21.01.2016 - 12:55
Dr. Burkhard R. Knipping ist Referent für Männerpastoral im Erzbistum Köln.

Weitere Materialien: 

Was Männer brauchen, um sich stärker am Gemeindeleben zu beteiligen - Ein Interview

von Elfriede Klauer
Voransicht ...

Männer und Kirche – vor Ort in den Pfarreien gibt es da scheinbar nicht viel zu erzählen. Bei den Gottesdienstbesuchern überwiegen deutlich die Frauen, bei gemeindlichen Veranstaltungen und in kirchlichen Gremien oft auch. Was ist los mit den Männern? Oder was ist los mit den Pfarreien, die männliche Bedürfnisse offensichtlich nicht aufgreifen? Ein Interview mit Dr. Burkhard R. Knipping, Referent für Männerpastoral im Erzbistum Köln.

Spricht der christliche Glaube vor allem die Frauen an?

Dr. Burkhard Knipping: Die Art, wie wir Glauben verkündigen und wie wir ihn in Gemeinden leben, scheint eher Frauen anzusprechen. Dabei zeigen Umfragen, dass das religiöse und spirituelle Interesse bei Männern zugenommen hat. Beide Geschlechter liegen mit ihren religiösen Bedürfnissen fast gleich auf.

Was macht es den Männern in der Kirche so schwer?

Dr. Burkhard Knipping: Männer finden sich in vielen Angeboten nicht wieder; denn in der Kirche läuft fast alles über Sprache, vieles ist sehr theoretisch angelegt. Männer dagegen bevorzugen eher das Aktive, Greifbare, die Handlung. Zudem ist Kirche sehr auf das Innere ausgerichtet – im Inhalt, aber auch in ihrer Blickrichtung auf sich selbst und auf ihre Räume. Männer dagegen wünschen sich das Weite, das Draußen, die soziale Offenheit. Leider lässt der kirchliche Sprachgebrauch Begriffe weg, die auf Männer attraktiv wirken, wie Kampf, Anstrengung oder Verpflichtung. Das Jesus-Bild in unseren Gemeinden ist eher nicht fordernd und führt nicht in die Auseinandersetzung.

Was brauchen Männer, um sich am Pfarreileben zu beteiligen?

Dr. Burkhard Knipping: Sie brauchen auf sie passende Angebote, die sie wählen können, ohne auf Dauer verpflichtet zu sein. Sie brauchen Veranstaltungszeiten, die auf ihr berufliches und familiäres Eingespanntsein Rücksicht nehmen. Dabei sind auch längere Zeitphasen – z.B. am Wochenende – attraktiv, nach dem männlichen Motto: „Es darf auch mal anstrengend sein.“ Bei der Planung sollte berücksichtigt werden, dass Männer genügend Zeit brauchen, um abzuschalten, und dass sie Themen bevorzugen, die ihre Lebenswelt berühren, also z.B. mit Sport, mit dem Beruf oder auch mit handwerklichen Tätigkeiten zu tun haben. Und Männer brauchen möglichst viel Raum für eine Mitgestaltung. Oftmals ist nur der Rahmen wichtig. Den füllen sie selbst dann inhaltlich. Wenn diese äußeren Bedingungen stimmen, sprechen Männer über den Kern ihres bzw. unseres Glaubens. Ich bin immer wieder überrascht, in welcher Offenheit und mit welchem Engagement dies dann geschieht.

Warum braucht es Gruppen nur für Männer?

Dr. Burkhard Knipping: Auch Frauen haben ihre Gruppen. Es gibt so etwas wie Geschlechtssolidarität: Man möchte reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist, und das geht in geschlechtshomogenen Gruppen besser.

Was hat eine Gemeinde davon, wenn sich mehr Männer engagieren?

Dr. Burkhard Knipping: Eine Gemeinde öffnet sich dadurch. Männer bringen oft weitverzweigte Netzwerke mit aus ihrem Beruf, ihrem gesellschaftlichen Engagement oder von ihren Hobbys. Sie bringen diese Netzwerke und ihre Erfahrungen in die Gemeinde ein und insbesondere ihre spezifische Sicht als Mann, d.h. eben auch als Vater, Ehemann, Vereins- oder Verbandsmitglied und Berufstätiger. Dadurch erweitern sie die Sichtweisen und die Sichtweiten einer Pfarrei. Außerdem zeigen Erfahrungswerte, dass Männer, die sich ehrenamtlich engagieren, dieses kontinuierlich tun.

Das hört sich erstrebenswert an. Aber wie kommt es zu einem stärkeren Engagement von Männern? Ein Pfarrgemeinderat, der vor allem aus Frauen besteht, kann das wohl schlecht initiieren, oder?

Dr. Burkhard Knipping: Die Männer selbst müssen das wollen - entweder die ehrenamtlichen Männer, die hierfür die entschiedene Unterstützung des Pastoralteams brauchen, oder die hauptamtlichen, wie Priester, Diakone oder Pastoral- und Gemeindereferenten. Zur fachlichen Unterstützung der pfarrlichen Arbeit mit Männern gibt es in jedem Bistum Beauftragte. Meine Kollegen und ich stehen den Gemeinden gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Mann sein und Glaube …

Dr. Burkhard Knipping: … geht sehr gut. Das bestätigen mir alle, die mit Männern pastoral arbeiten. Sie sind oft erstaunt, welches Glaubenszeugnis Männer geben und welche Fragen sie stellen.

Interview: Elfriede Klauer, Pfarrbriefservice.de

Links zur Männerarbeit in der katholischen Kirche:

  • Fachliche Informationen und Kontaktadressen: http://kath-maennerarbeit.de/
  • Praktische Anregungen für die Seelsorge: www.maennerseelsorge-koeln.de

Anzeigen

GemeindeDruckPortal
einfach. professioneller. Mit wenigen Klicks den Pfarrbrief professionell gestalten und umweltgerecht drucken.
gemeindedruckportal.de

Religiöser Buchtipp des Monats
Unkompliziert und direkt hier bestellen. Jeden Monat frisch:
borromedien.de

Bank für Kirche und Caritas
Die Bank von Mensch zu Mensch. Partner für kirchlich-caritative Einrichtungen.
bkc-paderborn.de

Blauer Engel im Pfarrbrief?
Bei uns ohne Antragsverfahren! Sympathische Ausstrahlung bei höchstem Qualitätsniveau und niedrigsten Preisen.
Gemeindebriefdruckerei.de

Download:

Image Fileicon
Dateiformat: Image / jpeg
Dateigröße: 689,2 kB
Bildmaße: 1470 x 1890 Pixel
Maximale Größe im Druck:
12,45 cm x 16,00 cm (300 dpi)

Beispiel für den Urhebernachweis, den Sie führen müssen, wenn Sie das Bild nutzen

Bild: privat
In: Pfarrbriefservice.de