genommen. Aber hier sind die Kirchen gefordert. Die Kirchen müssten viel mehr „ran“. Ich finde es verwunderlich, wie zahm die Kirchen sind und wie wenige Dialogforen es gibt.

Welche Fragen müssten Ihrer Ansicht nach dringend geklärt werden?

Dr. Eckhard Bieger: Da ist die Frage nach der Stellung der Frau. Es gibt auch Wirtschaftsthemen, z.B. die nach dem Zins. Es gibt die Frage, ob die Scharia, also das islamische Recht, über dem Grundgesetz steht. Und es gibt im Islam die Berechtigung, das Ansehen des Propheten und Allahs selber zu verteidigen unter Umgehung des normalen Rechtsweges, was immer wieder zu schrecklichen Morden, wie bei der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo, führt. Im Christentum dagegen sind die Gläubigen dazu nicht angehalten, es heißt in der Bibel, dass die Ehre Gottes Gott selbst wieder herstellen wird. Gerade in diesem Punkt der Blasphemie wird es meiner Meinung nach nötig werden, dass sich auch unsere Rechtsprechung ändert und objektive Kriterien entwickelt, um feststellen zu können, wann etwas den Glauben beleidigt. Das würden auch viele Christen befürworten.

Was wäre ein Weg des Zusammenlebens?

Dr. Eckhard Bieger: Die Lehre der Päpste, die durchgängig darauf hingewiesen haben, dass am Dialog kein Weg vorbei führt. Wir müssen miteinander reden. Das ist das A und O. Wenn man aufhört, miteinander zu reden, fängt die Feindschaft an. Und wir müssen schauen, dass die Muslime, die auf Dauer hier bleiben wollen und aus nicht-demokratischen Staaten kommen, Bürger dieses Staates werden. Das können sie aber nicht ohne uns. Man wird nicht automatisch Bürger einer Republik und findet Wahlen wichtig und Gewaltenteilung, Gesetze und all diese Dinge. Das haben wir ja auch nach vielen Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen erst mühsam entwickeln müssen.

Kann ein Zusammenleben überhaupt funktionieren?

Dr. Eckhard Bieger: Wir müssen was dafür tun. So, wie es jetzt ist, reicht es nicht. In der Geschichte gibt es Beispiele, wo ein Zusammenleben möglich war. Der Punkt ist - das hat das Zweite Vatikanische Konzil deutlich gemacht -, dass wir in einer Welt leben, wo es mehrere Religionen gibt, die ein Recht haben zu existieren. Jede Religion muss für sich notwendigerweise einen Totalitätsanspruch erheben, weil sie sich ja sonst selbst relativiert. Und trotzdem muss es möglich sein, in Toleranz zusammen zu leben. Das ist das Kunststück, für das wir – katholische und evangelische Christen - selbst ja Jahrhunderte brauchten, bis in die 1970er Jahre hinein, um es zu lernen.

Hinweis: Den ersten Beitrag „Gottes Allmacht und Wille“ der neuen Reihe „Christentum und Islam im Vergleich“ sowie alle künftigen Beiträge finden Sie hier.

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