Erste umfassende diözesane Untersuchung im Bistum Würzburg zeigt den Pfarrbrief als das Chancenmedium für die Kommunikation in der Pfarrei

Ein Pfarrbrief steckt im Briefkasten

© Jürgen Damen

Kirche in der Öffentlichkeit

Geht es um die Präsenz von Kirche in der Öffentlichkeit, so fallen bei Diskussionen oft Begriffe wie Kirchenzeitung, Internet-Auftritt und Zusammenarbeit mit professionellen Werbeagenturen. Fernsehserien wie "Schwarz greift ein" und das Wort in den Tag der Kirchenredaktion im Lokalsender des privaten Rundfunks werden als Chance gesehen, Leute auf die Kirche aufmerksam zu machen und ihr Erscheinungsbild zu prägen.

Was mich allerdings verwundert ist die Tatsache, dass in diesem Zusammenhang selten oder gar nicht das Wort "Pfarrbrief" fällt. Ich meine damit jene Publikation, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen mit Berichten und Ankündigungen der Kirchengemeinde im Briefkasten der Menschen landet. Viele Pfarreien investieren viel Engagement, Zeit, Papier und viel Geld in dieses Informations-und Kommunikationsmedium. Und sie tun es beharrlich, zum Teil mit einem hohen Anspruch an die Professionalität von Text, Layout und Konzept und vor allem in der guten Überzeugung, dass der Pfarrbrief auch gelesen wird.

Und da irren sich die Herausgeberinnen und -geber auch nicht.

Von den Lesern geschätzt - als Kommunikationsmedium unterschätzt

Eine umfassende Gemeindebriefstudie im Auftrag des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (Material-und Gestaltungshilfe, Der Gemeindebrief, Sonderheft 1995, Gemeindebriefstudie, Frankfurt) erbringt, dass der Pfarrbrief im Vergleich zu anderen Quellen der Information ganz klar Platz eins belegt: "Mit 47 Prozent gibt knapp die Hälfte aller Befragten an, aus dem Gemeindebrief am meisten darüber zu erfahren, was in der eigenen Kirchengemeinde geschieht. Damit rangiert er weit vor der 'Mund-zu-Mund-Propaganda' durch Angehörige und Bekannte (19%), vor den Informationen im Gottesdienst (15%) und vor den kirchlichen Nachrichten in der lokalen Tageszeitung (13%). Das gilt wiederum für die Angehörigen aller Alters-und Verbundenheitsstufen" (a.a.O. S.10) mit der Kirchengemeinde. Ähnlich gute Trends ermittelt die Untersuchung bezüglich der Frage, ob der Gemeindebrief denn überhaupt gelesen wird. Hier sind es gerade einmal 7 Prozent, die zwar einen Gemeindebrief erhalten, aber nicht lesen. Alle anderen, auch die, die sich "weniger/gar nicht" mit der Kirche verbunden fühlen, nehmen den Gemeindebrief zur Hand und lesen ihn, zumindest teilweise, aufmerksam. Was für die evangelische Gemeindebrieflandschaft ermittelt wurde, lässt sich sicher vom Trend her auf die katholische Pfarrbrieflandschaft übertragen.

Der Pfarrbrief: Das Chancenmedium für die Kommunikation in der Pfarrgemeinde

Die Chance, die Pfarrbriefe für die Kommunikation in den Kirchengemeinden darstellen, untermauert in gleicher Weise die erste umfassende Studie einer deutschen Diözese. Am 26. Februar 1999 konnte ich anlässlich eines Begegnungsabends für Pfarrbriefleute die Landkarte der Pfarrbrieflandschaft in der Diözese Würzburg der Öffentlichkeit vorstellen:

  • Wie viele Pfarreien geben einen Pfarrbrief heraus?
  • Wie oft erscheint ein Pfarrbrief?
  • Welche Technik wird dabei verwendet?
  • In welchem Druckverfahren wird vervielfältigt?
  • Wie werden Pfarrbriefe finanziert?

Diese und andere Fragen werden in der diözesanweiten Untersuchung der Pfarrbrieflandschaft im Bistum Würzburg mit umfangreichem Datenmaterial beantwortet, das durch eine telefonische Befragung aller Pfarrgemeinden anhand eines festgelegten Fragebogens zusammengetragen wurde.

