Liedportrait (8): "Du Licht des Himmels, großer Gott" (GL 615)

Prof. Dr. Meinrad Walter
27.06.2013 - 00:00

Manchmal ist uns das Jahr näher als der Tag. Das Kirchenjahr ist vertraut, nicht zuletzt in vielen Liedern. Aber auch die Heiligung des Tages hat ihre Gesänge, vom Morgenlied in den „Laudes“ (Morgenlob) bis zu den Psalmen der „Komplet“ (Nachtgebet). Bei der Feier der Tagzeiten setzt das Gotteslob einen neuen Akzent. Bei den Laudes finden wir „Du Licht des Himmels, großer Gott“ als Hymnus. Freilich kann dieser Gesang, dessen ursprünglich lateinischer Wortlaut mit dem Beginn „Deus qui coeli lumen es“ aus spätantiker Zeit stammt, auch in anderen Gottesdiensten und in der Eucharistiefeier gesungen werden. Entscheidend ist die Tageszeit. Das Lied besingt den ewigen Gott (Strophe 1), es beschreibt die Morgenstunde in ihrer Bedeutung für Natur (2) und Mensch (3), und es widmet sich Christus, der Licht (4), Erlöser und Vollender (5) ist.

Die von Erhard Quack 1941 überarbeitete Melodie stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert und steht – mit einem Neujahrslied verknüpft – im berühmten Gesangbuch des Bautzener katholischen Theologen Johann Leisentrit (1584). Heute kennt man sie vom Himmelfahrtslied „Ihr Christen, hoch erfreuet euch“.

Licht als Hauptsymbol

Von dem Eichstätter Priester Friedrich Dörr (1908–1993) stammt die deutsche Übersetzung. Hauptsymbol des Morgenlobes ist das Licht. Seine sinnliche Erfahrung ist wichtig, aber doch nicht alles. Denn sie soll sich weiten zu den religiösen „Obertönen“, die mitklingen. Der Sonnenaufgang erinnert daran, dass die ganze Schöpfung sich Gott verdankt. Hier klingt die biblische Schöpfungsbotschaft aus den ersten Seiten des Buches Genesis nach. Dort wird eingeschärft, dass selbst die Sonne nicht göttlich ist, sondern eine von Gott erschaffene „Leuchte“. Gott hat das Sternenzelt nicht nur „ausgespannt“ (vgl. Psalm 8), sondern er erhält es „mit starker Hand“.

Von Christus, dem Morgenstern

Was bedeutet der Morgen? Die zweite Strophe nennt die Klarheit der Morgenröte und den Segen des Morgentaus. Die dritte, im Zentrum des Liedes, schlägt die Brücke vom Morgenstern zu Christus, wovon wir auch im Gesang des Exsultet in der Osternacht hören: „… bis der Morgenstern erscheint, jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht, dein Sohn, unser Herr Jesus Christus“. Jeder Morgen, jeder Sonnenaufgang, will an den Ostermorgen erinnern, der die Dunkelheit, das „Reich der Schatten“, endgültig vertrieben hat. Am Ende der mittleren Strophe sind wir in der Gegenwart angelangt, denn jetzt „weckt Christus uns vom Schlafe auf“. Deshalb können die Singenden ihn in der vierten Strophe direkt ansprechen: „Du, Christus, bist der helle Tag“ – mit der Anspielung an die Anfangszeile eines anderen, allerdings abendlichen Hymnus: „Christe, qui lux es et dies“ – „Christus, du bist Licht und Tag“.

Zukunft als Zeit des Lichtes

Die abschließende Strophe zitiert den Kolosserbrief des Neuen Testaments (Kapitel 1, Vers 13) und deutet so den „Erlöser“ Christus an. Dabei ändert sich die zeitliche Ausrichtung ganz entscheidend. Das Licht ist Symbol des ewigen Gottes (Strophe 1) und dessen Geschenk für die Erde (2 und 3) zur Ordnung der Zeit in Tag und Nacht. Christus ist als Licht gegenwärtig (4), schon da in seinem Wort, seinem Geist und im Mahl von Brot und Wein. Aber die eigentliche Zeit des Lichtes ist die Zukunft! Am Ende überstrahlt die Verheißung des Lichtes ohne Finsternis gleichsam den gesamten Gesang (5). Der Vergleich zwischen Christus und dem Morgenlicht, er stimmt – und er zerbricht, weil jener Tag Christi, an dem er uns ins Licht führt „und aller Finsternis entreißt“, keinen Abend kennt. Dann wird das Neue Lied angestimmt. Unser Morgenhymnus will Präludium jenes „Canticum Novum“ sein. Und damit relativiert er so manches, was jeder Tag bringen wird, den wir singend beginnen.

Meinrad Walter
Prof. Dr. Walter ist Referent im Amt für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Hinweis für Pfarrbriefredaktionen: Die Liedportraits dienen dazu, ausgewählte Gesänge des neuen Gotteslob, das im Advent 2013 zu kaufen sein wird, bereits jetzt der Gottesdienstgemeinde vorzustellen. Ein Andruck des neuen Gotteslob steht allen Gemeinden seit Februar 2013 zur Verfügung. Kopien daraus sind für den Gebrauch im Gottesdienst zulässig. Ein Abdruck im Pfarrbrief muss im Allgemeinen von den Rechteinhabern (Melodie/Text) genehmigt werden.

Text:
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Text: Prof. Dr. Meinrad Walter
In: Pfarrbriefservice.de