Interview mit Johannes Simon zur Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit in den Pfarreien

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© Dr. Paulus Decker

Johannes Simon ist als Pastoralreferent Leiter des Referates Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde beim Medienreferat der Diözese Würzburg. Seit mehr als 20 Jahren bietet er Aus- und Weiterbildungsangebote auf Dekanats- und Pfarreiebene an und unterstützt so Pfarrgemeinden und kirchliche Gruppen bei ihrer Kommunikation nach innen und nach außen. Seit dem Start von www.pfarrbriefservice.de koordiniert er dieses bundesweite Internetportal für Pfarrbriefleute. Nicolas Schnall, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner, sprach mit ihm über die Herausforderung „Öffentlichkeitsarbeit“ in der heutigen Gemeindearbeit.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts war der Pfarrer auf der Kanzel wohl der einflussreichste Öffentlichkeitsarbeiter innerhalb seiner Gemeinde. Die Besucherzahlen sind gesunken, der Einfluss auch. Was muss Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Meinung nach innerhalb einer Pfarrgemeinde heute leisten?

Johannes Simon: Öffentlichkeitsarbeit hat die Aufgabe, das Beziehungsnetz in einer Pfarrei oder einer Pfarreiengemeinschaft durch persönliche Kontakte und ansprechende Medien zu knüpfen und tragfähig zu halten. Das schließt die Menschen ein, die sich regelmäßig zu Gottesdiensten und Veranstaltungen versammeln ebenso wie die, die nur in losem Kontakt zu ihrer Pfarrei leben. In der Begegnung mit Menschen werden die Erfahrungen mit Kirche maßgeblich geprägt. Diese Chancen gilt es zu nutzen. Wer sich heute in der medialen Öffentlichkeit nicht zu Wort meldet, wird nicht wahrgenommen. Eine Pfarrei spricht über Pfarrbrief, Plakate, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen noch immer viele Menschen an.

Kommt der Pfarrer an dieser Stelle an der Mitarbeit von Laien vorbei?

Johannes Simon: Meine Erfahrung ist, dass es in den meisten Pfarreien Teams gibt, die für den Pfarrbrief und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind. Auch die Publizistische Kommission der Bischofskonferenz weist in einem Grundlagenpapier dem Pfarrgemeinderat die Verantwortung dafür zu.

War das für Sie auch der Grund, das Internetportal www.pfarrbriefservice.de ins Leben zu rufen?

Johannes Simon: Pfarrbriefservice.de ist die Frucht eines Arbeitskreises, der seit vielen Jahren Verantwortliche aus diesem Bereich zusammenführt. Um das Jahr 2000 entstand die Idee, als gemeinsames überdiözesanes Projekt eine Plattform im Internet zu gründen. In einer Gruppe von Praktikern und „Überzeugungstätern“ gelang es uns dann im September 2002, zusammen mit dem damaligen Medienbischof Ostermann aus Münster, Pfarrbriefservice.de als „Initiative deutscher Bistümer“ ans Netz gehen zu lassen.

Sieben deutsche Diözesen waren als Gründungsmitglieder dabei, zwölf weitere und das Erzbistum Luxemburg haben sich inzwischen dazu gesellt. Wie beurteilen Sie die Entwicklung dieser Initiative seitdem?

Johannes Simon: Ich bin natürlich sehr stolz, dass sich immer mehr Bistümer angeschlossen haben und sich auch noch neue anschließen werden. So gelingt es uns immer besser, das zentrale Portal für Pfarrbriefleute zu sein. Ermutigend war für mich das Lob von Medienbischof Gebhard Fürst für den „Langstreckenläufer Pfarrbriefservice“. Wir haben in einem Feld etwas bewegt, aus dem sich die deutschen Bistümer lange herausgehalten haben. Ein Bistum alleine hätte einen solchen Auftritt niemals stemmen können. Nur in diesen überdiözesanen Strukturen war und ist es möglich, dass Pfarrbriefleute rund um die Uhr qualifizierte Unterstützung erhalten.

Wie gewährleisten Sie, aktuell zu sein und zukunftsfähig zu bleiben?

