Das Heft muss unter die Leute
Kapitel 11
Einige Gemeinden legen ihren Pfarrbrief nur in der Kirche aus. Zwangsläufig erreichen sie mit ihrer Publikation dadurch nur die Gottesdienstbesucher, die sowieso zum Kern der Gemeinde zählen. Der Pfarrbrief bleibt ein internes Medium, das durchschnittlich nur zu jedem zehnten Katholiken gelangt. Solch eine Beschränkung auf die Kirchgänger hat einen großen Vorteil: Der Vertrieb der Publikation ist mühelos. Man braucht nicht viele Helfer, die den Pfarrbrief unters Volk mischen. Das ist aber auch der einzige Vorteil bei solch einer „kleinen Lösung“, bei der ein Pfarrbrief seine vielen Möglichkeiten einfach nicht nutzt. Das Heft kann nicht nach außen wirken und Menschen behutsam an die Gemeinde heranführen, die der Kirche fremd geworden sind. Es strahlt nicht aus und verpasst die Chance, Sympathieträger einer missionarischen Gemeinde zu sein.
Im Abonnement
Wer den Pfarrbrief im Abonnement bezieht, bekommt ihn regelmäßig ins Haus geliefert. Damit entsteht eine kontinuierliche Bindung, ein Brückenschlag der Pfarrei zu den Menschen. Die Hürde ist dabei, die Menschen für ein Abonnement zu gewinnen. Manch einer schlägt das Abonnement aus, weil er glaubt, dass kirchliche Themen für ihn nicht interessant sind. Oder er meint, dafür hat er kein Geld übrig.
Kostenlos an alle Katholiken?
Eine kostenlose Verteilung an alle katholischen Haushalte ist mit Abstand der beste Weg, die Brückenfunktion des Pfarrbriefes zu nutzen. Jeder bekommt unaufgefordert das Heft in den Briefkasten und kann darin blättern und lesen. Bei einer Befragung aller Pfarreien 1999 haben sich im Bistum Würzburg 90 Prozent für diesen Weg entschieden. Gerade bei abnehmender Kirchenbindung lassen so die Gemeinden den Faden nicht abreißen, sondern nutzen die Chance des Pfarrbriefes eine Publikation zu sein, die alle Menschen anspricht und erreicht.
Gemeindemitglieder machen sich auf den Weg
Einiges Organisationstalent und viele gute Kontakte gehören jedoch dazu, um die frisch gedruckten Pfarrbriefe wirklich in die Hand dieser Leser zu befördern. Denn in der Regel scheidet ein komfortabler Postvertrieb aus finanziellen Gründen aus. Also bleibt nur eine arbeitsintensive Vertriebslösung: Gemeindemitglieder machen sich auf den Weg und bringen die Pfarrbriefe persönlich in jedes Haus. Damit kann die Gemeinde sicherstellen, dass wirklich jeder Haushalt flächendeckend erreicht wird. Doch wird solch ein Vertrieb nur gelingen, wenn viele Gemeindemitglieder mitmachen.
Gemeinde in kleinere Bezirke aufteilen
Zunächst einmal muss die Gemeinde dazu in kleinere Bezirke unterteilt werden. Als Faustregel gilt: Die Distrikte werden so festgelegt, dass eine Person die Gemeindebriefe jeweils an einem Nachmittag verteilen kann. Wenn die Bezirke zu groß werden, ergibt sich immer wieder das gleiche Problem: Die Austeiler fühlen sich eines Tages überfordert. Zwar betreuen sie ihren Pfarrbrief-Distrikt einige Zeit. Doch irgendwann verlieren sie endgültig die Lust und werfen dann den zu schwer gewordenen Brocken hin.
Austräger suchen und betreuen
Sobald die Bezirke feststehen und die Adresslisten vorliegen, müssen Austeiler gesucht werden – sicherlich der schwierigste Schritt beim Aufbau eines Vertriebssystems. Im Idealfall sollten die Austeiler selbst in ihrem Bezirk wohnen, denn auch beim Verteilen der Pfarrbriefe werden wichtige Kontakte geknüpft. Und viele Empfänger sind froh, ein bekanntes Gesicht mit dem Pfarrbrief zu verbinden. Doch lässt sich diese optimale Lösung nicht immer verwirklichen. Es bedarf einiger Aufrufe im Rahmen der Vermeldungen im Gottesdienst und noch viel mehr persönliche Gespräche, bis ein gemeindeumspannendes Netz aufgebaut ist. Wenn es einmal steht, muss es natürlich sorgfältig gepflegt - und notfalls geflickt - werden. Wichtig ist ein regelmäßiger Dank an die vielen Helfer, die den Pfarrbrief verteilen. Eine regelmäßige Einladung zu einem attraktiv gestalteten Nachmittag oder zu einem Ausflug verstärkt die Bindung der Austräger untereinander und lässt sie spüren, dass sie nicht allein tätig sind. Und warum soll man diese fleißigen Leute nicht einmal im Pfarrbrief nennen? Vielleicht sogar in Kombination mit einem Gruppenfoto? So mancher Leser wird schauen, wer denn sein persönlicher Zusteller ist.
