Spezialisierte Software für die Pfarrbrief-Erstellung nutzen

Eine aktuelle Marktübersicht der wichtigsten Layout-Programme

von Christian Schmitt am 20.01.2014 - 23:00  

Pfarrbriefservice.de

Arbeitsoberfläche von DTP-Software: der Überblick über die Seiten eines Dokuments ist jederzeit gegeben.

(Zuletzt aktualisiert am 15.1.2026 / cs)

Wer schon einmal versucht hat, mit handelsüblicher Textverarbeitungssoftware ein Dokument zu erstellen, das den Umfang eines Briefes übersteigt, kennt vermutlich die damit verbundenen Probleme. Die Möglichkeiten von Microsoft Word, Open Office Writer oder Libre Office Writer reichen meist nicht für die Broschürenerstellung, wie sie z.B. ein umfangreicher Pfarrbrief erfordert. Je größer dabei die Seitenzahl, desto unangenehmer machen sich fehlende Funktionen bei der Arbeit bemerkbar. Änderungen der Artikelreihenfolge oder des Textumfangs führen zu veränderten Seitenumbrüchen mit zum Teil ungewollten Nebenerscheinungen im gesamten Dokument. Eingebundene Grafiken lassen sich oft nur mit Mühe und unter „gutem Zureden“ dazu bewegen, die vom Gestalter gewollte Position einzunehmen. Die Arbeit in einem 40-seitigen Layout gerät zum Suchspiel, wenn die verwendete Software keine komfortable Seitenübersicht bietet. Und schließlich: wenn die zahlreichen Herausforderungen und Fallstricke auf dem Weg zum fertigen Dokument endlich gemeistert sind, droht die „Mission“ oft noch im letzten Schritt an den beiden Fragen zu scheitern, wie die Daten a) nun in die Druckerei gelangen, und b) ob diese damit auch fehlerfrei drucken kann.

DTP (Desktop Publishing) Software erleichtert das Layouten

Für anspruchsvolle Anwendungen, wie die Erstellung von Pfarrbriefen und Pfarrmagazinen, gibt es seit Jahren spezialisierte und ausgereifte Programme. Die Stärke dieser sog. „DTP-Software“ liegt im Bereich Layout. Damit kann sich der Anwender auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren: das Anordnen und Zusammensetzen von Einzelelementen zu den fertigen Seiten eines Dokuments.

Die Abkürzung DTP wurde ursprünglich im angloamerikanischen Sprachraum geprägt und steht für „Desktop Publishing“, was übersetzt so viel heißt wie: „Publizieren vom Schreibtisch aus“. Damit meint man das computergestützte Setzen von Publikationen, die aus Texten und grafischen Elementen bestehen. Prototypen solcher Programme kamen ab etwa 1985 auf. Die Technik entwickelte sich sehr rasch aus ihren Kinderschuhen heraus und verdrängte mehr und mehr den bis dahin üblichen Fotosatz. Bereits etwa zehn Jahre später hatte sich das Publizieren per Computer weitgehend durchgesetzt.

Der Bildschirm zeigt direkt das Arbeitsergebnis  – WYSIWYG

Ein wesentliches Kennzeichen fast jeder DTP-Software ist die rahmenorientierte Arbeitsweise. Jegliche Inhalte, seien es Bilder, Texte oder Tabellen, werden innerhalb definierter Bereiche, sog. „Rahmen“ in das Layout eingefügt. Diese lassen sich in Form, Anordnung und Größe jederzeit und nahezu beliebig ändern und beispielsweise auch schnell zwischen den Seiten hin- und herschieben. Textrahmen können dabei so miteinander verknüpft werden, dass der Textfluss von Spalte zu Spalte und von Seite zu Seite stets gewährleistet bleibt.

Die meisten Layout-Programme arbeiten nach dem WYSIWYG (engl: „What You See Is What You Get“) - Prinzip. Der Computer berechnet das spätere Druckergebnis noch während der Arbeit. So hat der Layouter/Setzer am Bildschirm die ständige Kontrolle über sein Arbeitsergebnis, ohne das Dokument immer wieder auf einem Drucker ausgeben zu müssen.