Hier die wichtigsten Zahlen und Hintergrundinformationen aus der Studie im Überblick:

Verbreitung der Pfarrbriefe in der Diözese Würzburg

Im Bistum Würzburg gibt es 234 eigenständige Pfarrbriefe, die in 463 Pfarreien, Kuratien und Filialen verbreitet werden. Zum Vergleich: Insgesamt gehören 877 Pfarreien, Kuratien und Filialen zur Diözese. Damit wird in mehr als der Hälfte aller Kirchengemeinden ein Pfarrbrief in alle Briefkästen des Ortes verteilt.

Rechnet man alle Pfarrbriefe zusammen, würde bei einer Ausgabe die Auflage 280 000 Stück betragen. Die Auflage der Bistumszeitung "Würzburger Katholisches Sonntagsblatt" beträgt zum Vergleich 54 000, die der großen Regionalzeitungen Mainpost und Volksblatt 109 000.

Format, Erscheinungsintervalle und Redaktion

Vorherrschendes Format ist DIN A5. Ein Pfarrbrief hat durchschnittlich rund 19 Seiten.

Die Bandbreite der Erscheinungsintervalle ist groß. Fünf Pfarrbriefe erscheinen beispielsweise alle 2-3 Wochen, 52 monatlich, 53 vierteljährlich und sieben allerdings auch nur einmal im Jahr.

Insgesamt arbeiten 921 Frauen und Männer in den Pfarrbriefredaktionen mit. Nur 35 Pfarrbriefe sind Einmannbetriebe, die Mehrzahl der Redaktionen hat zwei bis sechs Mitglieder. Drei Pfarrbriefe tragen jedoch auch die Handschrift von zwölf Mitarbeitern.

Sechs Pfarrbriefe werden als ökumenische Publikationen aufgelegt.

Technik, Druckverfahren und Finanzierung

Bei der Erstellung hat der Computer die Schreibmaschine weitgehend verdrängt. Die technische Ausstattung der meisten Pfarrbriefredaktionen ermöglicht alle Schritte bis zur fertigen Druckvorlage.

Gedruckt werden die Pfarrbriefe zu über 50 Prozent außer Haus. Das heißt, dass sie in der Regel im Offsetdruckverfahren hergestellt werden, was einen hohen technischen Standard ermöglicht. So können zum Beispiel auch die Fotos vom letzten Pfarrfest in ansprechender Qualität wiedergegeben werden. 40 Prozent der Pfarrbriefe werden in Eigenregie, oft über moderne Digitaldrucker, und 8 Prozent über den Kopierer vervielfältigt. Hier kann es zu Qualitätseinschränkungen bei der Wiedergabe von Fotos kommen. Für das Verfahren der Digitaldrucker spricht ihre ausgesprochene Wirtschaftlichkeit und die Bedienerfreundlichkeit.

Finanziert wird der Brief meist über den Haushalt der Pfarrgemeinde, was bei guter Druckqualität trotz vereinzelter anderer Einnahmequellen wie Anzeigen schon mal mit mehreren tausend Mark pro Jahr zu Buche schlägt.

Ein diözesanes Pfarrbriefarchiv entsteht

Im Zusammenhang mit der Studie wurde auch ein umfassendes Pfarrbriefarchiv der Diözese mit Belegexemplaren der Pfarreien aufgebaut. Zugleich wurde eine Adressdatenbank der Ansprechpartnerinnen und -partner angelegt, so dass wichtige Informationen von diözesanen Einrichtungen und Verbänden gezielt an die Redaktionen mit der Bitte um Veröffentlichung im Pfarrbrief versandt werden können.

Die Pfarrbrieflandschaft als Ergebnis einer jahrelangen Entwicklung

Die Studie und die damit erbrachten Fakten sind sicher auch das Ergebnis einer längeren diözesanen Entwicklung im Bereich des Pfarrbriefes, die ich als zuständiger Referent verantworte. In der Diözese Würzburg wurden die Signale für eine Förderung der Pfarrbriefarbeit in den letzten Jahren unter dem Dach des Medienreferates konsequent durch entsprechende Entscheidungen der Diözesanleitung auf grün gestellt.

Seit 1987 haben interessierte Frauen und Männer Gelegenheit sich bei Abend-und Wochenendkursen des Referates "Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde" das Knowhow zu holen, das sie zum Gestalten, zum Texten und zur Erstellung einer redaktionellen Konzeption brauchen.