Und woher kommt das Geld?
Nach der Umfrage im Bistum Würzburg 1999 erbringen die Pfarreien das Geld für den Pfarrbrief zu 70 Prozent aus dem laufenden Pfarrhaushalt. 15 Prozent finanzieren sich durch Spenden. Der Rest zieht Abogebühren ein oder finanziert durch Werbung. Den Pfarrbrief als einen festen Haushaltsposten zu sehen wie Orgelbetrieb, Heizung, Gebäude, Personal und anderes macht Sinn. Auch das Grundlagenpapier zur Pfarrbriefarbeit der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz plädiert dafür: „Die Finanzierung von Erstellung, Druck und Verteilung des Pfarrbriefes geschieht aus Mitteln der örtlichen Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde stellt die notwendigen Mittel zur Verfügung. Die Mittel werden im Haushalt der Pfarrgemeinde ausgewiesen.“ (DBK - Erklärungen der Kommissionen Nr. 24/ 2001)
Er ist die Chance, den Menschen Einblick zu geben in die Planungen und Angebote der Pfarrgemeinde und die Bindung zu stärken. Wer meint, dieses Geld einsparen zu können, wird in einigen Jahren dafür die Quittung erhalten. Für viele Menschen ist der Pfarrbrief mit weitem Abstand überhaupt die Quelle für das, was sie über Glaube und Kirche mitbekommen. Wenn dieser regelmäßige Brückenschlag nicht mehr stattfindet, brechen möglicherweise viele von sich aus auch den Kontakt ab und „sparen“ sich auch die Kirchensteuer und Spendenbeiträge. Nur gut informierte und motivierte Kirchenmitglieder zahlen auch gerne und überzeugt ihre Beiträge. Deshalb ist in den Pfarrbrief investiertes Geld gut investiertes Geld.
Sich unters Volk mischen
Wenn nun jeder Haushalt den Pfarrbrief erhält, ist das Vertriebsproblem optimal gelöst. Dennoch macht es Sinn, den Pfarrbrief zusätzlich an zentralen Orten auszulegen: In der Kirche, im Gemeindehaus, im pfarreigenen Kindergarten oder Jugendzentrum, aber auch im Rathaus, beim (in der Gemeinde engagierten) Bäcker, Lebensmittelhändler, Floristen, Schreibwarenhändler ... Hier kann sich ein Kreis schließen. Wenn Geschäftsleute im Pfarrbrief inserieren, werden sie das Blatt mit ihrer Anzeige anschließend gerne im Geschäft auslegen. So bekennen sie sich öffentlich zu ihrer Kirchengemeinde und gelten bei ihren Kunden als Sympathieträger, die persönlich für die Kirche werben.
Es kostet so gut wie nichts, einige Hefte mehr zu drucken, um sie an diesen Stellen zu platzieren. Der Image-Vorteil ist aber enorm. Der Pfarrbrief mischt sich selbst unters Volk und demonstriert vor allem durch seine Präsenz in den Geschäften und in der Verwaltung, dass die Kirchengemeinde kein Ghetto-Dasein fristet. Die einfache Botschaft lautet: Unsere Gemeinde steht mitten im Leben.
Wertvolle Kontakte pflegen
Einige „heiße“ Adressen sollten außerdem regelmäßig jede Pfarrbrief-Ausgabe zugeschickt bekommen - natürlich in Kombination mit einem kurzen, freundlichen Anschreiben. Dazu gehören der für den Bereich Kirche zuständige Redakteur der Lokalzeitung bzw. des Lokalfunks, die Redaktionen der lokalen Anzeigenblätter, die evangelische Kirchengemeinde, die Regionalstelle ... So baut der Pfarrbrief auch zu diesen Personen und Institutionen wertvolle Kontakte auf und ruft bei den Empfängern die eigene Gemeinde immer wieder ins Gedächtnis.











Startseite
Sitemap