Der seitenweise Dokumenten-Aufbau, die Arbeit mit „Master-Seiten“ als Vorlagen und die Möglichkeit, schnell zwischen den Seiten hin- und herzuschalten, komplettieren die Funktionspalette guter DTP-Programme.

Mit welcher Software arbeiten Profis?

In der Grafikbranche dominieren die beiden Programme Quark Xpress und Adobe Indesign den Markt. Beide können auf eine mehrere Jahrzehnte lange Entwicklungszeit zurück schauen und gelten als technisch ausgereift. Ihre Vorteile spielen diese „Flaggschiffe“ des DTP immer dann aus, wenn umfangreiche Publikationen unter hohem Zeitdruck bei gleichzeitig größtmöglichem Anspruch an grafische Originalität und Professionalität erstellt werden. Grafiker schätzen sie u.a. wegen ihrer Ausstattung mit Werkzeugen, die mehrere Arbeitsschritte zusammenfassen und automatisieren, wie z.B. die Erstellung von weichen Schlagschatten, halbtransparenten Objekten, sowie typografischen Finessen. Auch die einfache Möglichkeit, Objekt-, Schrift- und Absatzstile zu definieren, spart wertvolle Zeit, die dem Gestalter dann im Idealfall für das eigentliche kreative Arbeiten zur Verfügung steht. Ausgeklügelte Funktionen, wie halbautomatischer Tabellensatz und automatischer Text-Umfluss um frei definierbare Formen und Objekte, sowie ein typografisch optimierter automatischer Zeilenumbruch ersparen mühevolle Handarbeit.

Natürlich hat solche Profi-Software ihren Preis. Und auch wenn die Hersteller heute mitunter vergünstigte Lizenzmodelle für gemeinnützige Organisationen anbieten, bleibt für Anwender i.d.R. immer noch die relativ hohe Einarbeitungszeit, bevor sie die Software produktiv einsetzen können.

Der Microsoft Publisher: ein Auslaufmodell

Die Firma Microsoft als Hersteller der beliebten Office-Software (Word, Excel, Powerpoint, …) hat bereits vor etwa 30 Jahren erkannt, dass die Möglichkeiten von Word begrenzt sind, gerade im Hinblick auf umfangreichere Publikationen. Mit dem Microsoft Publisher bot sie ein DTP-Programm, das diese Anwendungsfälle abdeckt. Im Vergleich zu den o.g. „DTP-Boliden“ war der Funktionsumfang zwar bei weitem nicht so groß, er reichte aber aus, um mit vertretbarem Zeitaufwand zu respektablen Ergebnissen zu kommen. Sowohl die Einarbeitungszeit als auch die Lizenzkosten waren für den MS Publisher sehr überschaubar, was die Software für den semiprofessionellen Einsatz interessant machte. Inzwischen hat Microsoft angekündigt, die Software aus Office 365 zu entfernen. Der Support wird laut Microsoft ab Oktober 2026 endgültig eingestellt, auch für ältere Versionen. Wer mit einer älteren Version arbeitet, deren Lizenz zeitlich unbegrenzt ist, kann damit zwar weiterhin arbeiten, setzt sich allerdings erhöhten Sicherheitsrisiken aus. Von einer Verwendung des MS Publisher über Oktober 2026 hinaus ist daher abzuraten.

Affinity (ehemals Affinity Publisher): Profi-Layout jetzt als Teil einer All-in-One-App

Der frühere Affinity Publisher ist seit dem großen Produkt-Relaunch Ende Oktober 2025 nicht mehr als eigenständiges Programm erhältlich. Stattdessen bündelt Canva/Serif die bisherigen Programme Publisher, Designer und Photo in einer einzigen Anwendung („Affinity“) – inklusive Layout-Werkzeugen für mehrseitige Publikationen.

Für Pfarrbrief-Redaktionen ist das grundsätzlich attraktiv: Layout, Bildbearbeitung und Vektorgrafik lassen sich in einem durchgängigen Workflow erledigen. Gerade bei wiederkehrenden Aufgaben (Titelgestaltung, Bildoptimierung, Grafikelemente, konsistente Absatz-/Textstile, PDF-Ausgabe) kann das Zeit sparen. Wie bei professioneller DTP-Software üblich, setzt die Nutzung allerdings entweder Vorkenntnisse voraus – oder die Bereitschaft, sich mit etwas Zeit und Neugier einzuarbeiten.