Das Referat "Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde" - ein Präzedenzfall für die deutschen Diözesen

1991 wird das Referat "Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde" mit einer vollen Pastoralreferentenstelle eingerichtet mit dem Auftrag die Kirchengemeinden bei der Planung und Durchführung ihrer Maßnahmen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit mit Sachkenntnis und Fortbildungsangeboten zu unterstützen. Neben dem Pfarrbrief wird die Entwicklung anderer Medien wie zum Beispiel Begrüßungsbrief, Kontakt zur Presse, Handzettel und Plakat, Direct-Mailing und ganz aktuell die Präsenz im Internet konzeptionell durch Beratung und Dienstleistungsangebote begleitet. Bei den diözesanen Angeboten nahmen zum Beispiel im Winterhalbjahr 98/ 99 über 300 Personen teil.

Das Angebot des Referates "Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde" gliedert sich in ein thematisch breit gefächertes Seminarangebot von Wochenend-und Abendseminaren. In meiner Person als Leiter des Referates haben die Pfarreien unter dem Stichwort "Service direkt" einen Ansprechpartner, den sie telefonisch ohne Umwege um Rat fragen können. "Service direkt" heißt aber auch, dass Pfarrgemeinden mich zu einer speziellen Beratung ins Team oder in den Pfarrgemeinderat einladen können.

Durch die Einbindung des Referates in das diözesane Medienreferat ist die Zusammenarbeit und Koordination mit anderen Stellen wie der AV-Medienzentrale, Kirchliche Büchereiarbeit, Pressestelle, Kirche im Lokalfunk und-fernsehen, dem Internetbeauftragten sowie der Bistumszeitung möglich.

Trotz des Votums im Grundlagenpapier zur Pfarrbriefarbeit "Es ist wichtig, die Pfarrbriefarbeit nicht nur auf Gemeindeebene, sondern auch auf der Ebene der Pfarrverbände, der Dekanate und der (Erz-)Diözesen nach Kräften zu fördern. ..... Dazu erweist sich auf diözesaner Ebene die Benennung eines/r Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde als notwendig ... ." ist die Einrichtung eines solches diözesanen Referates bislang innerhalb der deutschen Bistümer einzigartig. Aus der Sicht meiner mehr als zehnjährigen Erfahrung gesehen fände ich es angebracht diese mehr als Präzedenzfall zu betrachten und in den anderen Bistümern dem Votum des Grundlagenpapiers zu folgen.

Klare Option für die Weiterentwicklung des Mediums Pfarrbrief

Durch die Studie sehe ich als das pastorale Gewicht der Pfarrbriefe bestätigt und meine Arbeit untermauert. In unserer Mediengesellschaft gilt es für mich, das Medium Pfarrbrief weiter zu entwickeln zu einem Kommunikationsmedium der Pfarrei und der Menschen an einem Ort. Die oben genannten Untersuchungen haben erbracht, dass dieses Medium eine hohe Akzeptanz bei den Leuten hat, auch bei denen, die nur punktuell Kontakt zur Kirche haben. Hier hat gerade der Pfarrbrief seine Vorteile, weil er Kirche am Ort präsentiert und quer durch alle Bevölkerungsschichten die Leute erreicht. Dort, wo er nicht allein Einblicke und Informationen aus dem Gemeindeleben bietet, sondern auch Lebensfragen der Menschen heute thematisiert und zum Gespräch einlädt, ist er die Chance zum Gelingen des Lebens und Zusammenlebens der Menschen beizutragen.

Gemeinden entwickeln sich und die Pfarrbriefe sich mit ihnen

Inhaltlich soll der Pfarrbrief in aller Offenheit Themen, die die Menschen vor Ort interessieren, aufgreifen. Und dies ist nicht in erster Linie und allein Aufgabe des Pfarrers. Das im Mai 1995 von der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz als Handreichung herausgegebene "Grundlagenpapier zur Pfarrbriefarbeit" siedelt folgerichtig zur in den letzten 30 Jahren erfolgten Gemeindeentwicklung die Verantwortlichkeit für den Pfarrbrief beim Pfarrgemeinderat und nicht beim Pfarrer an. Gab es vor dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils nur vereinzelt Pfarrbriefe, so bringt das neue Kirchen- und Gemeindebild des Konzils im Rückblick betrachtet den Durchbruch für das junge Medium. Waren viele Pfarrbriefe anfangs eine erweiterte Kanzel oder eine Gottesdienstordnung mit ausgebautem Terminkalender, so zeigt sich der Pfarrbrief heute vielerorts mit seinem bunten Inhalts-und Themenspektrum als Spiegelbild des Gemeindelebens. Die Fortentwicklungen der Büro-und Vervielfältigungstechnik in den letzten 15 Jahren bringen darüber hinaus eine spürbare Professionalisierung mit sich.

