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Bilderbuch-Tipp „Auf dem Weg"

Neues Buch der Serie „Kinder- und Jugendbücher entdecken“

von Ronja Goj / Markus Tomberg am 03.09.2025 - 05:55  

Heinz Janisch, Helga Bansch, Auf dem Weg, © 2024 Verlag Jungbrunnen Wien

Gute Bilderbücher erzählen ihre Geschichte auf mehrfache Weise: Als geschriebener Text, als gemaltes Bild, das idealerweise mit dem Text interagiert und als Inspiration für mündliches Weiterspinnen und Fantasieren. Vor allem, wenn kleine Kinder zusammen mit Erwachsenen Text und Bild des Bilderbuches gemeinsam erobern.

Eine solche, mehrfache Erzählung gelingt Heinz Janisch und Helga Bausch in „Auf dem Weg“: Das ist die Geschichte der Reise einer kleinen Maus, die im Zoo beginnt und bei einem Huhn abseits der großen Stadt endet. Auf diesem Weg macht die kleine Maus viele spannende Entdeckungen. Die werden nicht alle textlich auserzählt. Vieles wird in den Bildern nur angedeutet. Und dann wird alles wortwörtlich zusammengereimt: Denn je zwei der doppelseitengroßen Reisebilder sind durch gereimte Wortpaare miteinander verbunden. Sie markieren große oder kleine Sehenswürdigkeiten, machen Alltagsszenen zu Besonderheiten oder bilden Gegensatzpaare. Da passt zum „Feuerball“ der „Wasserfall“ oder zum „Ritterglanz“ der „Elfentanz“. Weil es dazu auf dem Titelblatt noch eine richtige Schatzkarte gibt, kann es mit den Entdeckungen beim Lesen und Betrachten gleich losgehen!

Und davon gibt es jede Menge. Denn die Bilder sind nur auf den ersten Blick übersichtlich, großflächig gemalt und einfach aufgebaut. Wie das riesige Schwein, das fast die ganze Doppelseite einnimmt. Doch warum trägt es ausgerechnet Gummistiefel? Ist die Burg am Horizont mehr als ein beliebiger Orientierungspunkt? Für wen sind wohl die Kirschen bestimmt? Mit Hilfe der Bilder lässt sich mehr als nur eine Geschichte erzählen. Und dann laden die fantasievollen Wortpaare auch noch ein, auf eigene sprachliche Entdeckungsreisen zu gehen, bekannte und ganz neu zusammengesetzte Wörter auszuprobieren. Gelingt es, sie durch Reime aneinander zu binden?

Am Ende ihres Weges hat das Huhn auf die Maus gewartet. Die jede Menge mitgebracht hat. Ein Fundstück jeder Doppelseite wird zum Mitbringsel. Und mit seiner Hilfe kann die Reisegeschichte noch einmal erzählt werden. Denn die Mitbringsel sind gar nicht so leicht zu entdecken und müssen erst noch einmal wiedergefunden, ihre Geschichte noch einmal neu erdacht werden.

Das machen die drei Punkte, mit denen das Bilderbuch schließt, überdeutlich: Wer eine Reise tut, kommt aus dem Entdecken und Erzählen nicht heraus. Und wer das Bilderbuch von Heinz Janisch und Helga Bausch anschaut, schon gar nicht!

Buchrezensionen von Markus Tomberg

Markus Tomberg fischt für Pfarrbriefservice.de die interessantesten Geschichten aus dem Büchermeer. Er ist Mitglied der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises der Deutschen Bischofskonferenz. Für Pfarrbriefservice.de schreibt er Rezensionen ausgewählter Kinder- und Jugendbücher.

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Alle bisherigen Beiträge der Reihe.

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Markus Tomberg

Jahrgang 68, ist seit 2012 Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Fulda.

Eine Rezension von Markus Tomberg

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Markus Tomberg

Gute Bilderbücher erzählen ihre Geschichte auf mehrfache Weise: Als geschriebener Text, als gemaltes Bild, das idealerweise mit dem Text interagiert und als Inspiration für mündliches Weiterspinnen und Fantasieren.

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