Wertschätzende und sinngebende Deutung menschlicher Sexualität

Buchtipp: Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik

von Elfriede Klauer am 04/06/2021 - 06:00  

Das Cover des neuen und letzten Buches von Eberhard Schockenhoff

Kirche und Sexualität – von dieser Beziehung erwarten sich viele Menschen heutzutage wohl kaum noch etwas Hilfreiches für ihr Leben. Die katholische Kirche gilt mit ihrer offiziellen Sexualmoral als rückständig, lust- und leibfeindlich. Dabei könnte und müsste es anders sein. Darum geht es auch beim Synodalen Weg. Die kirchliche Sexualmoral bzw. das „Leben in gelingenden Beziehungen“ ist dort ein Schwerpunktthema und wird in einem von vier Synodalforen diskutiert. Ein Mitglied war bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 2020 Eberhard Schockenhoff. Der Priester und Professor für Moraltheologie setzt sich in seinem neuen und letzten Buch „Die Kunst zu lieben“ mit der Entstehung der kirchlichen Sexualmoral auseinander, zeigt analytisch deren Schwachstellen auf und entwickelt eine neue Sexual- und Beziehungsethik, die ohne moralischen Zeigefinger zu einem gelingenden Leben beitragen will.

Erotische Liebe als „Glücksfall“

In der Auseinandersetzung mit den modernen Humanwissenschaften steht im Zentrum seiner Überlegungen die „existenzielle Dimension der Sexualität“, die ihren menschlichen Sinn erst dadurch erhält, dass sie auf ein Du gerichtet ist und dieses Du in seiner Würde als Person anerkennt. „Sexualität ist eine elementare Sprache der Liebe und untersteht als Ars erotica, als kunstvolles Vermögen, einander lustvoll zu begehren, wie alle menschliche Kommunikation dem Ethos der Liebe und der Wahrhaftigkeit“, schreibt Schockenhoff. Und weiter: „Der Umstand, dass die spontane Bejahung des eigenen Daseins und die Annahme des anderen im Akt der erotischen Liebe zwangloser als in jedem anderen zwischenmenschlichen Verhältnis übereinstimmen, begründet jene Sonderstellung der erotischen Liebe, die sie zum besonderen Glücksfall unter allen Arten der Liebe macht.“ Es gelingt Schockenhoff, in wertschätzenden Worten den besonderen Wert von Sexualität herauszuarbeiten, was ihr vonseiten des kirchlichen Lehramtes bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil verwehrt blieb. Die Ehe gilt ihm als „verbindliche Lebensform der Liebe“, ohne jedoch andere Formen des Zusammenlebens – auch gleichgeschlechtlicher Art – moralisch abzuwerten.

Denkfehler werden offengelegt

Spannend ist zu lesen, wie er immer wieder auf wissenschaftlich-analytische Art und Weise Denkfehler in moraltheologischen oder lehramtlichen Äußerungen aufdeckt und bisherige Begründungen für Ver- und Gebote in Frage stellt. Schade, dass er das Buch nicht beenden konnte. Geplant war, ausgehend von seinen grundsätzlichen Überlegungen zu Sexualität, Liebe und Partnerschaft auch konkrete Themen wie voreheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zu beleuchten. Das Buch endet mit dem unvollendeten, aber dennoch lesenswerten Kapitel „Voreheliche Lebensgemeinschaften“. Wer sich von dem wissenschaftlichen Sprachstil und den fast 500 Seiten nicht schrecken lässt, findet in diesem Buch neben all dem Abschreckenden aus der Geschichte der kirchlichen Sexualmoral eine einfühlsame, wertschätzende und sinngebende Deutung menschlicher Sexualität und Partnerschaft.

Elfriede Klauer, In: Pfarrbriefservice.de

Eberhard Schockenhoff: Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik. Verlag Herder, 2021. 488 Seiten; 48 Euro

Buchtipp: Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik

Moraltheologe Eberhard Schockenhoff legt eine wertschätzende und sinngebende Deutung menschlicher Sexualität vor

Elfriede Klauer

Kirche und Sexualität – von dieser Beziehung erwarten sich viele Menschen heutzutage wohl kaum noch etwas Hilfreiches für ihr Leben. Die katholische Kirche gilt mit ihrer offiziellen Sexualmoral als rückständig, lust- und leibfeindlich. Dabei könnte und müsste es anders sein.

Buchtipp-Cover: Die Kunst zu lieben

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