Johannes Simon: In unserem Team bündeln sich Ehrgeiz, Kompetenz, Erfahrung und der Anspruch zeitgemäß und kundennah zu arbeiten. Klar sind wir stolz auf das Erreichte, aber geben uns niemals damit zufrieden. So erarbeiten wir immer neue Bausteine, wie zum Beispiel das Angebot der Monatsthemen, die bei uns in der Rubrik „Materialien“ zu finden sind. Die Wünsche und Anregungen der Nutzer und der direkte Kontakt zu den Pfarrbriefmachern bringt unser Portal natürlich auch weiter.

Sie bieten auf dem Internetportal kostenfreie Materialien und Tipps zur Erstellung des „klassischen“ Pfarrbriefes an. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Johannes Simon: Pfarrbriefmacher erhalten bei uns ein breites Themenspektrum an Bildern und Texten. Konkret: Wer den Oster-Pfarrbrief vorbereitet, findet thematisch passende Grafiken und Fotos für das Titelblatt und die Gestaltung der Innenseiten. Ebenso bieten wir Textbausteine an, die übernommen oder durch die Redaktion bearbeitet werden können. Denn oft ist die Not von Pfarrbriefmachern groß, neben den festen Inhalten aus der Gemeinde noch ein Bild oder einen Text zu finden. Und bei den oft knappen Budgets besonders attraktiv: Alle Materialien sind für die Öffentlichkeitsarbeit kostenfrei. Lediglich der Name des Autors oder der Autorin und Pfarrbriefservice.de müssen in der Quellenangabe stehen. Wer also auf der Suche nach praktischen Hilfen für die Öffentlichkeitsarbeit ist, der wird auf dieser Seite auf eine Fülle von Tipps und Checklisten stoßen. Zudem bietet unser „Ansprechpartner des Monats“ schnelle und unkomplizierte Hilfe.

Gibt es darüber hinaus weitere Hilfestellungen von Ihrer Seite?

Johannes Simon: In einigen Bistümern gibt es bereits Kurse und Fortbildungen in diesem Bereich. Auch hier gibt es schon Kooperationen über die Bistumsgrenzen hinaus. Im Moment planen wir für den Herbst 2011 eine Bildungsoffensive 2020 für Pfarrbriefredaktionen. Hierzu schnüren wir derzeit Kurspakete, die die Bistümer und deren Bildungseinrichtungen sowie Pfarreiverbünde bundesweit abrufen können. Ich bin davon überzeugt, dass Fortbildung von Angesicht zu Angesicht am nachhaltigsten wirkt und die Öffentlichkeitsarbeit professionalisiert.

Stichwort Professionalisierung: Immer mehr Pfarreien präsentieren sich mit aufwändigen Internetseiten einer (weltweiten) Öffentlichkeit. Kann es sich eine Pfarrgemeinde heute überhaupt noch leisten, hier nicht vorzukommen?

Johannes Simon: Ich habe es bereits erwähnt: Kirche und speziell Pfarreien müssen sich in die Gesellschaft medial einbringen, wenn sie kein Nischendasein fristen möchten. Dazu gehört selbstverständlich auch der Internetauftritt. Allerdings darf man dessen Wirkung nicht überschätzen. Das Internet ist im Gegensatz zum Pfarrbrief ein „Ich muss hingehen“-Medium. Gerade einmal 10 von 100 Katholiken besuchen regelmäßig kirchliche Internetseiten. Der Pfarrbrief hingegen landet als Magazin der Kirchengemeinde unaufgefordert im Briefkasten und wird von 64 von 100 Katholiken gelesen.

Also ist der Einsatz der Öffentlichkeitsarbeiter in den Pfarrgemeinden nicht hoch genug zu bewerten?

Johannes Simon: Ich habe hohe Anerkennung für den Beitrag, den Frauen und Männer in diesem Bereich für das Zusammenleben in der Pfarrei leisten – oft über Jahre dauerhaft und verlässlich. Zudem befinden sie sich dabei in guter Gesellschaft. Jesus wurde einmal „Meister der Kommunikation“ genannt, weil er auf Augenhöhe, verständlich und mit großer Wertschätzung mit den Menschen in Kontakt getreten ist. Das Beziehungsnetz heute weiter zu knüpfen und Menschen mit Gott und der Welt in Berührung zu bringen, ist ein wunderbarer Auftrag und eine lohnenswerte Aufgabe.

Quelle: KA+das zeichen, Ausgabe 3/ März 2011 - monatliche Zeitschrift der Pallottiner für Spiritualität, Bildung und Lebensgestaltung aus dem Glauben, http://www.ka-zeichen.de/

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