Prüfsteine für eine gelungene Pfarrbriefarbeit

Wie stark den Verantwortlichen für die Pfarrbriefe an einer Professionalisierung ihrer Arbeit liegt, zeigte auch der 1. Pfarrbriefwettbewerb der Diözese Würzburg. 1996 nahmen daran 127 Pfarrgemeinden teil. Über 100 Teams wollten anschließend bei Beratungen ausführlich die Ergebnisse der siebenköpfigen Jury besprechen.

Die Kriterien des Wettbewerbes lesen sich wie Prüfsteine für eine gelungene Pfarrbriefarbeit:

  • Welche Gesamteindruck vermittelt das Layout des Pfarrbriefs? Sind die Beiträge gut gegliedert mit Zwischenüberschriften? Illustrieren Bilder das Heft? Wie sind die Rubriken und Überschriften gestaltet?
  • Wie ist die Titelseite gestaltet? Gibt es feststehende Elemente wie eine Grafik und einen Titelnamen, die für Wiedererkennung sorgen? Weckt ein wechselndes Bild Interesse? Gibt es Hinweise auf den Inhalt, die zeigen "Drinnen ist mehr!"?
  • Vermittelt der Pfarrbrief einen Einblick in das Leben der Pfarrgemeinde: Sind Informationen, Berichte und Angebote von der Vielfalt der Gruppen und Gruppierungen der Pfarrei zu finden? Oder nur die Gottesdienstordnung?
  • Wie steht es mit Beiträgen und Themen aus dem gesellschaftlichen Umfeld der Pfarrei zu Fragen, die die Menschen beschäftigen? Gibt es Beiträge, die auch für Personen ohne ausgeprägtes Verhältnis zur Pfarrei lesenswert sind?
  • Werden aktuelle kirchliche Themen und Glaubensfragen aufgegriffen, die für die Menschen am Ort wichtig sind? Wird dies mit lokalem Bezug getan?
  • Gibt es ein Redaktionsteam? Gibt es eine Pluralität der Autoren? Ist der Pfarrbrief ein plurales Kommunikationsmedium der ganzen Pfarrei oder überwiegend nur des Pfarrers? Zeigt sich Pluralität und Respektierung verschiedener Meinungen in der umfassenden Darstellung von Sachverhalten und konstruktiver Meinungsbildung? Oder wird versucht zu "vereinfachen" oder zu "vereinheitlichen"?
  • Sind die Überschriften aussagekräftig und wecken Interesse? Vermitteln die Textbeiträge einen Gesamteindruck, dass der Pfarrbrief gut lesbar und leicht verständlich ist?

Das Ergebnis des Wettbewerbes zeigte, dass schon viel an qualifizierter Arbeit geleistet wird. Auf der anderen Seite entdeckten die Redaktionen in den Nachgesprächen auch viele Punkte, die ausbaufähig und verbesserungswürdig sind. Hier legen gerade die ehrenamtlich in der Pfarrbriefarbeit tätigen Frauen und Männer gemeinsam mit Pfarrer und Pfarrgemeinderat die Meßlatte ihrer Ansprüche immer ein Stückchen höher nach dem Motto "Gut ist uns nicht gut genug!". Auf diese Weise hat das Medium Pfarrbrief beste Chancen in der modernen pluralen Mediengesellschaft Jesu Frohe Botschaft glaubwürdig zu vermitteln und ein wirkungsvolles Spiegelbild der Gemeinde zu sein.

Kontakt und weitere Infos

Johannes Simon, Diplomtheologe, Pastoralreferent
Leiter des Referates "Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrgemeinde" beim Medienreferat der Diözese Würzburg

Bischofsleite 44,
97478 Knetzgau
Telefon: 09527/ 811 53 Telefax: 09527/ 811 92
E-Mail: Johannes.Simon@bistum-Wuerzburg.de

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