Wechselvolle Geschichte des Kirchenliedes

Die Anfänge des Kirchenliedes reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück. Als ältestes noch heute bekanntes Stück gilt das Osterlied "Christ ist erstanden". Aus dem 13. Jahrhundert stammt das noch heute bekannte Weihnachtslied "In dulci jubilo". Die geistlichen Lieder entwickelten sich nicht im Zentrum, sondern am Rande der Liturgie, etwa im Rahmen von Andachten, Wallfahrten oder Osterspielen. Auch im späteren Mittelalter wurde während der Messe in der Regel kein Kirchenlied gesungen. Die Messliturgie war lateinisch und hatte für deutsche Lieder keinen Raum.

Erst der Reformator Martin Luther gab dem Kirchenlied einen festen Platz in der Liturgie. Es erhielt den gleichen Rang wie die Predigt. Im protestantischen Raum hatte, wer lesen konnte, zu dieser Zeit wenigstens zwei Bücher im Haus - die Bibel und das Gesangbuch. Die Lieder der Reformation waren außerordentlich erfolgreich. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts begannen deshalb katholische Geistliche, die evangelischen Liederbücher zu kopieren. Die Texte änderten sie dabei nur so weit, dass sie als katholisch erkennbar waren.

Durchbruch dank Gegenreformation

Der Durchbruch des katholischen Kirchenliedes kam erst Jahrzehnte später während der Gegenreformation. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand eine wahre Flut an katholischen Kirchenliedproduktionen. Auch mittelalterliche Lieder wurden wieder entdeckt. Im 18. Jahrhundert hatten Marienlieder wie "Maria zu lieben" Konjunktur. Niemand weiß, wer die Texte gedichtet oder die Lieder komponiert hat, denn die Urheber blieben bei den Katholiken anonym. Auf diese Weise entstanden viele unterschiedliche Fassungen ein und desselben Liedes. Von den Liedern der Aufklärung ist das bis heute berühmteste Lied "Großer Gott wir loben dich", das um 1770 entstand.

Mit der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts kam ein radikaler Neuanfang. Der lateinische Wortgottesdienst wandelte sich zur Bet-Sing-Messe, es entstanden Messliedreihen, die das liturgische Geschehen mit deutschen Gesängen begleiteten. Die Liturgie selbst blieb jedoch bis zum 2. Vatikanischen Konzil (1963-1965) lateinisch. Katholische Kirchenlieder wurden über Jahrhunderte mündlich beziehungsweise über Flugblätter, Liederheftchen, Gesangbuch-Anhänge oder Schulbücher verbreitet. Erst im 19. Jahrhundert entstand das Diözesangesangbuch, und erst 1975 kam es zum ersten überdiözesan einheitlichen Gesangbuch "Gotteslob". Seit 2001 arbeitet eine Reihe von Kommissionen an einer Neuausgabe, die viele Veränderungen bringen wird.

Gunda Ostermann, www.katholisch.de

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Text: Gunda Ostermann
In: Pfarrbriefservice.de