Preislich ist die neue Affinity-App laut Hersteller kostenfrei nutzbar („free forever“). Bestimmte KI-gestützte Zusatzfunktionen sind jedoch an Canva-Abo-Modelle gekoppelt; für klassisches Pfarrbrief-Layout sind diese in der Regel nicht zwingend erforderlich.

Plattformen: Die neue Affinity-App ist aktuell für Windows und macOS verfügbar; eine iPad-Version ist angekündigt.

Hinweis für Bestandsnutzer: Bereits gekaufte Vorgängerversionen (z. B. Affinity Publisher 2) bleiben nutzbar; wie lange diese noch regulär gepflegt werden, ist allerdings nicht in gleicher Klarheit kommuniziert wie das neue Produkt. 

Mehr Informationen gibt es auf der Hersteller-Seite: 
https://www.affinity.studio/

Kostenfreies DTP mit Scribus

Bereits seit 2001 gibt es mit Scribus ein Seitenlayout-Programm, das der sogenannten freien Open-Source-Software zuzurechnen ist. Scribus wird von einem weltweiten Team entwickelt, das über das Internet miteinander vernetzt ist. Für Anwender fallen daher keine Lizenzgebühren an – wer das Programm für die eigenen Zwecke einsetzen möchte, kann dies kostenlos tun.

Kompatibel mit allen gängigen Computersystemen

Neben den geringen Kosten ist ein wesentlicher Vorteil von Scribus, dass es auf nahezu allen marktüblichen Computerplattformen einsetzbar ist – insbesondere auf Windows, macOS und Linux. Die gespeicherten Dokumente sind dabei plattformübergreifend nutzbar; somit kann beispielsweise auch ein Redaktionsteam problemlos zusammenarbeiten, dessen Mitglieder unterschiedliche Systeme verwenden.

Der Funktionsumfang von Scribus ist in vielen Bereichen vergleichbar mit dem früheren Microsoft Publisher – auch wenn sich beide Programme im Bedienkonzept teils deutlich unterscheiden. Eine gewisse Einarbeitungszeit ist notwendig, bleibt jedoch im Vergleich zu typischer Profi-DTP-Software in einem gut vertretbaren Rahmen. Das macht Scribus auch für Anwender interessant, die in ihrer Freizeit hin und wieder Publikationen ehrenamtlich erstellen.

Solides Werkzeug mit etwas Einarbeitungsbedarf

Scribus hat sich in den letzten Jahren spürbar weiterentwickelt. Seit Anfang 2024 steht mit Version 1.6.0 eine neue stabile Hauptversion zur Verfügung.

Nicht verschwiegen werden darf allerdings, dass Scribus an der einen oder anderen Stelle nicht immer ganz so „rund“ läuft, wie man es von einem ausgereiften kommerziellen Produkt erwarten würde. Je nach Systemkonfiguration kann es sinnvoll sein, regelmäßig Zwischenspeicherungen anzulegen, um im Fall der Fälle auf eine gesicherte Version zurückgreifen zu können. Dennoch handelt es sich bei Scribus um ein grundsolides Werkzeug, mit dem man ohne größere Haken und Ösen zum Ziel gelangen kann. Fertige Dokumente lassen sich am Ende in das branchenübliche PDF-Format exportieren und an die Druckerei geben.

Links und Bezugsquelle für Scribus

Scribus kann kostenlos heruntergeladen werden (Windows / macOS / Linux):
SourceForge-Projektseite:
https://sourceforge.net/projects/scribus/

Pfarrbrief-Vorlagen für Scribus bei Pfarrbriefservice.de verfügbar

Ab sofort gibt es bei Pfarrbriefservice.de kostenfreie Vorlagen für einen Pfarrbrief auf Scribus-Basis. Eine kompakte DIN A5-Vorlage ist die Portierung der bereits seit einiger Zeit verfügbaren Publisher-Vorlage, die um einige Seiten erweitert wurde (u.a. Beispiele für eine Termine-Seite). Eine weitere Variante liegt im Format DIN A4 (4 Seiten) vor. Alle Vorlagen können kostenfrei herunter geladen werden unter:

http://www.pfarrbriefservice.de/materialien/vorlagen/scribus_a5.html

Diese Seite teilen